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Über Ästhetik, Liebe und Erkenntnis(grenzen)

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Die Aufgabe der Philosophie ist nicht das Geben von (praktischen) Tipps [die eh nicht funktionieren], sondern das intelligentere Nachdenken (über sich selbst und ‚Gott und die Welt‘).

‚Erkenntnistheorie‘ im engen philosophischen Sinne hat mich eigentlich schon im relativ zarten Jugendalter umtrieben. Und bis heute bietet mir die ML-‚materialistische‘ ‚Widerspiegelungstheorie‘ zumindest emotional ein gewisses Sicherheitsfundament, auch wenn ich gedanklich schon lange über dieses Stadium hinaus bin.

Ich hatte aber schon öfter bemerkt, dass ich bei der Formulierung ‚erkenntnistheoretischer‘ Überlegungen immer an eine gewisse Grenze gestossen bin, die ich mir nicht erklären konnte. Darum hatte ich bislang Abstand davon genommen, explizit zur Erkenntnistheorie Stellung zu nehmen und mich auf die Erörterung (vermeintlich ‚konkreter‘) politischer ‚Sachverhalte‘ beschränkt; die aber implizit auch erkenntnistheoretische Aspekte aufwiesen. Dies ist natürlich auf die Dauer inkonsequent.

Mehr durch zufällige ‚Umwege‘ bin ich jetzt wieder mit erkenntnistheoretischen Fragen konfrontiert worden, die ich in diesen Artikel mal versuche in eine halbwegs sinnvolle Darstellung einzusortieren. Dabei erhebe ich keineswegs den Anspruch — dies gleich als Warnung vorneweg — eine vollständige oder gar umfassende Erkenntnistheorie zu entwickeln (könnte ich auch nicht), sondern mir geht es nur um ein paar Mosaiksteinchen, die vielleicht in ein grösseres ‚Bild‘ hineinpassen.

Meines Erachtens ist die Frage der Erkenntnis(theorie) letzlich genauso wenig (oder genauso viel!) ‚lösbar‘ wie die ‚Gottesfrage‘:

Erstens ist sie nicht auf einer rein ‚rationalen‚ Ebene zu ‚beantworten‘.

Zweitens ist sie eher eine Frage des ‚Glaubens‘ und der [ganzheitlichen] Erfahrung als des [theoretischen] Denkens. [siehe auch Fussnote 7]

Die ‚Matrix‘ 

Da ich kein ‚Philosoph‘ bin, versuche ich es erst gar nicht eine philosophiegeschichtliche ‚Ableitung‘ der erkenntnistheoretischen Debatten auch nur in den allergröbsten Zügen darzulegen. Ich wähle einen anderen Weg: nämlich den Zugang über die ‚populäre Kultur‘. Ich bekenne auch von vorherein, dass ich mich auf zwei Videos mit Richard David Precht als Quellmaterial beziehe. Ich weiss, dass Precht in der ‚Öffentlichkeit‘ zum Teil sehr kritisch gesehen wird. Aber wie immer man zu ihm stehen mag, so muss man ihm zumindest zugute halten, dass er komplizierte Zusammenhänge so darstellen kann, dass auch philosophisch nicht Vorgebildete das verstehen können. Und zweitens — ganz pragmatisch– fasst er Themenkomplexe zusammen, die man sich sonst nur äusserst mühsam (bis unmmöglich!) über ein umfangreiches Quellenstudium aneignen könnte. Dass dabei auch die Gefahr der Simplifizierung und Vulgarisierung besteht, nehme ich dabei gern in Kauf. Philosophische Texte sind ja schliesslich dazu da, um hinterher in Grund und Boden kritisiert zu werden! 😉

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Die meisten kennen sicherlich den Film „Matrix“, oder haben zumindest davon gehört. Dort geht es um eine Welt, die von Maschinen beherrscht wird und die Menschen werden in Nährflüssigkeit gehalten, die ihnen eine Scheinwelt vorgaugelt. Gleichzeitig dienen die Menschen als Energielieferant für die Maschinen.

Was uns an dieser Vorstellung beunruhigt ist die Tatsache ;), dass in dieser ‚Matrix‘ die Erlebnisse der Menschen nicht real sind.

