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Die Bedeutung der ‚Liebe‘ am Beispiel des Filmklassikers „Casablanca“

Bildergebnis für casablanca film

ich habe den film gefühlt bestimmt schon hundertmal gesehen. mein hauptmotiv war bislang immer Ingrid Bergmann. Die frau ist einfach so hinreissend, dass man sich einfach in sie verlieben muss. aber auch Humphrey Bogart entspricht durchaus gewissen männlichkeitsklischees, deren wirkung man sich nicht (ohne weiteres) entziehen kann. (auch wenn er kleiner war als Bergmann, aber das kann man ja in einem film kaschieren)

die dialoge (zumindest in der deutschen synchronisation) sind zum teil sehr klischeebeladen. aber auch das hat zum ruhm des films mit beigetragen. „dies ist der beginn einer wunderbaren freundschaft“ dürfte schon fast ein geflügeltes wort sein. und auch die musik spielt eine grosse rolle („as time goes by“).

für viele gilt ja „Casablanca“ als der film überhaupt, und ich denke, dass dieser titel nicht ganz zu unrecht besteht (für manche hat er sogar ‚kultstatus‘). aber was hat es nun mit der ‚Liebe‘ in diesem film auf sich?

bislang bin ich (wohl mehr unbewusst oder unterbewusst) davon ausgegangen, dass Rick sich am ende des films für Ilsa ‚opfert‘. aber je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr zweifle ich an dieser interpretation. im prinzip ist es sehr schwierig in dieser frage überhaupt zu einer einschätzung zu gelangen, und zwar hauptsächlich aus dem grund, weil man eigentlich über die beziehung von Ilsa und Victor László fast nichts erfährt. möglicherweise könnte man das als einzige schwachstelle in der konzeption des films ansehen, dass er sich zu sehr auf die liebe von Ilsa und Rick kapriziert (was aber natürlich auch den romantischen mythos des films begründet), und die ganze vorgeschichte fast im hintergrund des films verschwimmt. mehrmals fällt in den dialogen der beiden der satz ‚wir wollten ja keine fragen stellen‘, aber eigentlich ist es doch so, dass sich die nähe durch das kennenlernen des anderen erst herstellt. und zum kennenlernen gehört eben auch die ganze geschichte der person. wenn diese aber unter den teppich gekehrt wird (aus welchen gründen auch immer), dann kann diese ‚intimität‘ sich nicht herausbilden und es bleibt (im besten fall) beim oberflächlichen begehren.

wenn man sich allein darauf beschränkt, was der film an informationen liefert, dann kann man davon ausgehen, dass Ilsa zwar loyal zu ihrem Mann ist und ihm auch viel verdankt, aber das, was sie für ‚Liebe‘ gehalten hat, wohl eher eine dankbare bewunderung war. die ‚richtige Liebe‘ hat sie aber erst bei Rick erlebt. warum hat Rick dann aber am ende Ilsa mit Victor abfliegen lassen?

die ‚antwort‘, die Rick selber gibt, dass Ilsa Victor die kraft für seine politische arbeit gibt, klingt zwar heroisch, aber genau darin scheint mir bereits ein hinweis zu liegen, was die wirklichen motive sein können. Rick muss nämlich das klischee der ‚unabhängigen männlichkeit‘ aufrechterhalten. und dieses klischee verbietet es, eigene schwächen und bedürftigkeiten offen zu legen. und zum anderen mag er geahnt haben, dass er Ilsa niemals ‚für sich allein‘ hätte, sondern sie in gewisser weise immer mit Victor ‚teilen‘ müsste. dieses gefühl wäre wiederum mit seinem männlichen ego mit überstarker agenz (selbsterhaltung) nicht vereinbar gewesen. (allerdings wäre Ilsa auch in gefahr gewesen, wenn sie in Casablanca geblieben wäre. insofern war doch auch ein bisschen aufopferung [aus Liebe] dabei.)

so ist das, was scheinbar wie eine heroische opferhandlung aus ‚Liebe‘ erscheint, in wirklichkeit ein triumpf der ‚männlichen unabhängigkeit‘ und die ‚brave ehefrau‘ folgt treu ihrer ‚Pflicht‘, ihrem mann eine treusorgende gefährtin zu sein, obgleich ihre gefühle in eine ganz andere richtung gehen. (man könnte jetzt noch darüber spekulieren, ob Victor nicht gemerkt hat, dass seine frau Rick liebt, aber da dies im film nicht weiter thematisiert wird, will ich es hiermit bewenden lassen. er hätte ja sogar Ilsa mit Rick gehen lassen, um sie dadurch in sicherheit zu bringen. er war also zu einem opfer aus liebe bereit.)

was also als der grösste liebesfilm aller zeiten gilt, ist bei näherer betrachtung ein propagandafilm für traditionelle geschlechterklischees.

trotzdem werde ich mir den film bestimmt noch einmal gefühlt hundertmal anschauen und immer wenn Rick sagt:

‚ich passe nicht in eine noble rolle, aber zu der erkenntnis, dass die probleme dreier menschen in dieser verrückten welt ohne belang sind, gehört nicht viel.
nein, nicht weinen. Ich seh‘ dir in die Augen, Kleines. uns bleibt immer Paris.‘ und wenn dann auch noch im hintergrund ein klavier „as time goes by“ klimpert

dann werde auch ich zu einer packung Tempo greifen, die immer griffbereit auf meinem tisch liegt.

 

 

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