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Die Grenzen der programmatischen Homogenität

wie ich kürzlich bei facebook erfahren habe, hat sich die internationale bolschewistische tendenz (IBT) gespalten.

ich habe selbst eine (überwiegend sympathisierende) verbindung sowohl zur alten spartacist-tendenz als auch zur vorgeschichte der IBT. ich weiss daher, wie schnell auch nur geringste theoretische und methodische unterschiede in kleinen gruppen, die sich im wesentlichen über ihr ‚programm‘ definieren, zu ernsthaften krisen führen können. aber sich zu spalten wegen unterschiedlicher einschätzungen des charakters des heutigen russland, das grenzt, mit verlaub, an wahnsinn. wenn das eine russische IBT-gruppe machen würde, – ok, das könnte ich noch verstehen; aber die IBT hat keine russsiche gruppe!

dies ist einer der gründe, warum ich mich schon seit längerer zeit vom ‚trotzkismus‘ als organisatorischem mythos distanziere.

trotz unbestreitbarer verdienste für die aufrechterhaltung der marxistischen theorie, ist die neigung, bei geringsten programmatischen differenzen, sich zu spalten, einfach tödlich. sowohl, was die glaubwürdigkeit betrifft, als auch, was die elementaren notwendigkeiten der politischen arbeit betrifft.

leider reichen meine englischkenntnisse bei weitem nicht aus, um zum konflikt selber was zu sagen. ich habe nicht die geringste ahnung, ob russland ‚imperialistisch‘ oder ein ’schwellenland‘ darstellt. aber was wären denn die konsequenzen dieser unterschiedlichen einschätzungen?

das grundaxiom des ‚revolutionären internationalismus‘ ist die linie ‚der hauptfeind steht im eigenen land‘. dabei spielt es keine rolle, welchen entwicklungsstatus ein land hat. dies bekommt erst dann eine bedeutung, wenn es um taktische fragen (z. b. und aktionseinheiten und ‚militärische blöcke‘) geht. wenn ich das richtig verstehe, meinen die abgespaltenen (die jetzt übrigens ‚Bolschewistische Tendenz‘ heisssen, so wie die nordamerikanische ursprungsgruppe der IBT; manchmal kann man es auch mit dem traditionsbewusstsein etwas übertreiben;) ), dass die einschätzung russlands als ‚imperialistisch‘ zu einer schwächung der oppposition gegen den US-imperialismus führen könnte.

aber seit wann fürchten sich ‚marxisten‘ denn vor der ‚wahrheit‘? wenn russland einen ‚imperialistischen‘ charakter hat, dann muss man das auch sagen. aber deshalb weichen doch us-amerikanische ‚revolutionäre‘ nicht einen millimeter davon ab, dass der ‚hauptfeind im eigenen land steht‘.

dies scheint mir aber mehr die nordamerikanische seite der angelegenheit zu betreffen. für europa und deutschland ist diese frage aber auch nicht ganz uninteressant. man denke nur an die ‚friedensbewegung‘, die Linkspartei und jetzt ‚aufstehen‘. mit einer etwas weniger ‚russlandkritischen‘ haltung könnte man in diesen milieus bestimmt besser punkten, als wenn man russland als ‚imperialistisch‘ tituliert.

aber wie gesagt, inhaltlich* kann ich (im moment) zu diesem konflikt nichts sagen. mich beschleicht aber das starke gefühl, dass die abgespaltenen eher ‚opportunistische‘ (pro ‚dritter-welt-nationalismus‘) als ‚revolutionäre‘ motive für ihren schritt geltend machen können. (*ich werde versuchen, die texte zu ‚übersetzen‘, das wird aber einige zeit in anspruch nehmen. falls genossInnen mit mehr englischkapazitäten mir da unter die arme greifen könnten, hätte ich nichts dagegen;) )

der ‚trotzkismus‘ muss weiterentwickelt werden durch den (integralen) marxismus in der tradition Lenins, Trotzkis, Luxemburgs und Gramscis, der statt dogmatismus und (falscher) orthodoxie auf permanente lernfähigkeit setzt. oder etwas paradoxer gesagt: wahre orthodoxie besteht darin, unorthodox zu sein;), ohne prinzipienlos zu werden. – vlt können die vielen splitter und splitter von splittern dabei sogar helfen. das wäre zu hoffen.