Genau an dieser Stelle setzt jetzt eine philosophische Diskussion ein, die vermutlich fast so alt ist wie die Existenz der Menschheit selbst. Woher wissen wir und was gibt uns die Gewissheit, dass wir zwischen ‚Realität‘ und ‚Fiktion‘ unterscheiden können? Was wäre, wenn alles nur in ein Traum in einem Traum wäre? Wie sollten wir dann überhaupt unterscheiden können?

Ich denke, dass diese Frage ‚rein rational‘ nicht lösbar ist. Der ‚Idealismus‘ (im philosophisch-erkenntnistheoretischen Sinne) ist rein ‚logisch‘ nicht widerlegbar (genauso wenig, wie man die ‚Existenz Gottes‘ ‚beweisen‘ oder nicht beweisen kann).

Hier bietet jetzt Precht meines Erachtens eine ‚Lösung‘ (oder besser wohl: Anschaung) an, die zumindest für meinen Geschmack recht annehmbar ist: selbst wenn wir in einem Traum ‚leben‘ würden, wäre es doch zumindest unser Bestreben, auch im Traum eher ‚gute‘ ‚Erlebnisse‘ zu haben. So dass eigentlich die Frage nach der Unterscheidung von ‚guten Erlebnissen‘ in der ‚Fiktion‘ und der ‚Realität‘ sich letzlich in die Richtung einer Irrelevanz (oder abschwächenden Bedeutung) auflöst.[1]

Wir alle hatten bestimmt schon mal einen intensiven Traum, der uns auch noch tagelang hinterher beschäftigt hat, oder ein Roman bietet eine so spannende Story, dass wir gar nicht mehr mit dem lesen aufhören können.[2]

Ich denke, auf der Ebene der Fiktion können wir diese Nichtunterscheidung zur Realität gut akzeptieren (nicht zufällig lieben viele Leute Science Fiction und Fantasy und gewiss nicht nur aus eskapistischen Gründen). Der ganze Literaturbetrieb lebt ja schliesslich davon, dass auch Fiktionales eine gesellschaftliche Relevanz besitzt (um das zu akzeptieren, muss man nicht mal besonders ‚esoterisch‘ angehaucht sein 😉 )

Aber trotzdem lehnt sich irgendetwas in uns gegen diesen Gedanken auf: wenn wir ein Schnitzel essen, wollen wir schliesslich wissen, dass dieses Schnitzel ‚echt‘ ist und nicht ‚eingebildet‘.

An dieser Stelle vermischen sich meines Erachtens zwei verschiedene Problemkomplexe, die erst mal nichts miteinander zu tun haben.

Der erste Komplex ist die Kantsche Frage ‚Was können wir wissen‘? Dies ist quasi die Kernfrage der philosophischen Erkenntnistheorie.

Das zweite Problem würde ich eher als ‚Lebenswirklichkeit‘ oder ‚Lebenseinstellung‘ (‚Lebensaufgabe‘ in den ökonomisch-philosophischen Manuskripten bei Marx [7]) beschreiben wollen. Die allermeisten Menschen stellen sich doch überhaupt keine erkenntnistheoretischen Fragen. Und dies nicht etwa ’nur‘, weil sie zu oberflächlich sind (das gibts sicher auch), sondern weil die lebenswirkliche Realität sich doch stark in Leidenschaften abspielt, wo die Frage von Realität oder Nichtrealität sich gar nicht stellt!

Würde ein Blumenliebhaber, der den Duft einer Rose einatmet, darüber nachdenken, ob die Rose ‚echt‘ ist oder nicht? (Der Dichter Rilke meint sogar, dass eine Rose manchmal wichtiger sein kann als ein Stück Brot.)

Würde ein Liebender die ‚Realität‘ seiner Angebeteten in Frage stellen?

Würde ein Sportler, der einen Marathonlauf beschreitet, der all seine Kräfte mobilisiert, darüber nachdenken, ob der Schweiss, der aus jeder seiner Körperporen austritt aufgrund seiner körperlichen Anstrengung, ‚wirklich‘ ist oder nicht?

