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Dritte Antwort auf TaP

Gegen die wechselseitige Bevormundung von Verkopftheit und dogmatischen Schematismus

@scharf links (09.06.2017)

Dies scheint mir unter dem Strich darauf hinauszulaufen, ‚das System’ mit der „Wertverwertung“ bzw. den kapitalistischen Klassenverhältnissen gleichzusetzen – denn systemcrashs Kriterium für „potentiell system-transzendierende Dynamik“ scheint zu sein: Die „Wertverwertung“ in Frage stellen.“

Ja, das ist tatsächlich so. Die „System-transzendenz“ mache ich im wesentlichen an der überwindung des „wertgesetzes“ fest.

Zwar wäre es prinzipiell möglich auf meine Einrede mit der These zu antworten, daß die Überwindung der „Wertverwertung“ die Überwindung von Patriarchat und Rassismus einschließe – nur scheint mir nichts für diese These zu sprechen. Denn warum sollten Männer bereit sein, mehr reproduktive Arbeiten zu erledigen und das Vergewaltigen sein lassen, nur weil es keine „Wertverwertung“ mehr gibt?“

nein, das ist nicht meine position. Auch ich vertrete die ansicht, dass sich „patriarchat“ (ich würde lieber von gesellschaftlicher „männlicher dominanz“ sprechen wollen) und „rassismus“ nicht „von allein“ erledigen. (verteilung der „reproduktiven arbeiten“ und „vergewaltigungen“ [TaP muss schon ein ziemlich übles männerbild haben] klammere ich aus. Das ist komplexerer. vlt komme ich an anderer stelle darauf zurück.)

Die – von mir vorgezogene – Alternative zu einem solchen ‚wechselseitig strengen’ Begriff von Revolution wäre ein schwächerer und dann für alle drei Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse separat geltender Begriff von Revolution. Auch in Bezug auf die Überwindung von Patriarchat und Rassismus von „Revolution“ zu sprechen, ist m.E. deshalb gerechtfertigt, weil auch sie den „Platz“ „große[r] Menschengruppen“ in dem „geschichtlich bestimmten System der gesellschaftlichen Produktion“ (LW 29, 410) betreffen.“

ausser, dass ich „frauen“ nicht für eine „gruppe“ halte (sondern für die eine hälfte der menschheit) bin ich damit einverstanden. Nur, ich halte ‚eigenständige‘ „antipatriarchale revolutionen“ für nicht sehr wahrscheinlich. (bei „antirasssistischen revolutionen“ bin ich mir nicht sicher. Gabs nicht eine in Südafrika?)

➢ „Würde die kapitalistische Produktionsweise auch funktionieren, wenn die unentlohnte Reproduktionsarbeit weitgehend von Männern (statt von Frauen erledigt würde)?“

sie würde sicher funktionieren, aber vermutlich mit geringerer produktivität

➢ „Würde die kapitalistische Produktionsweise auch funktionieren, wenn der unentlohnte Hausarbeitsumfang von Männern und Frauen angeglichen würde sowie der Erwerbsarbeitsumfang von Frauen (bei entsprechend steigenden Monatsverdiensten) erhöht und der Erwerbsarbeitsumfang von Männern (bei entsprechenden sinkenden Monatsverdiensten) gesenkt wird?“

sollte auch kein problem sein, aber auch da müsste man mit einer produktivitätssenkung rechnen; zumindest in gewissen produktionsbereichen, die mit besonders schwerer körperlicher arbeit verbunden sind.

➢ „Würde die kapitalistische Produktionsweise auch bei Veränderungen der vorbeschriebenen Art, aber gleichbleibenden Männer-Monatsverdiensten und – zur Beseitigung der Frauenlohndiskriminierung – um weitere 28,7 % steigenden Frauen-Monatsverdiensten funktionieren?“

na logo, aber würde schon ein bissl die profitrate des kapitals tangieren 😉 (also senken)

➢ „Würde die kapitalistische Produktionsweise auch funktionieren, wenn die unentlohnte Hausarbeit durch entlohnte Dienstleistungen ersetzt würde und die Lohnabhängigen die dadurch entstehenden Kosten dadurch aufbringen, daß sie an anderen Stellen auf Lebensstandard (Ausgaben) verzichten?“

sicher, aber wer will das schon?

