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Zweite Antwort auf TaP (scharf links 28.5.2017)

Europa reitet den Stier

 

„Geschlecht“ und gesellschaftliche Verhältnisse

„Wenn man den Tiger reitet,
kann man schwer absteigen.“
(– chinesisches Sprichwort)

bevor ich zu den antworten auf TaPs rückantwort komme (scharf links, 28.05.2017) möchte ich vorausschicken, dass es mein ursprünglicher impuls war, gar nicht auf diesen artikel zu antworten, da er aus meiner sicht keine wirklich neuen aspekte enthält. Und eine ping-pong-‚diskussion‘ „du liegst falsch, ich habe recht“ wollte ich den lesern von scharf links nun wirklich nicht zumuten. Ich bin aber inzwischen zu der einsicht gekommen, dass es doch notwendig ist, zu antworten; allerdings nicht wegen des themas „geschlechterverhältnisse“, sondern weil sich in diesem thema die philosophischen (weltanschaulichen) unterschiede zwischen TaP und mir offenbaren. Auf diese fragestellung möchte ich meine antwort focussieren. Wenn das nicht viele leser interessiert, hätte ich dafür vollstes verständnis. 😉

systemcrashs neuer Artikel hat den großen Vorteil, daß er eine präzise Eingrenzung der verbleibenden Auffassungsunterschiede ermöglicht.“

nö, leider kann ich das nicht bestätigen und das gibt der betreffende artikel auch nicht her. (aber vlt wirds im zweiten teil besser 😉 )

Ich möchte zunächst einmal sicherheitshalber – da er weiter unten von „unnötigen oder unnötig gewordenen (anachronistischen) strukturen“ spricht – nachfragen, ob diese Formulierung implizieren soll, daß es neben den zu überwindenden „‚überkommen[en]’ […] hierarchischen und Machtunterschieden“ auch noch andere „hierarchische und Machtunterschiede“ zwischen den Geschlechtern gibt, die aktuelle Berechtigung haben und erhaltenswert sind.“

nö. dass diese formulierung „historisch“ gemeint war, hätte man eigentlich dem kontext entnehmen können.

Nur die individuellen biologischen Merkmale sind biologische Realität, die binäre Geschlechtergruppen-Bildung aber eine reduktionistische soziale (ideologische) Interpretation der differenzierten biologischen Realität, heißt für mich „Überwindung der Geschlechter“ – im Sinne der klassischen sex/gender-Unterscheidung – Überwindung der „sozialen Geschlechter“. Denn es gibt meiner Auffassung nach ausschließlich soziale Geschlechter, aber keine sinnvoll abgrenzbaren biologischen Geschlechter (= Gruppen) – wenn auch Individuen mit je spezifischen biologischen Merkmalen.“

spätestens an dieser stelle wird die diskussion zu einem glaubensstreit. Und da TaP nix vom glauben wissen will, könnte man auch mein-ungsstreit dazu sagen. Und für die „meinung“ gilt das, was Meinhard Creydt so grossartig formuliert hat:

„Eine andere Facette der Ichhaftigkeit besteht in der Verliebtheit in die eigene Meinung. Etwas gilt dann als geistig angeeignet, wenn man seinen Senf dazu gegeben hat. Zur eigenen Meinung pflegt man eine Beziehung wie zu seinem Hund: „Wir zwei verstehen uns.“ Gedanken werden weniger nach der Seite ihres Inhalts, sondern als Privatbesitz gewürdigt. „Eine Meinung ist eine subjektive Vorstellung, ein beliebiger Gedanke, eine Einbildung, die ich so oder so und ein anderer anders haben kann; – eine Meinung ist mein, sie ist nicht ein in sich allgemeiner, an und für sich seiender Gedanke.“ (Hegel 18, 30) – http://www.meinhard-creydt.de/archives/410

ich weiss zwar nicht, was Hegel mit „in sich allgemeinen, an und für sich seienden gedanken“ meint. Wenn das eine definition für „objektivität“ oder gar „wahrheit“ sein soll, halte ich sie für überholt, angesichts neuerer entwicklungen in der „erkenntnistheorie“. Sie ist mir aber allemal näher als die ganze „postmodern/liberale“ beliebigkeit des „anything goes“ und „du machst dein ding und ich mach mein ding“.

Die unterstellte Gewissheit, es verhalte sich so in der Wirklichkeit, wie man es in der Meinung von ihr annimmt, wird zugleich dementiert. Der Inhaber von Meinungen will gar nicht wissen, ob es sich so verhält, wie er meint. „Kritik und Einwände sind in dieser Sicht ein einziger Anschlag auf die Freiheit, zu denken, wie man will. Dies ist konsequent. Für Subjekte, die durch die Gedanken und Überlegungen, die sie anstellen, nichts als ihre Individualität unterstreichen wollen, ist ein Argument nichts weniger als ein Attentat wider die Ehre und Selbstbestimmung der eigenen Person; es wird damit zur Ursache eines Konflikts. Dessen Lösung besteht in der wechselseitigen Versicherung, für sein Teil habe jeder der Beteiligten Recht, wenn auch nur seines“. – Meinhard Creydt, ebenda

aber diese kritik trifft nicht TaP.