Ein dreimaliges ‚Nein‘ würde erschallen, und zwar deshalb, weil alle drei Beispiele existentielle Erfahrungen sind, die nicht weiter hinterfragbar sind…

… Es sei denn, man liegt mit sich selbst im Zwei-fel und stellt daher diese Fragen. Philosophisch ausgedrückt könnte man vielleicht sagen, dass erst ein gewisses Mass an (Selbst)’Entfremdung‘ überhaupt das ‚Bedürfnis‘ nach erkenntnistheoretischen Überlegungen hervorbringt.

Ein Mensch, der ‚mit sich selbst im Reinen ist‘, würde sich diese Fragen vermutlich erst gar nicht stellen.

Wenn man das Ganze auf die Spitze treiben wollte, könnte man sogar sagen, erst die Existenz des Zweifels und der ‚Entfremdung‘ setzt den Anreiz für ‚höhere‘ Erkenntnisgewinnung! [3] (Rene Descartes: „Zweifel ist der Weisheit Anfang“.)

Kommunikation und Sprache 

In der ‚alten‘ [westlichen] Philosophie ging es um das Verhältnis von Objekt und Subjekt (durchaus auch in dieser Reihenfolge!), während die ‚Postmoderne‘ die Sprache selbst als erkenntnistheoretisches Problem entdeckte.[4]

Ohne jetzt auf die ‚Sprachphilosophie‘ im einzelnen eingehen zu wollen (das Thema wäre mir auch zu umfangreich), möchte ich doch zumindest so viel sagen, dass die Sprache innerhalb der Grenzen der ‚rationalen Logik‘ verbleibt und dadurch von vornherein Erkenntnisgrenzen hat, die sich auf alle Bereiche erstreckt, die eben über die Rationalität hinausgehen.[5] Neben den ‚klassischen‘ Bereichen der Religion, Spiritualität und Metaphysik ist das insbesondere auch die Kunst.

Für politische Fragestellungen ist das durchaus auch relevant, da man offensichtlich (stillschweigend!!) davon ausgeht, politische Inhalte seien (mit mehr oder weniger Schwierigkeiten) ‚rational vermittelbar‘.

Meine tägliche Erfahrung (ich arbeite in einem Call-Center!) spricht da eine ganz andere ‚Sprache‘. Die allerwenigste Kommunikation findet nach (rein) rationalen Kriterien[6] statt und eine gelungene Verständigung ist weit eher die Ausnahme als der Regelfall!

Dies ist auch eigentlich relativ leicht erklärbar: die ‚bürgerliche‘ Gesellschaft produziert den Schein der Privatheit und der Isolation (Konkurrenz, jeder ist dem anderen ein Wolf) der einzelnen Egos. Wenn aber eine ‚gelungene Kommunikation‘ auf allen Ebenen stattfinden muss, dann würde das eine ‚Offenheit‘ voraussetzten, die wir im ‚öffentlichen Raum‘ in der Regel gar nicht bereit sind, ‚einzusetzen‘. Nur in intimen Beziehungen oder in einer ‚therapeutischen‘ Situation würden wir ein solches ‚Risiko‘ eingehen (genauer gesagt: eingehen müssen, sonst klappts nicht!).

Man könnte sicherlich noch eine ganze Menge über die Tücken der Sprache schreiben, aber ich will hier nur noch (schon um den Artikel nicht unnötig in die Länge zu ziehen) zwei Aspekte hinzufügen.

Einmal die Mehrdeutigkeit der Sprache. Dazu schrieb ich bereits in einem Kommentar bei facebook:

Ich finde, Mehrdeutigkeiten bereichern eine Sprache. Die Kommunikation (ohnehin schon ein schwieriges Unterfangen) wird dadurch aber freilich nicht einfacher.