➢ „Würde Letzteres auch dann funktioniere, wenn – statt der Ausgabenumverteilung – die Erwerbsarbeitseinkommen im Umfang der durch die Kommerzialisierung der Lebenshaltungskosten steigen würden?“

auch das, aber dann würde wieder die profitrate sinken.

Wenn der erste Punkt (Erledigung der Hälfte der unentlohnten Arbeiten durch Männer) dann dazu führt, daß Männer ihre Erwerbsarbeitszeiten reduzieren wollen, dann ist das völlig okay; wenn sie dafür vom Kapital einen Lohnausgleich verlangen, ist es auch okay; wenn sie es nicht tun, ist es deren Ding.“

diese formulierung „ist deren ding“ ist die typische sprache der neoliberalen individualisierung und drückt eine massive entsolidarisierung aus. Ich komme immer wieder zu der feststellung, dass TaP im grunde seines herzens ein „radikaler liberaler“ ist, aber mit sicherheit kein „marxist“ (was aber, zumindest in bezug auf geschlechterverhältnisse, auch gar nicht sein anspruch ist).

(auch die formulierung in einer email:

„daß  es nicht Sache von Feministinnen ist, zu entscheiden, wie Männer auf die  etwaige Durchsetzung der beiden genannte Ziele reagieren“ [hälfte der reproduktiven arbeiten erledigen und beseitigung der hierarchischen arbeitsteilung]

ist einfach nur „geschlechter-separatismus“, der auch nichts „fortschrittliches“ an sich hat (zumindest in bezug auf die kapitalistische basis und ihre potentielle überwindung. )

[edit: die zitate sind aus dem „entwurfsdokument“ von Tap für den Teil II.B entnommen; diese können von der scharf links-fasung abweichend oder in dieser nicht mehr enthalten sein. trotzdem halte ich eine kritik daran für wichtig und notwendig, um aufzuzeigen, dass TaP zumindest bei den geschlechterverhältnissen eine „postmodernistisch-radikal-liberale“ politik betreibt und keine „lohnabhängigen-orientierte“; dies liegt darin begründet, dass TaP „strukturalistisch“ keinen zusammenhang zwischen „Frau sein“ (oder besser: „frauenpolitischen“ anliegen) und „Klassenverhältnissen“ „(de)konstruiert“ und damit die Inkarnation der „Anti-Clara-Zetkin“ darstellt 😉 ; also das, was bei Clara Zetkin überzogen war (frau = klasse), ist bei TaP in sein (extremes) gegenteil verkehrt (frau = frau). was sich dann im endeffekt entsolidarisierend auf den klassenkampf der lohnabhängigen insgesamt auswirkt. trotzdem ist es aber analytisch richtig, dass sich das „patriarchat“ nicht aus den klassenverhältnissen „ableiten“ lässt. also im politischen sinne: frau = frau und (irgendwie) klasse.

im übrigen halte ich auch das gerede von 50:50 quotierung bei „reproduktiven arbeiten“ („Erledigung der Hälfte der unentlohnten Arbeiten durch Männer“) für rein formalen schematismus, wie  im ganzen der „strukturalismus“ auf schematismus (also „undialektik„) basiert. konkret heisst das, statt von den „realen [historisch bedingten] lebensbedingungen“ auszugehen (wie das marxisten machen), werden diesen lebensbedingungen normative schablonen übergestülpt (bzw. werden die lebensbedingungen an diesen schablonen gemessen) und das wird dann auch noch, um dem widersinn die dornenkrone aufzusetzen, als „dekonstruktivistische“, radikale fundamentalkritik  selbstdeklamatorisch und (pseudo)theoretisch geadelt.]

