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Braucht Evolution einen ‚Schöpfer‘?

Buchbesprechung: „Origin“ von Dan Brown [2017]

Origin - Dan Brown

Als ich das Buch in meiner Stammtankstelle stehen sah (da frühstücke ich immer), wollte ich es erst gar nicht kaufen. ich dachte mir, so viel neues kann sich selbst ein Schriftsteller vom range eines Dan Brown nicht ausdenken. ich muss aber nach dem lesen sagen, ich bin froh, dass ich es doch gekauft habe. zwar kommt der roman meines erachtens niemals an die brillanz vom „DaVinci Code“ ran (das war aber auch nicht meine Erwartungshaltung), aber es ist a) ein tierisch spannender page-turner und b) werden zwei nicht geringere fragen als ‚woher kommen wir?‘ und ‚wohin gehen wir?‘ diskutiert. und das sind ja immerhin keine Kleinigkeiten. 😉

interessanterweise ist in dieser geschichte nicht Professor Langdon der eigentliche ‚Held‘, sondern ein Futurologe und Computerwissenschaftler namens Edmond Kirsch. Kirsch hat aufgrund traumatischer kindheitserlebnisse einen hass auf die religionen und will diese durch die wissenschaft ersetzen. er baut einen supercomputer, mit dem er ‚beweisen‘ kann, dass sich leben notwendig aus den naturgesetzen heraus entwickeln muss; und aufgrund von modellberechnungen mit diesem computer kommt er zu dem ergebnis, dass sich die spezies ‚mensch‘ immer mehr mit der technik verbindet und dadurch der homo technicus (ein neues Reich des Lebens) entsteht.

nun wäre Dan Brown nicht Dan Brown, wenn er einfach die wissenschaft über die religionen ’siegen‘ lassen würde. letztlich setzt er die wissenschaft und die religion(en) als ergänzende bereiche der menschlichen erkenntnisfähigkeit. aber das wissen wir bereits aus seinen vorherigen romanen, zumindest aber aus dem „Da Vinci Code“. aus „Origin“ ergibt sich aber eine andere diskussion, nämlich die frage nach einer ‚Ethik der Automatisierung‘.

diese diskussion enthält aber so viele aspekte — von der ökologie bis zur medizin und gentechnik –,  dass dies den rahmen einer bescheidenen buchbesprechung doch arg strapazieren würde. aber soviel möchte ich sagen: die automatisierung kann nur im zusammenhang mit der frage diskutiert werden, inwieweit sie der ‚menschlichen Sinnsetzung‚ dienlich ist. das umstrittene ‚diskursive‘ feld ist dann ’nur‘ noch die frage, worin denn die ‚menschliche Sinnsetzung‘ besteht. 😉

Dan Brown bringt sogar ein kapitalismuskritisches element in die geschichte, wenn er Langdon denken lässt: „Kapitalismus ist nicht konfessionsgebunden.“ (S.645)

für mich ergibt sich daraus mit zwingender Logik die frage, ob Kapitalismus und ethische Verantwortlichkeit (zumindest, wenn man Nachhaltigkeit als zentralen ‚Wert‘ ansieht) sich nicht nicht in letzter instanz ausschliessen. ich würde diese frage jedenfalls bejahen.

Kein automatischer Alternativtext verfügbar.

 

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