Und zum damit zusammenhängenden zweiten Problem:
A
llerdings war Sprache auch noch nie als Präzisionsinstrument gedacht. Es ist eben ein VERSUCH der sozialen Verständigung. Bloss, diese Verständigung ist eben komplex (auf verschiedenen Ebenen angesiedelt) und immer abhängig vom Kontext. Besonders letzterer Aspekt wird in einer zunehmend narzisstischen und egoistischen Gesellschaft immer weniger berücksichtigt.
Tatsächlich hat sich die Philosphie um eine ‚klare(re)‘ [präzisere] Sprache bemüht. Diese offenbarte aber auch ihre Grenzen.
Die ‚Postmoderne‘ (linguistic turn) hat da zum Teil gegengesteuert. Aber das ist ein weites Feld, wo ich mir selbst noch nicht völlig im klaren drüber bin.

‚Ästhetik‘ und ‚Liebe‘ 

Die grossen griechischen Philosophen der Antike glaubten, dass es so etwas gäbe, wie das ‚Schöne‘, ‚Wahre‘ und ‚Gute‚. Und auch die Klassik in der Literaturgeschichte  und die deutschen Idealisten standen in der Tradition der ‚grossen Griechen‘ (inwieweit da Marx reinpasst, wäre eine Spezialfrage, die ich ohne weitere Quellen nicht beantworten kann).  Ein Postmoderner würde darüber wohl eher verächtlich lachen. aber ich weiss gar nicht, ob die Postmodernen so viel zu lachen haben!?!

Wir leben in einer Welt, in welcher die Gesellschaften immer mehr fragmentieren und ‚individualisieren‘. Politische, kulturelle und weltanschauliche Orientierungen geraten immer mehr aus den Fugen und in eine Krise. Die Einzelnen fühlen sich einsam, verlassen, verängstigt und ohne (inneren) Halt[7]. Und suchen zum Ausgleich den Exzess der privaten Räusche und des Rückzugs, den sogenannten ‚Ego-Trip‘.

Wäre in so einer Welt die ‚grosse Erzählung‘ vom ‚Schönen, Wahren und Guten‘ denn wirklich das allerschlechteste?

Aber bitte nicht falsch verstehen! Mir geht es nicht um eine kritiklose Reaktivierung von Mythen. Den Stand der ‚Ich-Bildung‘ in modernen Gesellschaften kann man nicht zurückdrehen.

Mir geht es darum, moderne Ich-Rationalität mit ‚transrationaler Spiritualität‘ zu integrieren. Diese nicht als vermeintlichen Gegensatz zu sehen, sondern als Ergänzungsverhältnis auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen.

Dies klingt jetzt natürlich furchtbar abstrakt. Ich werde daher versuchen, diesen Gedanken an drei ‚Themenkomplexen‘ zu verdeutlichen. Ich fange mal mit dem ‚politischsten‘ Thema an: der Ökologie.

Wie ich bereits in meinem ‚reload‘ der ‚Feuerbachthesen‘ geschrieben habe:

Was wir brauchen, ist eine Auffassung, die den Menschen sowohl als Einzelnen (durchaus auch im Sinne des Isolierten, wobei diese Isoliertheit ihre Grenze an der Bestimmung des ‚Zoon politicon‘ hat) als auch als gesellschaftliches Wesen (an)erkennt und gleichzeitig die geistigen Bedürfnisse mit den materiellen in eine gesunde Balance bringt. Dieser Aspekt wäre auch für die Behandlung der ökologischen Frage von fundamentaler Bedeutung.

Was ich damit ‚konkret‘ meine, ist, dass ein Mensch, der ‚geistig ausgeglichen‘ ist, auch in seinen materiellen Bedürfnissen ausgeglichen ist. Gier und Verschwendung wären ihm fremd und würden ihm ‚falsch‘ vorkommen, auch ohne eine explizit ‚ökologische Ethik‘.

Das allein würde aber freilich nicht reichen. Neben der Gedanken der Nachhaltigkeit, der ja in einer nicht profitgesteuerten Wirtschaft auch durchaus rein ökonomisch Sinn macht, käme sicherlich auch noch als weltanschaulicher Überbau ein stärkeres Bewusstsein für die Notwendigkeit einer grösseren ‚Harmonie von Mensch und Natur‘ [grössere Verbundenheit über das Ego-Denken hinaus] dazu. Das muss nicht dazu führen, dass wir alle zu Gaia beten, aber eine Sensibilisierung für den Wert von naturreligiösem Denken (das ja auch häufig mit einer Betonung von ‚weiblichen‘ Werten verbunden ist, wie zum Beispiel die zyklischen Naturprozesse; im Gegensatz zu linearen Auffassungen) wäre sicherlich auch nicht das Schlechteste.