„gleicher zugang zum öffentlichen bereich …und gleiche rechte in diesem bereich -, das bedeutet nicht, dass man überall eine starre 50:50-parität wahren muss. viele feministinnen glauben beispielsweise, dass frauen als mütter eines besonderen rechtlichen schutzes bedürfen…, und die frage, ob frauen an kampftruppen beteiligt sein sollten, wird sicher noch lange umstritten bleiben (wenngleich staaten, die es damit versucht haben, sehr schnell davon wieder abgerückt sind; jemandem auf kurze distanz das hirn aus dem schädel zu blasen, das liegt frauen offenbar nicht so). angesichts der unvermeidlichen einschränkungen durch schwangerschaften finden viele forscherinnen überdies, dass eine männlich/weiblich-parität von 60:40 im öffentlich/produktiven bereich angemessen wäre. jedenfalls wäre eine starre 50:50-parität vermutlich kein richtmaß, und zudem gibt es ja hier nichts, was nicht einvernehmlich zu regeln wäre. es sollte möglich sein, biologische vorgaben und unterschiede in angemessener weise zu berücksichtigen, ohne sie aufzubauschen oder zu unfairer vorteilssuche zu mißbrauchen.“ — Ken Wilber, Eros, Kosmos, Logos, S. 709

gut, dass ist nicht die sprache, die ein marxist benutzen würde (da zu gutgläubig moralistisch), aber von der sache her ist mir das 100fach sympathischer als der TaPsche geschlechterk(r)ampf. (der im übrigen für beide seiten erhebliche nachteile hätte; vermutlich sogar mehr für die frauen als für die männer.)

nicht zufällig sagte Marx, dass man aus dem verhältnis von Mann und Frau die „ganze Bildungsstufe des Menschen beurteilen“ kann und Fourier, dass der „grad der weiblichen emanzipation das natürliche maß der allgemeinen emanzipation“ ist. beide wussten nämlich, dass beide seiten aufeinander angewiesen sind; im gegensatz zu TaP, der zu denken scheint, dass er den frauen etwas gutes tut, wenn bärtige (ex)männer einen auf superharten (macho)feminismus machen.

ich hatte dort in einem kommentar geschrieben:

dass lohnabhängige lohnabhängig bleiben ist ganz einfach der tatsache geschuldet, dass sie am leben bleiben möchten und eine „antikapitalistische revolution“ eine nicht ganz einfache und ziemlich ferne sache ist.“

dies bezog sich auf eine aussage von TaP:

Sexuelle/sexualisierte Gewalt existiert nicht nur des Nächtens im Park, sondern auch in der familiären Wohnung bzw. in der eigenen Wohnung bzw. der des jeweiligen Geliebten. Warum bleiben Frauen bei solchen Männern? – Warum bleiben Lohnabhängige lohnabhängig, statt eine antikapitalistische Revolution auf die Beine zu stellen?“

darauf dann TaP:

Eben wegen des – von systemcrash angesprochenen – inner-kapitalistischen Zwangs zur Lohnarbeit hatte ich ja die Möglichkeit einer antikapitalistischen Revolution angesprochen.“

Ich hatte aber überhaupt nichts von einem „innerkapitalistischen zwang“ gesagt, bestenfalls hätte man meine aussage – was auch richtig wäre – als „lebenszwang“ interpretieren können. Dass das leben innerhalb [auch] kapitalistischer verhältnisse stattfindet, hat sich ja niemand (freiwillig) ‚ausgesucht‘. (wenn es auch psychisch affimiert werden muss, wenn man nicht daran kaputt gehen will).

dass der „lebenszwang“ de facto ein „innerkapitalistischer“ zwang ist, ist den meisten nicht „bewusst“ („naturalisierung“, „fetischisierung“, „ideologisierung“) oder bestenfalls „vorbewusst“.

