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Für die transrationale Wiederverzauberung der Welt

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je mehr ich mich mit dem politischen geschehen beschäftige, umso klarer wird mir, dass die welt keine ‚analysen‘ braucht (die innerhalb der normativen rationalität verbleiben), sondern geschichten, lieder, märchen und mythen und Sagen, die von einem leben berichten, dass hinter dem sichtbaren liegt. geschichten, die einen moralischen kompass liefern, der unsere zeit so dringend bedarf. nicht der verstand allein wird die wunden, die wir uns selbst zugefügt haben, heilen können; sondern nur eine ganzheitliche betrachtung, die alle ebenen des menschseins so gut wie möglich berücksichtigt. die welt braucht menschen, die visionen und träume haben und an sie glauben können. und die die beharrlichkeit und geduld aufbringen, mit einem langen atem an ihrer verwirklichung zu arbeiten und dabei auch eine gehörige portion realismus aufbringen müssen. das projekt der aufklärung, so grossartig wie es war, muss ergänzt werden durch ein zweites projekt, das die welt wieder verzaubert, ohne in eine vorrationale verklärung zurückzufallen.
ob das möglich ist?
ich weiss es nicht. aber ich weiss eins: wenn es nicht gelingt, ist uns die barbarei gewiss [1]. der fortschritt war immer schon nur eine möglichkeit. aber diese möglichkeit scheint mir in eine immer weitere ferne zu rücken.

„Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen
Wenn die, so singen oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,

Wenn sich die Welt ins freie Leben
Und in die Welt wird zurück begeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu echter Klarheit werden gatten,

Und man in Märchen und Gedichten
Erkennt die wahren Weltgeschichten,
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.“
(Novalis)


[1]  „Den gesellschaftlichen Umbruch der Großen Transformation erklärt Polanyi also nicht durch den evolutionären Selbstlauf, sondern durch die politisch gewollte Einführung freier Märkte für die von ihm so bezeichneten „fiktiven Waren“ Arbeit, Boden und Geld. Nur dadurch, dass (vorerst eben nur) gewisse Gegenstände oder Tätigkeiten im Zuge des industriellen und wirtschaftlichen Fortschritts als „Waren“ definiert und gehandelt wurden, erklärt sich die wachsende soziale Ungleichheit, die wir heute beobachten müssen, während sich das marktwirtschaftliche Denken immer neue Bereich[e] des Lebens unterordnet. So verselbständigen sich die Strukturen und Regeln der Wirtschaft gegenüber den Strukturen und Regeln des sozialen Zusammenhalts. Wirtschaftliche Tauschprozesse sind heute beinahe vollständig unabhängig von sozialen Beziehungen (“externalisierte Ökonomie”), und soziale Prozesse immer öfter abhängig von ihrer wirtschaftlichen Zweckmäßigkeit. Ein derartig ausufernder Materialismus läuft nach Polanyi dem Wesen der Gesellschaft entgegen und bildet für diese eine existenzielle Bedrohung. Die zerstörerische Macht dieser Entwicklung zeige sich dabei nicht so sehr in einem materiellen Mangel oder in den elenden Arbeitsbedingungen dieser Zeit, sondern in einer kulturellen und sozialen Verwahrlosung.“ — Das kommunistische Begehren, der Freitag 

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Ein Kommentar zu “Für die transrationale Wiederverzauberung der Welt

  1. „Den gesellschaftlichen Umbruch der Großen Transformation erklärt Polanyi also nicht durch den evolutionären Selbstlauf, sondern durch die politisch gewollte Einführung freier Märkte für die von ihm so bezeichneten „fiktiven Waren“ Arbeit, Boden und Geld. Nur dadurch, dass (vorerst eben nur) gewisse Gegenstände oder Tätigkeiten im Zuge des industriellen und wirtschaftlichen Fortschritts als „Waren“ definiert und gehandelt wurden, erklärt sich die wachsende soziale Ungleichheit, die wir heute beobachten müssen, während sich das marktwirtschaftliche Denken immer neue Bereich[e] des Lebens unterordnet. So verselbständigen sich die Strukturen und Regeln der Wirtschaft gegenüber den Strukturen und Regeln des sozialen Zusammenhalts. Wirtschaftliche Tauschprozesse sind heute beinahe vollständig unabhängig von sozialen Beziehungen (“externalisierte Ökonomie”), und soziale Prozesse immer öfter abhängig von ihrer wirtschaftlichen Zweckmäßigkeit. Ein derartig ausufernder Materialismus läuft nach Polanyi dem Wesen der Gesellschaft entgegen und bildet für diese eine existenzielle Bedrohung. Die zerstörerische Macht dieser Entwicklung zeige sich dabei nicht so sehr in einem materiellen Mangel oder in den elenden Arbeitsbedingungen dieser Zeit, sondern in einer kulturellen und sozialen Verwahrlosung.“
    https://www.freitag.de/autoren/max-jansen/das-kommunistische-begehren?utm_content=buffere36ba&utm_medium=social&utm_source=facebook.com&utm_campaign=buffer

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