Der zweite Themenkomplex ist die Kunst. Ich glaube, dass ein Mensch, der anfängt, über seine ‚ästhetischen Erfahrungen‘ [8]nachzudenken, kritischer und selbstbewusster wird. Er wird sich nicht mehr so leicht von der ‚(ver)öffentlich(t)en Meinung‘ beeinflussen lassen (um nicht zu sagen: manipulieren lassen) und versuchen, seine eigenen Beurteilungsmaßstäbe zu schärfen (‚eigen‘ aber nicht im sinne von Ego, sondern über das Ego hinaus. ‚Höheren‘ Zielen verpflichtet [‚allgemeineren‘ nach dem kategorischen Imperativ von Kant; ‚dezentriert‘, transrational im Sinne der integralen Theorie].

Solche ’selbstbewussteren Individuen‘ werden auch gebraucht für die ‚emanzipative Transformation der Gesellschaft‘; – für alle, die wort ‚Revolution‘ für zu krude halten. 😉

Selbstbewusstsein aber nicht im Sinne des ‚Egoismus der [sozial] Erfolgreichen‘, sondern als Ergebnis und Effekt der geistigen und persönlichen Weiterentwicklung/Transformation. Das ist beileibe nicht das Gleiche!

Und das dritte Thema wäre die ‚Liebe‚, die ich in einem engen Bedeutungszusammhang mit der ‚Ästhetik‘ sehe.

Denn was ‚lieben‘ wir, wenn wir ‚lieben‘? Doch wohl die ‚Schönheit‘, oder? [9]

Nun will ich mich nicht auf die Diskussion einlassen, was ‚Schönheit‘ ist. Bei diesem Thema kann ich sehr gut damit leben, wenn jeder seine eigene ‚Definition‘ und seinen eigenen ‚Geschmack‘ hat. Aber DASS wir die ‚Schönheit‘ lieben, das scheint mir eine gesicherte Erkenntnis zu sein. (Auf die Frage, in welchem Verhältnis die ‚Hässlichkeit‘ zu Schönheit steht, will ich hier nicht eingehen. Für eine umfassende Diskussion des Begriffes ‚Schönheit‘ wäre das aber sicher erforderlich.)

So wie die Kunst führt uns die Liebe über unsere Ego-Grenzen hinaus und verleiht uns einen Sinn für die Transzendenz [über sich selbst hinauswachsen]. Ich persönlich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass Kunst, Liebe, Erkenntnis(prozess) und [gelungenes] Leben letztlich ein und dasselbe sind. [10]

Wenn ich für alles einen Oberbegriff finden sollte, würde mir nur einer einfallen: Erhabenheit.[11]

Um aber zum Schluss doch noch dem Ganzen einen ‚lebenspraktischen‘ Sinn zu geben (wenn es schon nicht ein Ratschlag ist 😉 ), würde ich gern noch ein Zitat bringen von jemanden, deren Name man in einem philosophischen Zusammenhang eher nicht erwarten würde: Marilyn Monroe.

„Alles passiert aus einem Grund. Menschen ändern sich, damit du lernst loszulassen. Dinge gehen schief, damit du zu schätzen weisst, wenn es gut läuft. Du glaubst einer Lüge, damit du lernst, nur dir selbst zu vertrauen und manchmal bricht etwas Gutes auseinander, damit etwas Schöneres zusammenkommen kann.“

 

[1] Vergleich dazu: (https://www.youtube.com/watch?v=YvKCJtFGjyE)

Vergleich auch die 2. Feuerbachthese: „Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme – ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage. In der Praxis muß der Mensch die Wahrheit, i.e. die Wirklichkeit und Macht, Diesseitigkeit seines Denkens beweisen. Der Streit über die Wirklichkeit oder Nichtwirklichkeit des Denkens –  das von der Praxis isoliert ist – ist eine rein scholastische Frage.“
Den Begriff ‚Praxis‘ (und aus meiner Sicht auch ‚Diesseitigkeit‘) sollte man allerdings in den Feuerbachthesen mit einer gewissen kritischen Skepsis geniessen. Hochinteressant ist hingegen der Hinweis auf die ‚Macht (des Denkens)‘. Hier deutet sich meines Erachtens etwas an, was heutzutage als ‚Diskurstheorie‘ (Michel Foucault) aus der Gesellschaftstheorie nicht mehr wegzudenken ist.