Dass TaP zur ideologischen vernagelung neigt, ist keine neue erkenntnis für mich, aber bislang hatte ich zumindest gedacht, dass er lesen könne. 😉

Ja, eine antikapitalistische Revolution ist eine schwierige Sache; eine feministische Revolution auch; einen Partner zu verlassen und – im Patriarchat – einen besseren zu finden auch; Hetera gewesen zu sein und Lesbe zu werden auch; und ganz ohne Beziehung/Sex zu leben, für viele auch.“

auf einer „unanalytischen ebene“ (ungewöhnlich für TaP ;)+) müsste man TaP augenscheinlich recht geben. Alles, was er anführt, ist „schwierig“. (das „lesbisch werden“ lasse ich mal aussen vor, weil ich denke, niemand kann sich seine sexuelle orientierung „aussuchen“ wie seine unterhosen. Auch hieran merkt man, dass TaP vom neoliberalen omnipotenz-narzissmus und liberal-feminismus nicht unbeeindruckt ist.)

aber liegen alle angeführten „themen“ wirklich auf derselben „analytischen“ ebene?

Hier kommt etwas ins spiel, was mir schon länger unbehagen (an der linken [sub]kultur) bereitet, was ich aber bislang nicht richtig in worte fassen konnte. Und zwar geht es um die trennung von „privat“ und „öffentlich“.

Auch wenn ich das feministische diktum „das private ist politisch“ an sich richtig finde, bin ich aber trotzdem nicht der meinung, dass es keinen unterschied von privat und öffentlich/politisch gäbe. Und als lohnabhängiger ist mir diese trennung auch extrem wichtig: wenn ich meinen „heiligen“ feierabend habe, will ich von der ganzen scheisse der lohngerberei (öffentlich/politisch) nix mehr wissen. Und wenn dann mein „privatleben“ (beziehungen/sexualität) auch noch „antagonistisch dekonstruiert“ werden soll, dann können mich die „antagonistischen dekonstruierer“ mal da küssen, wo es bei mir ganz, ganz düster ist! 😉

Also: eine „antikapitalistische revolution“ (und von mir aus auch eine „antipatriarchale, obwohl ich mehr von einer „kulturellen evolution“ ausgehe) ist eine POLITISCHE fragestellung.

Partnerschaften und Sexualität sind in erster linie PERSÖNLICHE fragestellungen.

Dadurch, dass TaP diese ‚trennung‘ in seinen texten nicht (nach)vollzieht, erzielt er einen gewissen verblüffungseffekt, den man auch nicht so schnell durchschauen kann. Aber gut, dass wir mal darüber gesprochen haben. 😉

Nee, mir scheint nicht, daß StrukturalistInnen die Existenz des Unbewußten (!) bestreiten, aber sie betonen das – spontane (vgl. Lenins Kritik des Spontaneismus) – Primat des Unbewußten über das Bewußtsein.

hier wird es jetzt schwierig für mich, weil ich nur ein laie in sachen psychologie bin. „primat“ heisst „vorrang“. Hat das unbewusste „vorrang“ vor dem bewussten? Hmm, ja, ich denke schon; was allein schon eine frage der „ökonomie“ der psychischen ‚energie‘ ist. Wenn wir für jeden mist, den wir täglich erledigen müssen, unser „volles bewusstsein“ einsetzen müssten, wären wir schneller erschöpft als wir gucken können. Insoweit zustimmung. Aber ich denke, es hängt auch davon ab, in welchem bereich wir tätig sind. Wenn ich diesen antwortartikel auf TaP schreibe, dann muss ich ihn „bewusst“ schreiben. Natürlich verlasse ich mich auch darauf, dass mir mein unterbewusstsein auch inspirationen zukommen lässt, aber die wesentlichen, inhaltlichen aussagen drücken mein BEWUSSTSEIN aus (oder zumindest: sollen es ausdrücken.) insofern kann man bei diesem bespiel nicht von einem „vorrang“ („primat des unbewussten“) sprechen. (in spirituellen lehren wird immer wieder darauf hingewiesen, dass man den anteil der „bewusstheit“ erhöhen kann, indem man seine „achtsamkeit“ ‚trainiert‘; wobei „achtsamkeit“ ja eigentlich ein synonym für bewusstheit ist.)

Ergo: TaPs these ist falsifiziert oder gilt nur in „teilbereichen“; müsste also dementsprechend differenziert werden.