Denn TaP vertritt schon einen „wissenschaftlichen“ anspruch mit seiner „meinung“ ;), dass es nur „soziale geschlechter“ gäbe – nur diese ist nicht mit irgendwelchen argumenten zu falsifizieren oder zu verifizieren. Man muss – wie der volksmund sagt – „daran glauben“.

Auch „Mister X“ hat das in einem kommentar bei TaP recht gut in worte gefasst:

Die Kontroverse entzündet sich daran, dass TaP aus Oberflächenphänomenen eine „strukturelle Frauenbeherrschung“ folgert, aber nicht deutlich machen kann, worin sie in con­cre­to besteht. Der Begriff „strukturell“ scheint mir deshalb eher eine Art Autoritätsargument zu sein. Er verschleiert, dass man so richtig auch nicht mehr erklären kann, wo eigentlich die Kritik ansetzen sollte. Gleichzeitig wird die behauptete Frauenunterdrückung damit verewigt: Wenn etwas so strukturell ist, dass gar keine konkreten Mechanismen mehr benannt werden können, also irgendwie alles und nichts zu der Unterdrückung beiträgt, kann man sie weder abschaffen noch näher erkennen, man muss einfach akzeptieren, dass sie da ist.“ – http://theoriealspraxis.blogsport.de/2017/05/21/zur-kritik-der-repressionshypothese-bzw-des-ausdrucks-unterdrueckung/#comment-24588

Nur die individuellen biologischen Merkmale sind biologische Realität, die binäre Geschlechtergruppen-Bildung aber eine reduktionistische soziale (ideologische) Interpretation der differenzierten biologischen Realität, heißt für mich „Überwindung der Geschlechter“ – im Sinne der klassischen sex/gender-Unterscheidung – Überwindung der „sozialen Geschlechter“. Denn es gibt meiner Auffassung nach ausschließlich soziale Geschlechter, aber keine sinnvoll abgrenzbaren biologischen Geschlechter (= Gruppen) – wenn auch Individuen mit je spezifischen biologischen Merkmalen.

gut, wenn der TaP der auffassung ist, dass die existenz von vagina, gebärmutter und milchdrüsen einerseits und penis und hoden für die spermabildung andererseits nicht ausreichend sind, um menschliche „geschlechtergruppen“ zu begründen, dann habe ich kein stichhaltiges argument dagegen. Denn dies wäre eine biologische oder sexualwissenschaftliche fachdiskussion, die ich nicht leisten kann. Ich bin nur froh, dass sich die urmenschen im neandertal (ja, ich weiss, die neandertaler sind ein nebenzweig der gattung „homo“ *rolleyes*) über diese frage keine gedanken gemacht haben, denn sonst wäre die menschheit wahrscheinlich damals ausgestorben. 😉

(in einem unveröffentlichten manuskript schreibt TaP:

„Das, was eine Frau ausmacht, ist nicht, daß sie eine Vagina hat. Denn von den allermeisten Menschen, die wir ‚sicher’ für eine Frau halten, wissen wir nicht, ob sie wirklich eine Vagina hat.“

dies mag für uns ‚kalte‘ mitteleuropäer zutreffen, aber bei den verbliebenen ’naturvölkern‘ in den heissen regionen dieser erde tragen die leute entweder recht wenig kleidung oder sind tatsächlich (fast) nackt. ich weiss aber nicht, wie es bei den neandertalern war 😉 – die trugen ja wohl eher felle.)

wer findet die Frau? 😉

Fazit: für TaP sind „soziale geschlechter“ (und für TaP macht nur so der begriff einen sinn) letztlich „ideologie“; für mich sind es die zwei hälften der menschheit.

das ist jenseits von allem debattierbarem. – zumindest wenn man kein biologe und/oder sexualwissenschaftler ist.

(damit will ich aber niemandem das recht absprechen, ausserhalb der ’normen‘ des heterosexuellen zu leben).

Für leute, die sich für die philosophische seite der debatte interessieren: man unterscheidet im konstruktivismus einen ‚harten‘ und einen ‚weichen‘. Der harte hält alles für ein „soziales konstrukt“, auch den mastdarm 😉 . das tut TaP nicht. er/sie anerkennt schon die „biologischen unterschiede“, aber nur auf einer individuellen ebene. Für die „gruppenbildung der geschlechter“ sieht er/sie aber nur ‚ideologische‘ gründe. Und darum wirkt er/sie in der ‚geschlechterfrage‘ eher als ein ‚harter‘ denn ein ‚weicher‘ dekonstruktivist, was er/sie aber eigentlich in wirklichkeit nicht ist.

Da die Geschlechterdifferenz als Gruppendifferenz ausschließlich aus „‚ideologischen’ und ‚kulturellen’ überbauten und zuschreibungen“ (systemcrash) und materiellen Praxen (Arbeitsteilung, sexuelle/sexualisierte Gewalt) – so möchte ich hinzufügen – besteht, bleibt nach der von systemcrash postuliert ‚Ablösung’ m.E. gar keine Geschlechterdifferenz als Gruppendifferenz mehr übrig. Die Geschlechter als Gruppen lösen sich auf in die graduellen Unterschiede der – je individuellen – biologischen Merkmale und deren vielfältigen Abstufungen und Kombinationen: Chromosomen, Hormonspiegel, primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale.“

tja, das kann man glauben – ich hoffe aber, das es nicht so ist. 😉

Braucht es denn überhaupt einer „gefestigte[n] individuelle[n] identität“[6]? Und falls „ja“, warum kann sie sich nicht z.B. am Leninismus oder am Fantum für einen Fußballverein oder eine Band – statt am Geschlecht – verankern?“

die antwort ist ganz einfach: weil man mit leninismus, fussball- oder bandfantum keine kinder machen kann. und ohne kinder – keine menschheit.