[2] „Wer niemals ganze Nachmittage lang mit glühenden Ohren und verstrubbeltem Haar über einem Buch saß und las und las und die Welt um sich her vergaß, nicht mehr merkte, dass er hungrig wurde oder fror –

Wer niemals heimlich im Schein einer Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen hat, weil der Vater oder die Mutter oder sonst irgendeine Person einem das Licht ausknipste mit der gutgemeinten Begündung, man müsse jetzt schlafen, da man doch morgen so früh aus den Federn sollte –

Wer niemals offen oder im Geheimen bitterliche Tränen vergossen hat, weil einer wunderbare Geschichte zu Ende ging und man Abschied nehmen musste von den Gestalten, mit denen man gemeinsam so viele Abenteuer erlebt hatte, die man liebte und bewunderte, um die man gebangt und für die man gehofft hatte, und ohne deren Gesellschaft einem das Leben leer und sinnlos schien –

Wer nichts von alledem aus eigener Erfahrung kennt, nun, der wird wahrscheinlich nicht begreifen können, was Bastian jetzt tat.“ (Michael Ende, Die unendliche Geschichte)

[3] „Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles was entsteht; Ist wert, daß es zugrunde geht; Drum besser wärs wenn nichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, Mein eigentliches Element.
[Ich bin] ein Teil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ (Goethe, Faust)

[4] Zum ‚linguistic turn‘ siehe: (https://www.youtube.com/watch?v=u_zDXOGbRe4)

[5] Ich stütze mich hier explizit auf die ‚integrale Theorie‘ der ‚Bewusstseinsevolution‘ nach Ken Wilber („kurze Geschichte des Kosmos“, „Eros Kosmos Logos“). [mit dem Modell der ‚spiral dynamics‚ habe ich mich nicht beschäftigt und habe dazu auch keine ‚Position‘.]

[6] Nach dem ‚Eisberg-Modell‘ findet ca 80% der Kommunikation auf der ‚emotionalen‘ Ebene statt!

[7] „Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Verhältnisse, die man nicht besser schildern kann als durch den Ausruf eines Franzosen bei einer projektierten Hundesteuer: Arme Hunde! Man will euch wie Menschen behandeln! (Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung)

Vergleich auch aus den ‚Manuskripten‚: „Man sieht, wie Subjektivismus und Objektivismus, Spiritualismus und Materialismus, Tätigkeit und Leiden erst im gesellschaftlichen Zustand ihren Gegensatz und damit ihr Dasein als solche Gegensätze verlieren; (man sieht, wie die Lösung der theoretischen Gegensätze selbst nur auf eine praktische Art, nur durch die praktische Energie des Menschen möglich ist und ihre Lösung daher keineswegs nur eine Aufgabe der Erkenntnis, sondern eine wirkliche Lebensaufgabe ist, welche die Philosophie nicht lösen konnte, eben weil sie dieselbe als nur theoretische Aufgabe faßte.“

[8] Der Begriff ‚ästhetische Erfahrung‘ ist schon viel zu elaboriert. Die meisten werden sich Gedanken machen über ‚Schönheit‘ und ‚Hässlichkeit‘ und was macht eigentlich ein ‚Kunstwerk‘ aus. Und erst wenn sie das Urteilen in gesellschaftlichen Konventionen in Frage stellen, wird eine ernsthaftere (und vor allem persönlich gewinnbringende) Auseinandersetzung mit der Kunst möglich sein.

[9] „Die Schönheit ermuntert die Seele zum Handeln.“ (Dante) [Das ‚Zitat‘ habe ich nicht geprüft. Es könnte auch ’nur‘ ein Filmzitat sein. Was aber an der inhaltlichen Aussage nichts ändert.]

