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Vor G20 ist nach G20

eine „Lösung“ für was?

Eine kurze Einschätzung der G20-Proteste

es ist jetzt schon absehbar, dass der verlauf der G20-proteste nichts an der situation der „radikalen linken“ in der BRD ändern wird. insofern gleicht dieser temin dem ritualisiertem 1. Mai oder anderer „linker“ event-politik. obgleich proteste und demonstrationen gegen die „kapitalistische weltordnung“ vollkommen legitim und notwendig sind, ist ein ‚bunter haufen‘ aber etwas anderes als eine „soziale bewegung“. und wenn teile dieses bunten haufens meinen, es sei „kapitalismus-kritik“ millionären „hausbesuche“ zu machen, dann kann man davon ausgehen, dass ihre Marx-lektüre leichte schwächen aufweist. (auch ein gruppenname wie „eat the rich“ flösst wenig vertrauen in die politische qualität ein)

aber auch wenn man kein „anti-deutscher“ ist (so wie ich) dann wird einem doch leicht schmiemelig, wenn zum beispiel Peter Schaber (LCM) im debattenblog der IL über „kaderorganisationen“ schreibt:

„Kader haben keinen persönlichen Besitz über das für ihre Aufgaben notwendige. Sie leben ausschließlich durch und im Kollektiv. Sie überprüfen durch Kritik und Selbstkritik permanent ihre eigene Entwicklung zu militanten Persönlichkeiten.“

ich weiss nicht, ob er diese weisheit aus mittelalterlichen klosterregeln oder aus dem handbuch für berufsstalinisten entnommen hat. aber bei Lenin gewiss nicht. mich erinnert diese aussage unwillkürlich an die worte von Marx über den „rohen kommunismus“ in den ökonomisch-philosophischen manuskripten:

„Dieser Kommunismus – indem er die Persönlichkeit des Menschen überall negiert – ist eben nur der konsequente Ausdruck des Privateigentums, welches diese Negation ist. Der allgemeine und als Macht sich konstituierende Neid ist die versteckte Form, in welcher die Habsucht sich herstellt und nur auf eine andre Weise sich befriedigt. Der Gedanke jedes Privateigentums als eines solchen ist wenigstens gegen das reichere Privateigentum als Neid und Nivellierungssucht gekehrt, so daß diese sogar das Wesen der Konkurrenz ausmachen. Der rohe Kommunist ist nur die <535>Vollendung dieses Neides und dieser Nivellierung von dem vorgestellten Minimum aus. Er hat ein bestimmtes begrenztes Maß. Wie wenig diese Aufhebung des Privateigentums eine wirkliche Aneignung ist, beweist eben die abstrakte Negation der ganzen Welt der Bildung und der Zivilisation, die Rückkehr zur unnatürlichen ||IV| Einfachheit des armen, rohen und bedürfnislosen Menschen, der nicht über das Privateigentum hinaus, sondern noch nicht einmal bei demselben angelangt ist.“

so haben wir auf der einen seite antideutschen pro-imperialismus (mit einigen bedenkenswerten kritikpunkten+) und „rohkommunistischen“ ‚antiimperialismus‘ bei der „radikalen linken“ und der bürgerliche staat verfolgt mit seinem zielen auf massive repression und einschüchterung im vorfeld von G20 eine taktik, die ein fb-freund so kommentierte:

„Ich denke, das Problem sind tatsächlich weniger die Militanten, sondern das Wissen, das es eigentlich eine hohe Akzeptanz für die Proteste gegen G20 gibt. Aber dieser Polizeistaat soll ablenken, Menschen isolieren, Proteste auf die Formel friedlich oder militant reduzieren, damit der Inhalt vollkommen vergessen wird. Und mit Erfolg, die gefühlt letzten 100 Informationen über die Proteste waren, wer gerade wo gegen oder für die Camps klagt.“

aber wenn die „inhalte“ vergessen werden, verwandeln sich die proteste in events und action. die taktik des staates geht auf und die programmatischen differenzen innerhalb der „radikalen linken“ sind nach den protesten genauso gross wie vorher. und auch wenn man für ein oder zwei tage gemeinsam auf der strasse (oder im protestcamp) war, so ist man sich trotzdem nicht wirklich (inhaltlich) näher gekommen.

und das hamsterrad der kapitalistischen (rassistischen und männerdominierten) re-produktion kann sich ungestört weiterdrehen, nur zwischendurch unterbrochen von ein paar latschdemos und das staatliche proben bürgerkriegsähnlicher zustände, die man zumindest von seiten des ideellen gesamtkapitalisten offensichtlich nicht gänzlich ausschliessen kann. ein deutliches anzeichen, dass der weltkapitalismus krisenhaft ist, aber man macht nichts (nicht viel) von „radikal-linker“ seite daraus (zumindest gilt dies für die metropolen-länder).

und täglich grüsst das Murmeltier oder the same pocedure as every year

 


+) „Dass im Expansionsinteresse des Kapitals, dem militärischen Demokratieexport und im Freihandel Momente von Befreiung stecken – wohlgemerkt nur Momente, nicht die befreite Gesellschaft selbst –, müsste in einer Zeit identitätspolitischer ­Regression Gegenstand linker Strategiedebatten sein.“ — jungle world 

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Ein Kommentar zu “Vor G20 ist nach G20

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