Nun darf man natürlich die sexualität nicht auf die fortpflanzung reduzieren. Die sexualität enthält auch aspekte, die ausserhalb der fortpflanzungsfunktion liegen, aber der „biologische kern“ der sexualität ist tatsächlich die fortpflanzungsfunktion.

In gewisser weise kann man sagen, dass die entkoppelung der sexualität von der fortpflanzung eine leistung der moderne darstellt; was z. B. mit der entwicklung von wirksamen verhütungsmitteln zu tun hat. Obgleich es bestimmt auch schon in archaischen gesellschaften wissen darüber gegeben haben mag, wie man das kinderkriegen vermeiden kann. Zumal ja von diesem wissen unter umständen das leben der frau oder vlt sogar der ganzen sippe abhing.

Ich finde beide Stellen nicht besonders klar, aber mir scheint, sie laufen – konsequent zu Ende gedacht – auf die These hinaus, sexuelles Begehren hänge an dem Unterschied zwischen dem, was als männliche und weibliche Anatomie gilt. Falls das so gemeint ist, stellt sich dann allerdings die Frage, wie systemcrash das Begehren von Menschen mit Busen und Vagina für Menschen mit Busen und Vagina sowie des Begehren von Menschen mit Penis und flacher Brust für Menschen ebenfalls mit flacher Brust und Penis erklärt.“

es ist immer wieder frappierend, wie TaP den geschlechtsunterschied auf körperliche merkmale reduziert. Als ob er/sie überhaupt nichts davon weiss, dass es auch psychische unterschiede zwischen den geschlechtern gibt (unabhängig von der frage, wie man sie erklären kann). Aber dies nur als vorbemerkung.

Ja, das sexuelle begehren hängt sich am unterschied zwischen männlicher und weiblicher anatomie auf [sexus]. Aber dies ist nur die „unterste stufe“. Auf höhergehenden stufen erweitert sich der sexus zur personalen liebe, die dem ganzen (sein „wesen“, hegelianisch gesprochen) anderen menschen gilt [eros] und auf noch höheren stufen erweitert sich der eros zur umfassenden, transpersonalen liebe zur ganzen welt [agape], zu einer transzendenten entität (von vielen als gott oder göttin bezeichnet) oder drückt sich in spirituellen erkenntnissen wie im buddhismus und taoismus (z. B. das prinzip der „dualität“ von allem geschaffenem im yin-yang-prinzip oder den animus-anima archetypen in der psychologie von C. G. Jung) aus, die sogar nichttheistisch sind (kein glaube an eine „göttliche“ instanz erforderlich).

Aber ich fürchte, an dieser stelle werden die meisten leser (einschliesslich TaP) schon gar nicht mehr weiter lesen. 😉

Die Liebe sieht er [Alain Badiou] bedroht durch die Suche nach dem idealen Partner aufgrund besonderer uns ähnlichen oder ergänzenden Eigenschaften seines Persönlichkeitsprofils: Man möchte Leid vermeiden, das Risiko des Scheiterns verringern und das Glück durch Berechnung erzwingen. So verliere das Leben seine zufälligen Begegnungen, seine Möglichkeiten und damit seine Poesie. Es bleibe immer ein Risiko, sich zu verlieben, aber gerade das Risiko, Fehler zu machen, zu leiden, zu enttäuschen, gibt dem Leben einen Sinn und Intensität. Man müsse die Welt vom Unterschied aus erfahren, nicht nur von der Identität aus. Der Austausch der Partner gehe über das wechselseitige Genießen hinaus, er entwickele sich zu einer „Bühne der Zwei“, in der ein unendlich anderer „mit seinem Sein bewaffnet in mein Leben getreten ist und es damit zerbrochen und neu zusammengesetzt hat“. …
In der Liebe versucht das Subjekt hingegen, das Sein des anderen zu erreichen. Liebe ist mehr als die Maskierung sexuellen Interesses. Es ist aber auch mehr als Goethes „Ewig-Weibliche“, das „uns hinanzieht“, es ist „die Konstruktion einer Welt unter einem Gesichtspunkt, der abseits meines bloßen Selbsterhaltungstriebes oder meines wohlverstandenen Interesses liegt.
Die Liebe beginnt immer mit einer Begegnung. Und dieser Begegnung verleihe ich in gewisser Weise den metaphysischen Status eines Ereignisses, das heißt, den Status von etwas, das nicht ins unmittelbare Gesetz der Dinge hineinpasst.“ — 
https://de.wikipedia.org/wiki/Alain_Badiou

ich möchte aber sicherheitshalber anfügen, dass das ideal der „romantischen liebe“ natürlich auch überkommene geschlechterklischees und gesellschaftliche „vorstellungs“-projektionen enthält. Von daher müsste die „romantik“ von diesem „ideologischen ballast“ auch „befreit“ werden, um zur ‚echten‘, ‚unverstellten‘ liebe des „wirklichen individuellen lebens“ (Marx) zu kommen.

zur frage der homosexualität: wie gesagt, ich bin kein „sexualwissenschaftler“ und kann daher nur ein paar laienhafte vermutungen anstellen. möge der nachsichtige leser das bitte berücksichtigen. 🙂

so weit ich weiss, ging Freud von einer psychischen „bi-sexualität“ aus, und diese position halte ich auch für richtig. (sie ist auch „logisch“, da jeder mensch das „produkt“ der vereinigung [vereinigung würde ich sowohl körperlich als auch seelisch interpretieren wollen] von mann und frau ist). Die frage stellt sich also, wenn es bei allen menschen [asexuelle lasse ich jetzt mal aussen vor] eine psychische bi-sexualität gibt, wie hat sich dann die „heterosexualität“ als die „vorherrschende“ sexualitätsform entwickelt?