Ich sollte noch erwähnen, dass die antwort mit dem „unbewussten“ sich auf folgenden kommentar von mir bezieht:

…ist die frage, wie sich die gesellschaftlichen verhältnisse auf die PSYCHISCHE konstitution der subjekte auswirken (dies ist auch der blinde fleck im ‚historischen materialismus‘, das ‚missing link‘, wie es Reich genannt hatte).

auch hier hatte ich überhaupt nichts über das „unbewusste“ gesagt, sondern hatte von „psychischer konstitution“ (der subjekte) gesprochen. Nun sagt TaP von sich selbst, dass er von Freud nicht viel versteht, und darum will ich ihm das auch nicht vorwerfen, aber „psychische konstitution“ ist schon etwas anderes als das „unbewusste“. psychische konstitution meint die gesamtheit der „psychischen struktur“ (eines individuums).

Aber ich muss noch mal zurückkommen auf das, was ich oben geschrieben habe:

Partnerschaften und Sexualität sind in erster linie PERSÖNLICHE fragestellungen.

Dieses „in erster linie“ heischt natürlich nach einer erklärung. Ich denke, ich kann eine erklärung nur soweit geben, dass partnerschaften und sexualität eben in erster linie auf (scheinbar) persönlichen entscheidungen beruhen, auch wenn sie eine „politische“ dimension beinhalten [sexualität und beziehungen können aber die ‚persönlichkeit‘ auch ‚übersteigen‘, transzendieren]. Diese „illusion“ der „persönlichen sphäre“ ist eine „notwendige“, um ein gegengewicht zu den zumutungen der kapitalistischen wertverwertung zu haben, und um einen „freiraum“ zu haben für die eigenen interessen und weiterentwicklungen.++)

Solche ambivalenzen des lebens muss man eben aushalten, wenn man (im weitesten sinne) „politisch“ tätig sein möchte.

um das ganze auf eine „politische ebene“ herunterzubrechen: solange wir nicht wissen, wie sich „gesellschaftliche verhältnisse“ und die „psychische konstitution der subjekte“ zueinander verhalten, können wir zwar politische forderungen und programme aufstellen, wir wissen aber nicht, wie die forderungen und programme bei den leuten „ankommen“. Genauso wenig wissen wir, wie sie sich auf bestehende „soziale bewegungen“ auswirken oder wie man „soziale bewegungen“ überhaupt ‚initiieren‘ kann. Oder noch anders gesagt: wir können die frage, wie „revolutionäre subjekte“ entstehen, nicht beantworten.

Zusätzlich kommt noch das problem dazu, dass es in der „linken“ genauso viel ideologische verbohrtheit und dogmatismus gibt wie bei allen anderen politischen strömungen auch. Und ich sehe nicht, wie man dieses problem angehen könnte. (die einzige positive ausnahme, die ich sehe, ist die IL, die tatsächlich bereit zu sein scheint, „neue wege“ zu gehen. Dies wurde zwar auch vom gescheiterten „NaO-prozess“ versprochen, aber dort konnte es nicht umgesetzt werden.)

Insofern gleicht „linke politik“ einem glücksspiel oder einer „lotterie“.

und TaPs „vision“ einer „asexuellen“ und/oder „androgynen“ welt ist nur sein persönliches „himmelreich“, was ausserhalb der einschlägigen szene wohl niemanden sonst interessieren wird. für die restlichen 99,5% der menschheit ist wohl die jeweilige geschlechtsidentität essentiell wichtig. selbstverständlich ist es sein gutes recht, so zu leben (alle leidenschaften haben ihre berechtigung), aber damit politik machen zu wollen, ist wohl mehr als donquichotterie; es grenzt schon an realitätsverweigerung.

Ich weiss nicht, ob es ernsthafte bemühungen gibt, eine [integrale] „emanzipatorische psychologie“ zu entwickeln (die meines erachtens nicht hinter Freud zurückfallen dürfte, die aber eine angemessene Freud-kritik leisten müsste), aber solange wir eine solche nicht haben, wird sich an diesem zustand (des linken „glücksspiels“) auch nichts ändern (oder jedenfalls nicht viel).