[10] „Liebe ist einfach nur der Name für die Sehnsucht und dem Verlangen nach dem Ganzen.“ (Platon)

[11] “ Friedrich Schiller schließt an Kant an und unterscheidet das Erhabene (Sublime) vom Schönen dadurch, dass letzteres innerhalb der menschlichen Natur Ausdruck der Freiheit sei; das im Gegensatz dazu von der sinnlichen, berührbaren Welt unabhängige Erhabene erhebe ihn über seine Natur. Das Schöne binde uns an die sinnliche Welt, das Erhabene hingegen befreie uns davon. Schiller zufolge besteht das Erhabene „einerseits aus dem Gefühl unserer Ohnmacht und Begrenzung, einen Gegenstand zu umfassen, anderseits aus dem Gefühle unserer Übermacht, welche vor keinen Grenzen erschrickt und dasjenige sich geistig unterwirft, dem unsere sinnlichen Kräfte unterliegen“. Beim Erhabenen fühlen wir uns frei, „weil die sinnlichen Triebe auf die Gesetzgebung der Vernunft keinen Einfluss haben, weil der Geist hier handelt, als ob er unter keinen anderen als seinen eigenen Gesetzen stünde“. Das Erhabene „verschafft uns einen Ausgang aus der sinnlichen Welt“ und sei gleichzeitig „ein gemischtes Gefühl. Es ist eine Zusammensetzung von Wehsein… und von Frohsein…“ – Beim Erhabenen „stimmen Vernunft und Sinnlichkeit nicht zusammen, und eben in diesem Widerspruch zwischen beiden liegt der Zauber, womit es unser Gemüth ergreift“:

Der erhabene Gegenstand ist von doppelter Art. Wir beziehen ihn entweder auf unsere Fassungskraft und erliegen bei dem Versuch, uns ein Bild oder einen Begriff von ihm zu bilden; oder wir beziehen ihn auf unsere Lebenskraft und betrachten ihn als eine Macht, gegen welche die unsrige in Nichts verschwindet. Aber ob wir gleich in dem einen wie in dem anderen Fall durch seine Veranlassung das peinliche Gefühl unserer Grenzen erhalten, so fliehen wir ihn doch nicht, sondern werden vielmehr mit unwiderstehlicher Gewalt von ihm angezogen. Würde dieses wohl möglich sein, wenn die Grenzen unsrer Phantasie zugleich die Grenzen unsrer Fassungskraft wären?“ (Wikipedia)

Allerdings teile ich die strenge Trennung von ‚Sinnlichkeit‘ und ‚Erhabenheit‘ [geistige Freiheit, auch von der ‚Natur‘. Wo doch der Mensch selbst Teil der Natur immer AUCH bleibt] bei Schiller nicht. Ich denke vielmehr, dass Sinnlichkeit und Erhabenheit so eine Art Fliessgleichgewicht oder ‚gesunde‘ Balance zwischen ‚Erdung‘ und ‚Transzendenz‘ ‚herstellen‘ sollen.

 

 

 

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4 Kommentare zu “Über Ästhetik, Liebe und Erkenntnis(grenzen)

  1. „Wer Scully kennt, entscheidet sich eher dafür, im Bereich Naturwissenschaft und Technik zu arbeiten. 63 Prozent der Frauen, die in diesem Bereich tätig sind, sagen gar, dass Scully ihr Vorbild sei. Genauso viele gaben an, dass Scully sie darin bestärkt habe, in einer männlich dominierten Arbeitswelt zu bestehen.
    Warum das wichtig ist? Weil es zeigt, dass Medien, dass fiktive Charaktere Wahrnehmung bilden und verändern. Was Mädchen nicht sehen, können sich viele von ihnen auch nicht vorstellen. „If she can see it, she can be it“, sagt das Geena Davis Institute. Dana Scully scheint solch eine Wahrnehmungserweiterin gewesen zu sein: Was die kann, kann ich auch. Was die mag, mag ich auch.“
    https://www.taz.de/Frauen-in-Naturwissenschaften/!5501596/

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