Auch hier gibt es meines erachtens auch wieder eine „verschränkung“ von natur und kultur (oder gesellschaftliches, wenn TaP das lieber mag).

„Heterosexuelles Begehren oder Handlungen kann auch gemeinsam mit homosexuellem Begehren oder Handeln vorhanden sein. Nicht jeder, der heterosexuelle Erfahrungen hatte, muss heterosexuell sein. Sexuelle Erfahrungen können – vor allem im Jugendalter – mehr von sexueller Neugier oder von gesellschaftlichen Erwartungen bestimmt sein als von einer festen sexuellen Orientierung…
Die heterosexuelle Vermehrung hat sich innerhalb der Evolution der Sexualität vor ca. 600 Millionen Jahren weitgehend gegenüber der asexuellen Reproduktion durchgesetzt und verbessert die Durchmischung der Gene im Rahmen der Fortpflanzung. Die Sexualität des Menschen, sowie einiger anderer Spezies,[4] ist jedoch komplexer, da diese nicht allein auf triebgesteuerte Vermehrung ausgerichtet ist.“ 
https://de.wikipedia.org/wiki/Heterosexualit%C3%A4t

also: eine kombination aus:

++„neugier“ und verschiedenes ausprobieren von sexuellen erfahrungen (vor allem im jugendalter) und das, was einem gefällt, da bleibt man

++ „gesellschaftliche erwartungen“ (huhu, TaP 😉 )

++ biologischer [evolutionärer] vorteil der sexuellen reproduktion gegenüber der asexuellen

aber trotz dieser ’starken‘ argumente für die „heterosexualität“ (gesellschaftliche erwartungen und biologisch-reproduktiver vorteil) bleibt immer noch ein gewisser spielraum für alle möglichen ‚abweichungen von der norm‘. Arbeitet der GEIST der evolution nun mit einer gewissen fehlertoleranz oder lässt er immer auch der „freiheit“ eine möglichkeit? (das ist eine rein rhetorische frage 😉 )

(ich möchte noch hinzufügen, dass auch bei schwulen und lesbischen beziehungen und sexuellen praxen häufig „männlich/weibliche“ rollenmuster und rollenverteilungen reproduziert werden.)

Aber dies heißt weder im Falle des Marxismus noch im Falle des Feminismus, daß eine subjektivistische Erklärung für die Reproduktion von Herrschaft und Ausbeutung gegeben würde: Abgesehen von biologistischen Tendenzen im Differenzfeminismus, auf den sich ja nun aber gerade systemcrash beruft, geht es dem Feminismus jedenfalls in seinen sozialistischen und de-konstruktivistischen Tendenzen (analytisch) darum, aufzuzeigen, durch welche gesellschaftliche Mechanismen das patriarchale Geschlechterverhältnis beharrlich reproduziert wird, und (politisch) darum, diese[s] umzustürzen.“

und dies ist auch sehr ehrenvoll, aber nicht ausreichend. Wie ich schon in einem kommentar bei TaP schrieb (man muss ja nicht alles mehrfach schreiben):

TaP hat zwar ein feines gespür für die subtilen zwangsstruktuellen mechanismen der reproduktion „patriarchaler“ verhältnisse; was er/sie aber nicht versteht (oder vlt nur in ansätzen) ist die frage, wie sich die gesellschaftlichen verhältnisse auf die PSYCHISCHE konstitution der subjekte auswirken (dies ist auch der blinde fleck im „historischen materialismus“, das „missing link“, wie es Wilhelm Reich genannt hatte).“ – http://theoriealspraxis.blogsport.de/2017/05/21/zur-kritik-der-repressionshypothese-bzw-des-ausdrucks-unterdrueckung/#comment-24587

also, man kann das „patriarchat“ nicht verstehen, wenn man es nur als „soziale struktur“ ansieht, man muss auch die psychische verfasstheit der subjekte verstehen. In diesem fall kann man das gesagte auch problemlos auf den kapitalismus beziehen. (rassismus lasse ich mal aussen vor, weil ich mich damit nicht genügend beschäftigt habe)

In dem Maße, in dem frau davon abrückt, im bewußten (männlichen/weiblichen) Subjekt den Erklärungsgrund der Dinge zu suchen, kann sie sich auf die strukturellen Determinanten des Patriarchats konzentrieren und die Formen […] in den Vordergrund rücken, die der männlichen und weiblichen Person vorhergehen (oder diese gar allererst konstruieren).“Philipa Rothfield

wenn vor dem „konstruieren“ ein auch stünde, würde ich dem satz sogar zustimmen.

