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Das ‚linksunten‘-Verbot ist ein Angriff auf die Freiheit des Geistes

„Ungehorsam ist für jeden Geschichtskundigen die eigentliche Tugend des Menschen. Durch Ungehorsam entstand der Fortschritt, durch Ungehorsam und Aufsässigkeit.“ — Oscar Wilde, Der Sozialismus und die Seele des Menschen

Bild könnte enthalten: 1 Person, sitzt, Text „Was uns als eine schwere Prüfung erscheint, erweist sich oft als Segen. (Oscar Wilde) gutezitate.com“

Peter Nowak, DGS und meine Wenigkeit haben für das Lower Class Magazine ein ‚Selbstinterview‘ geschrieben (wird hoffentlich in den nächsten Tagen erscheinen). Leider ist im Zuge unserer Redigierung des Textes ein Satz den Kürzungen zum Opfer gefallen, der mir sehr wichtig ist, da es darin um den Umgang mit Texten als ‚historische Tatsachen’*) geht, der meines Erachtens die zentrale Argumention gegen das Verbot von linksunten begründet:

Tatsächlich muss man sich die Frage stellen, ob in der Veröffentlichung (und damit auch Dokumentation) von Texten überhaupt ein irgendwie geartetes „Gefährdungspotential“ entdeckt werden kann (was die Notwendigkeit einer redaktionellen Moderation natürlich nicht ausschließt). Auch die mainstream-Medien haben Quellen von linksunten verwendet und die Sicherheitsbehörden bedauern sicherlich schon, dass sie linksunten nicht weiter zu Informationszwecken benutzen können.

Eine Freiheit der [gesellschaftswisschenschaftlichen] Forschung ist schlichtweg ohne Dokumentation von und Zugriffsmöglichkeit auf historische(n) Texte(n) nicht möglich. Und ein Text ist spätestens in dem Augenblick eine ‚historische Tatsache‘, wenn er an das Licht der Öffentlichkeit gelangt.

*) Was die Herausgeber getan haben, ist eines, und was sie gewollt haben, ist ein anderes, soweit es von dem, was sie getan haben, abweicht. Was sie getan haben, ist dies: Sie haben Texte verbreitet, die man unzweifelhaft verbreiten darf, weil sie selbst geschichtliche Tatsachen sind – die in diesem Land wenig genug gekannte Geschichte unterliegt nach der Rechtsordnung dieses Landes vorerst noch nicht strafrechtlich bewehrten Geheimhaltungspflichten.“ (Helmut Ridder, In Sachen „Mescalero“, 1978, zit. nach: Wir bekennen)

2 Kommentare zu “Das ‚linksunten‘-Verbot ist ein Angriff auf die Freiheit des Geistes

  1. „Kann das Verbot von linksunten nicht erfolgreich abgewendet werden verliert die linke Szene nicht nur eine wichtige Informations- und Austauschmöglichkeit endgültig, sondern der Staat gewinnt eine Möglichkeit unliebsame politische Gegner auf Basis von – auch im Verfahren – geheimen Verfassungsschutzinformationen in ein Vereinskorsett zu zwängen und mit dem scharfen Schwert des Vereinsgesetzes zu verbieten. Um einen Verein zu sein, braucht es nur mehr als zwei Personen, die einen gemeinsamen Zweck verfolgen: Verbotene Vereine können so auch das nächste Demo-Bündnis oder ein linksradikales Hausprojekt sein.“

    https://de.indymedia.org/node/21948

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