Wenn ich die geisteskräfte eines Marx oder Freud hätte (oder die eines „integralen“ denkers wie Ken Wilber; ich wäre schon froh, wenn ich das lesepensum von TaP hätte 🙂 ) würde ich mich einem solchen projekt verschreiben und würde mich dafür sogar ins „britische museum“ 😉 einschliessen lassen; aber leider – oder göttin sei dank? – fliesst das „genius“+++)-gen nicht durch meine adern.

Ich werde mich daher damit bescheiden, ab und an zu bloggen und damit meinen beitrag dafür zu leisten, dass das gesellschaftliche bewusstseins-niveau ansteigen kann. zumindest ist das meine hoffnung.

Nicht nur fort sollst du dich pflanzen, sondern hinauf! Dazu helfe dir der Garten der Ehe! Einen höheren Leib sollst du schaffen, eine erste Bewegung, ein aus sich rollendes Rad, – einen Schaffenden sollst du schaffen.“ (Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra)

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+) eine ähnliche einschätzung hat auch „mister x“ formuliert: „Eigentlich hätte ich erwartet, dass Strukturalisten genau dies tun: Aufzugliedern wie diese Strukturen zu eben solchen werden. Also die Mechanismen betrachten, die sie hervorbringen und reproduzieren. Es wundert mich, dass Du [TaP] stattdessen auf einer rein beschreibenden Ebene verbleibst und Dich für die Entstehungs- und Reproduktionsmechanismen (die bisweilen auch die Betreffenden nicht sonderlich gut dastehen lässt) nicht interessierst. Oder zumindest nur solche Mechanismen heranziehst, die Deine Subjekte im strahlenden Licht erscheinen lassen.“

++) „Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion. Wie der Wilde mit der Natur ringen muss, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, um sein Leben zu erhalten und zu reproduzieren, so muss es der Zivilisierte, und er muss es in allen Gesellschaftsformen und unter allen möglichen Produktionsweisen. Mit seiner Entwicklung erweitert sich dies Reich der Naturnotwendigkeit, weil die Bedürfnisse sich erweitern; aber zugleich erweitern sich die Produktivkräfte, die diese befriedigen. Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehen, dass der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehen. Aber es bleibt dies immer ein Reich der Notwendigkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner Basis aufblühen kann. Die Verkürzung des Arbeitstages ist die Grundbedingung.“ – Karl Marx, Das Kapital Dritter Band. Berlin 1988. S. 828.  [herv. von mir]

+++) „Der Genius (Pl. Genien oder lateinisch Genii) war in der römischen Religion der persönliche Schutzgeist eines Mannes und Ausdruck seiner Persönlichkeit, seiner Schicksalsbestimmung und insbesondere seiner Zeugungskraft. Mit dem Tod des Mannes erlosch der Genius.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Genius

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Ein Kommentar zu “Dritte Antwort auf TaP

  1. ich hatte ja versprochen, vlt auf das thema „vergewaltigungen“ noch zurückzukommen. der zufall hat mir jetzt geholfen und ich bin auf dieses interview in der ZEIT gestossen, das den zusammenhang von „männlichkeit“ und „gewaltfantasien“ m. e. recht gut darstellt:

    http://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2017-06/gewalt-fantasie-vergewaltigung-therapie

    psychologisch zentral scheint mir dabei die aussage zu sein, dass „männlichkeit“ etwas sekundäres ist (aus der abgrenzung von weiblichkeit entstanden und erbringung sozial akzeptierter „leistungen“), während dann „weiblichkeit“ im umkehrschluss etwas ist, das einfach [naturhaft] „IST“. diesen ansatz halte ich im wesentlichen für richtig. (er findet sich auch bei Simone de Beauvoir in der unterscheidung von „immanenz“ und „transzendenz“)

    dadurch, dass das männliche Ich etwas „sekundäres“ ist, erklärt sich bis zu einem gewissen grad (teilweise) auch seine grössere fragilität (anfälligkeit für [narzisstische] kränkungen).
    unter bestimmten voraussetzungen können dann (kumulierte) kränkungen auch zu gewaltHANDLUNGEN führen.

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