Gehen wir davon aus, daß die Frauen ein unterdrücktes Leben praktisch führen, daß sie ihre Unterdrückung als Tätigkeit selber Tag für Tag leben müssen, so wird man annehmen müssen, daß in ihren Persönlichkeiten die Resultate einer solchen Praxis als Persönlichkeitsstruktur vorhanden sind. Wenn sie unfähig gehalten werden, können sie nur handlungsfähig werden, indem sie Teile ihrer eigenen Persönlichkeit mit zur Disposition und infrage stellen.“ – Frigga Haug

ja, ich stimme vollständig zu. Nur, das „infragestellen“ der eigenen „persönlichkeitsstruktur“ ist ein bissl wie die quadratur des kreises oder des versuchs, über seinen eigenen schatten zu springen. Ich will nicht sagen, dass es unmöglich ist – ich sage nur, es ist ungeheuer schwer und es erforderdert mehr, viel mehr, als nur intellektuelle einsicht. Es verlangt ein „existentielles herausgefordertsein“. (vergl. https://systemcrash.wordpress.com/kierkegaard-und-der-geist/ und https://systemcrash.wordpress.com/2013/03/03/wie-transformieren-wir-die-welt/)

Es ist trügerisch zu meinen, Frauen führten mehr oder weniger oder vielleicht sogar zunehmend einen unabhängiges Eigenleben parallel zu den patriarchalen Taten; sozusagen an einem anderen Ort. Ich meine vielmehr, daß eine differenzierte geschlechtliche Interessenverwicklung in den zivilisierten Patriarchaten die Mittäterschaft von Frauen hergestellt hat, damit sie Männer nicht verraten, bekämpfen oder in ihren Taten behindern. In der Hauptsache, im Ergebnis – trotz aller Kämpfe, Widerstände und Verweigerung – scheint das gelungen. […]. Wir sind zu Mittäterinnen geworden, wenn wir uns den Ergänzungsideen gefügt, nämlich komplementär zum ‚männlichen’ ein ‚weibliches’ beschränktes Verhaltensrepertoire entwickelt und praktiziert haben; ein Gegengewicht; wenn Frauen sich dem Mann hinzuaddieren, […], indem sie ihre Ressorts – speziell die des Hauses, des ‚sozialen Gedankens’ und der Menschlichkeit – so strukturieren, daß der Mann für seine Taten freigesetzt wird.“[47]

Die verschwommene Art und Weise z.B., mit spirituellem und mystischem Gedankengut umzugehen; das unkritische Inhalieren von astrologischen Persönlichkeitslehren, die aus dem historischen Kontext losgelöst werden und allesamt männlichen Hirnen ihr Leben verdanken; das wahllose Herumklauen in der Weltgeschichte, bei dem Fetzen von Religionen, bei dem Fetzen von Philosophien, bei dem Fetzen von Lebensformen eingesteckt werden, die alle anderen Kulturen, nur nicht der eigenen entwuchsen, aber deswegen nicht weniger verschmutzte patriarchale Mythen enthalten und nicht einfach von uns angeeignet werden können – jedenfalls nicht ungestraft –, das sind Rückzüge in nur scheinbare konsequenzlose Gefilde, in denen nichts belegbar und widerlegbar ist und alles diffus und beliebig bleibt. Und dann gleichzeitig der Kult der Selbstbeschäftigung, einer körperbezogenen Egozentrik und das Feiern dessen, wogegen wir uns ursprünglich wandten, unsere Weiblichkeit.“ – Christina Thürmer-Rohr

 

tatsächlich gibt es sowohl im „differenzfeminismus“ als auch in der „spirituellen“ „esoterik“-szene starke tendenzen zum eskapismus. Dies ist aber kein argument dagegen, dass es eine „geschlechterdifferenz“ gibt. (und Wilber mag alles mögliche sein, aber „eskapismus“ würde ich ihm nun wirklich nicht vorwerfen wollen; jedenfalls, so weit ich seine bücher gelesen habe. Über die aktivitäten der „integralen“ weiss ich gar nicht so viel, sie scheinen sich aber durchaus auch mit aktuellen politischen entwicklungen und umweltfragen zu beschäftigen. Auch das sieht mir nicht gerade nach ‚weltflucht‘ aus.)

 

Wir sind zu Mittäterinnen geworden, wenn […] ein ‚Wir-Gefühl’ mit ihren [der Frauen] männlichen Mitstreitern, Kollegen und Liebhabern [sic!!!!], schließlich mit ‚dieser Gesellschaft’ entwickeln. So werden Frauen höchstens zu Konkurrentinnen, aber nicht zu Gegnerinnen von Männern; sie sind im männlichen Bündnis aufgenommen, von ihnen droht keine Gefahr.“ – Christina Thürmer-Rohr

 

wenn ich jetzt böse wäre, würde ich sagen, es gehört zum ‚wesen des weiblichen‘, ein „wir-gefühl“ zu schaffen und empathie zu entwickeln. 😉 Empathie spielt ja z. b. in der kindererziehung eine nicht unwesentliche rolle. Aber dass sich das „wir-gefühl“ nicht einmal auf die „liebhaber“ der frauen beziehen soll – das ist doch wirklich echt starker tobak – mein lieber scholli. 😉

sie könnten natürlich „lesbisch“ werden, aber auch die sexuelle orientierung sucht ja niemand nur rein willkürlich aus.

 

Aber gerade die strenge Analyse der Bedingungen des Kampfes hielt Marx, hielt Engels, hielt Lenin, hielt Luxemburg, hielt Trotzki und hielt auch Mao davon ab, auf ein evolutionäres „Hinauswachsen“ aus Herrschaft und Ausbeutung zu setzen.

Nicht nur für die Klassenverhältnisse, sondern auch für das Geschlechterverhältnis gilt Maos Einsicht: ‚Alles Reaktionäre fällt nicht, wenn es nicht umgehauen wird.“

 

ja, das ist vlt das „wesen“ des unterschiedes von klassenverhältnissen und geschlechterverhältnissen: klassenverhältnisse können „umgehauen“ werden, männer und frauen sind existentiell aufeinander angewiesen. (und ich meine das nicht „ökonomisch“, sondern um wirklich ein ganzer „mensch“ sein zu können, im emphatisch-transzendenten sinne)

interessant auch, was Shalumith Firestone über die „reproduktionsmittel“ schreibt:

„denn genauso wie die vorübergehende Diktatur des Proletariats, die Inbesitznahme der Produktionsmittel, die Abschaffung der ökonomischen Klassen sichert, wird die Inbesitznahme der Kontrolle der [generativen] Reproduktion durch die Frauen, die Vernichtung der geschlechtsspezifischen Klassengesellschaft gewährleisten. Frauen müssen nicht nur wieder in den Besitz der vollen Eigentumsrechte über den eigenen Körper gelangen, sondern auch vorübergehend die Kontrolle über die Fruchtbarkeit des Menschen übernehmen.“ 

hmm, gehören nicht zur „fruchtbarkeit der menschen“ immer ZWEI? selbst die mythologischen amazonen mussten sich von männern begatten lassen, wenn sie nachkommen haben wollten.

„Griechische Erzählungen erwähnen auch verschiedene Inseln, auf denen zeitweise Frauen ohne Männer gelebt haben sollen. Dort hätten die Frauen nur zu bestimmten Zeiten mit Männern benachbarter Siedlungen Kontakt, um von ihnen geschwängert zu werden. Diese Frauengemeinschaften werden aber nicht durchgängig als Amazonen bezeichnet. So sollen beispielsweise die Mittelmeerinseln Lesbos und Lemnos,[24] zeitweise solche „Fraueninseln“ gewesen sein. Über die Frauen von Lemnos wurde gesagt, sie hätten sich gegen ihre Männer erhoben und im Lemnischen Frevel alle gleichzeitig ermordet.“ — wikipedia

 

Und zum schluss seines/ihres artikels (dieses gendern ist wirklich sprach- und denkzerstörung!) zählt TaP auf, was alles passieren muss, wenn es sich zum besseren wenden soll. Ein punkt der liste lautet:

 

ohne daß Männer zu Feinden ihres eigenen Geschlechts werden[53] (statt die vermeintlich ‚weiblichen Tugenden’, die sie für sich selbst verschmähen, bei Frauen zu preisen).“

 

ich finde, „feinde“ hat man im leben sowieso schon genug, da muss man nicht auch noch sich selbst zum feind machen 😉 [auch wenn das „soziale geschlecht“ gemeint ist, aber das macht die sache leider nicht besser]. ich denke, transformation der persönlichkeit (was schon schwer genug ist) findet immer nur über die grundsätzliche selbstannahme oder – noch pointierter gesagt – selbstliebe statt. Und zur selbstliebe gehört auch die annahme der ‚weiblichen‘ anteile im mann und der ‚männlichen‘ anteile in der frau. Nur so kann es ja schliesslich auch nur empathie zwischen den geschlechtern geben. (den streit hat man dabei umsonst).

Und nur so wird es unnötig, die eigenen verdrängten anteile in sich selbst abzuspalten (um einem geschlechterklischee von „männlichkeit“ und „weiblichkeit“ zu entsprechen) und auf das „andere geschlecht“ zu projizieren. Das würde auch die ressentiments „frauen sind so und männer sind so“, die ja etwas verallgemeinern, was letztlich „individuell“ ist (da hat TaP recht), abmildern helfen. Aber all das ändert nichts daran, dass die menschheit aus zwei hälften+) besteht (auch wenn sich nicht alle in diesen beiden hälften wiederfinden oder wiedererkennen können. Das hat man dann zu respektieren.)

+) vlt ist das auch die ursprungsidee des mythos vom kugelmenschen nach Platon

damit vielleicht alle ihre „heimat“ (Ernst Bloch) auf „mutter erde“ (Gaia) finden können, ist aber ganz sicher eine „antikapitalistische revolution“ nötig, auch wenn sie nicht automatisch alle „muttermale der alten gesellschaften“ beseitigen kann (einschliesslich des Patriarchats). Ich habe aber die hoffnung, dass die frauen ihren beitrag dazu leisten werden, wenn sie erkennen, dass existenz ohne befreiung kein wirkliches leben sein kann.

 

Der Mensch lebt noch überall in der Vorgeschichte, ja alles und jedes steht noch vor Erschaffung der Welt, als einer rechten. Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heißt sich an der Wurzel fassen. Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfaßt und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“ — Ernst Bloch, Das Prinzip Hoffnung

 

 

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15 Kommentare zu “Zweite Antwort auf TaP (scharf links 28.5.2017)

  1. in dem artikel ist mir ein kleiner inhaltlicher fehler unterlaufen. die archetypen nach Jung sind streng genommen nicht „spirituell“, also transpersonal, sondern eigentlich sogar „prärational“, also liegen auf einer viel ‚tieferen‘ stufe. leser, die sich etwas mit der „integralen theorie“ beschäftigt haben, werden dies als „prä/trans-verwechslung“ kennen. http://www.integrale-psychotherapie.de/praetrans.html

  2. @ „vereinigung würde ich sowohl körperlich als auch seelisch interpretieren wollen“ und „archetypen“ = kulturübergreifende ähnliche psychische strukturen (z. B. in Mythen)
    da laut evolutionstheorie eine vererbung erworbener eigenschaften (siehe auch Larmackismus) nicht möglich ist, vergleich auch die theorie der morphogenetischen felder nach Rupert Shaldrake.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Lamarckismus
    https://de.wikipedia.org/wiki/Morphisches_Feld
    der hinweis, dass sich die „morphischen felder im „grenzwissenschaftlichen“ bereich befinden, ist eigentlich fast überflüssig, ist aber hiermit gegeben. trotzdem sauspannend, wie ich finde.

  3. @ „Das würde auch die ressentiments „frauen sind so und männer sind so“, die ja etwas verallgemeinern, was letztlich „individuell“ ist (da hat TaP recht), abmildern helfen.“

    ich finde diesen satz von mir zwar gut;), aber er muss leider insoweit präzisiert werden, dass das „inviduelle“ ohne die „geschlechtszugehörigkeit“ nicht zu haben ist. es sei denn, mal will eine asexuelle gesellschaft mit retorten-babys, wohin TaP tatsächlich tendiert:

    „Ich tendiere in der Tat zu einem Androgynitäts-Ideal“
    „Und ist es tatsächlich erstrebenswert, […] die Kinder in der Petrischale zu züchten?“

    „Wenn mehr Kinder gewünscht werden, als Menschen* bereit sind, neun Monate lang mit einem Fötus im Bauch herumzulaufen, wäre das jedenfalls eine praktikable Lösung.“
    http://theoriealspraxis.blogsport.de/2017/05/23/ueberwindung-von-herrschaft-und-ausbeutung-befreiung-aber-wessen-befreiung-wovon/#comment-24564

    (klar, wie könnten postmoderne „menschen“ auch bereit sein, ihre ach so kostbare persönliche freiheit [es werden mehr kinder GEWÜNSCHT = voll Ego] einzuschränken, um ein kind 9 monate lang auszutragen. eine zumutung!)

    *komisch, sondern gendert er immer, aber bei schwangerschaft, was nun wirklich genuin ‚weiblich‘ ist, spricht er statt von frauen von „menschen“, nimmt den frauen also etwas, was nur IHRE erfahrung sein kann, ‚ideologisch‘ auch noch weg. ich glaube, bronsteyn hatte schon damals zu NaO-prozess zeiten recht: diese art (ex)männlicher feministiker ist eine postmoderne sumpfblüte (um nicht schlimmeres zu sagen) in der ohnehin schon verkleinbürgerlichten „linken“.
    es ist immer ein wenig erschütternd, mit ansehen zu müssen, wie kluge menschen sich in eine ideologische engführung begeben, aus der sie offensichtlich nicht mehr so richtig rauskommen können. aber auch das ist …. das leben, wie es leibt und klebt.
    charly chaplin hat das in einem gedicht mal gut ausgedrückt:

    „Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
    Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
    denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander
    und es entstehen neue Welten.
    Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN !“
    http://bpfabian.de/weisheiten/charlie_chaplin_rede_am_70sten.htm

    • @:

      „komisch, sondern gendert er immer, aber bei schwangerschaft, was nun wirklich genuin ‚weiblich‘ ist, spricht er statt von frauen von ‚menschen‘, nimmt den frauen also etwas, was nur IHRE erfahrung sein kann, ‚ideologisch‘ auch noch weg.“

      Es ist eben nicht „wirklich genuin ‚weiblich‘“ schwanger zu werden (und schon gar nicht, eine Schwangerschaft nicht vor Geburt eines Kindes zu beenden).

      Der – ggf. erfolgreiche – Versuch, schwanger zu werden, ist eine Entscheidung, die – ziemlich viele – Frauen (und einige wenige – weil es eh wenige gibt – Trans-Männer) in manchen Situationen ihres Lebens – unter spezifischen gesellschaftlichen Bedingungen – treffen; und manchmal (oder sogar oft) passiert es (schwanger zu werden) ihnen, ohne daß sie sich vorher entschieden zu haben.

      Es ist falsch „weiblich“ und „schwanger“ sowie „Frau“ und „Mütter“ gleichzusetzen.

      Der Umstand, daß die allermeisten Menschen, die mal schwanger waren oder gerade sind, Frauen sind, erlaubt nicht den Umkehrschluß, daß Schwangerschaft und Mutterschaft etwas „genuin ‚[W]eiblich[es]'“ sei!

      Und aus diesem Grunde ist es richtig zu schreiben,

      „Wenn mehr Kinder gewünscht werden, als Menschen bereit sind, neun Monate lang mit einem Fötus im Bauch herumzulaufen“

      und nicht „als Frauen“ bereit sind – weil die die Formulierung mit „Frauen“ leicht dahingehend (miß)verstanden werden kann, daß es das „genuin[e]“ Wesen oder die „genuin[e]“ Aufgabe von Frauen sei, schwanger zu werden, dem/der sie sich – angeblich – allenfalls unter besonderen Umständen entziehen dürften.

      • „Der Umstand, daß die allermeisten Menschen, die mal schwanger waren oder gerade sind, Frauen sind, erlaubt nicht den Umkehrschluß, daß Schwangerschaft und Mutterschaft etwas „genuin ‚[W]eiblich[es]’“ sei!“

        ich lassen diese kommentar unkommentiert so stehen. soll sich jeder leser/leserin selbst ein urteil bilden.
        für mich hat sich die sache hiermit erledigt.

      • „das abstrakt-logozentrische denken versucht unsterblichkeit durch (rein) geistige werte zu erlangen (männliche kopfgeburten), die frau hingegen besitzt bereits durch ihre gebärfähigkeit — zumindest indirekt — die möglichkeit, ein teil von sich weiterzugeben. (der anteil des männlichen an der schwangerschaft war nicht historisch VON ANFANG AN evident).

        “der männliche denker schafft sich einen geistigen ersatz für das kreative anknüpfen des lebens an den tod, das die frau kraft ihrer gebärfähigkeit besitzt, indem er den unsterblichkeitsfaden zwischen seiner reinen vernunft und dem Einen Geistprinzip knüpft.”

        “[…] das ‘wunder’ besteht darin, dass überhaupt menschen geboren werden, und mit ihnen der neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres geborenseins. nur wo die seite des handelns voll erfahren ist, kann es so etwas geben wie ‘glaube’ und hoffnung […] dass man in der welt vertrauen haben [Urvertrauen] und dass man für die welt hoffen darf […]”

        “aber welchen sinn ergibt es, um welchen preis ist es möglich, sich auf den tod zu konzentrieren und das wunder der geburt zu vergessen, auf das ende fixiert zu sein und den anfang zu ignorieren und die einsamkeit des sterbens zu betonen, als ob die menschliche BEZOGENHEIT DER GEBURT [herv v mir] kein gegengewicht darstellte? ein Selbst, das sich im schatten von “alle menschen sind sterblich” definiert, fühlt sich einsam und bedroht.

        wir beginnen unser leben aber nicht alleine oder in bedrohung; unser anfang liegt geschützt im mutterleib, in verbindung zu einer anderen [dem weiblichen menschen].

        freilich endet die geburt nicht mit dem austritt aus dem mutterleib, sondern die wahre “psychische geburt” des menschen [individuation] ist ein lebenslanger lernprozess.“
        https://systemcrash.wordpress.com/2012/12/09/materialzusammenstellung-zur-geschlechter-differenz/

  4. ich würde aber gern noch mal auf die „erkenntnistheorie“ eingehen.
    wenn Foucault sagt:

    “der wert einer aussage bestimmt sich nicht durch die wahrheit. das, was sich durchsetzt, wird zu wahrheit.”

    dann mag das zwar für seine diskurstheorie stimmen, aber der wahrheitsbegriff kann sich ja nicht an Machtstrukturen festmachen. dass die winkelsumme im dreieck 180° beträgt, ist ja keine „Machtfrage“ sondern „objektive wahrheit“. nun mögen „objektive wahrheiten“ in der naturwissenschaft noch relativ unproblematisch sein. aber in der gesellschaftstheorie wird die sache schon ungemütlicher. hier gibts tatsächlich keine „objektive wahrheiten“, sondern nur interessengeleitete „interpretationen“. der unterschied zur blossen meinung liegt darin, dass die sozialwissenschaft einen grösseren aufwand betreibt und höheren standards entsprechen muss. Hegels spruch aber vom „ein in sich allgemeiner, an und für sich seiender Gedanke“ ist aber in der sozialwissenschaft gar nicht verwirklichbar; für die gravitationstheorie von Newton aber stimmt er. (was aber auch nicht heisst, dass Newtons gravitationstheorie der weisheit letzter schluss ist; denn den gibts gar nicht.)

    • Foucault bestreitet doch gar nicht, daß es Wahrheit gibt, sondern bestreitet den aufklärerischen Idealismus, daß sich Wahrheit immer durchsetze –

      ist das nicht sehr marxistisch?

  5. Foucault bestreitet doch gar nicht, daß es Wahrheit gibt, sondern bestreitet den aufklärerischen Idealismus, daß sich Wahrheit immer durchsetze –
    ist das nicht sehr marxistisch?

    ich würde sagen, das ist „realistisch“. und gleichzeittig kritisiert er damit „deterministische“ illusionen (‚falsche‘ hoffnungen) im „marxismus“, und zwar zurecht.

  6. obwohl, in „letzter instanz“ glaube ich auch, dass die „wahrheit“ sich gegenüber der „lüge“ durchsetzen wird. es heisst ja nicht umsonst: „lügen haben kurze beine“ 😉 .

    und auch für die psyche ist es leichter, ehrlich gegen sich selbst zu sein. allerdings scheint es menschen zu geben, bei denen die „normalen“ funktionen des gewissens (moralische grundintuitionen) nicht „funktionieren“ (warum auch immer).
    bei solchen leuten bleibt dann nur das „recht auf widerstand“ eine handlungsmöglichkeit, wenn man nicht selbst an denen kaputtgehen will. tyrannen „therapieren“ zu wollen, wäre wohl ZU illusionär 😉 .

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