aber eines lässt sich mit sicherheit festhalten: ein gewisses mass programmatischer diversität muss eine gruppe aushalten können. ansonsten kann man sich gleich jeden versuch politischer organisierung von der backe schmieren. die spreu wird sich sowieso irgendwann vom weizen trennen, auch ohne dass man zu jedem furz der weltgeschichte gleich das ‚korrekte revolutionäre programm‘ aus der tasche ziehen kann (wobei die einschätzung russlands natürlich kein ‚furz‘ ist;) ). denn das kann nämlich keiner. es ist aber auch nicht falsch, ein höchstmass programmatischer homogenität und klarheit anzustreben; aber das geht nur mit einer gesunden innerorganisatorischen demokratie. ich glaube, es war Robertson höchstselbst, der da sagte: die regimefrage ist eine programmfrage.

wo er recht hat, hat er recht.;)

 

26 Kommentare zu “Die Grenzen der programmatischen Homogenität

  1. im text der BT wird hervorgehoben, dass die debatten zwischen IMPS und NIMPS sehr ‚kameradschaftlich‘ waren. an der ‚regimefrage‘ kann die spaltung daher nicht gelegen haben. die ‚logik der unterschiedlichen positionen‘ MUSS wohl die spaltung erzwungen haben.
    der inhaltliche umfang der debatte ist sehr komplex, zu komplex, als dass ich sie nachvollziehen kann. ich muss wohl daher auf deutsche übersetzungen warten. 😉

    statement der IBT

  2. interessant könnte auch noch werden, ob sich IMP/NIMP-kontroverse auch auf die frage der EU auswirkt. eine gewisse weichheit gegenüber dem anti-EU-nationalismus wäre in diesem milieu nichts neues. und auch die nationalistische forderung ‚deutschland raus aus der nato‘ hat es schon im ‚linkstrotzkistischen‘ spektrum gegeben.

  3. @ „dies bekommt erst dann eine bedeutung, wenn es um taktische fragen (z. b. und aktionseinheiten und ‚militärische blöcke‘) geht.“

    Mir scheint unterhalb der begrifflich-definitorischen und analytischen Fragen geht es auf taktischer Ebene in der deren Kontroverse v.a. um folgende Punkte:

    1.

    „On 3 March, Riley replied to a query from Dorn regarding the Nimp attitude toward a possible military conflict: ‚If there is a civil war in Ukraine between two qualitatively similar bourgeois opponents we would not have a side,’ but in the event of a move ‚to forcibly seize the Russian base and assert Ukrainian nationalist/Nazi western imperialist government control’ we would ‚side militarily with Crimean resistance and any Russian troops to repel the invaders.’ Two days later (5 March 2014) Dorn, Decker and Logan presented a draft statement on Ukrainian events which included the following: ‚We demand the immediate expulsion of Russian forces from the territory of Ukraine (including its naval base at Sebastopol), and of any Western forces or ‘observers’ that may intervene militarily.’ Russia’s expulsion from its chief naval base on the Black Sea would have represented a major strategic setback for the Kremlin and a huge gain for U.S. imperialism, because the rightist regime in Kiev would have immedi-ately handed the facility over to NATO. The Imps and Nimps disagreed about whether the population of the Crimea had a right to leave Ukraine and rejoin Russia. There were also significant differences over Russia’s intervention in Syria. The substantial articles published in 1917 on these questions, (‚Ukraine, Russia & the Struggle for Eurasia’ [No. 37] and ‚Middle East Chaos’ [No. 38]) represent the Nimp position.“

    2.

    „When the Egyptian military, with considerable popular support from the urban population, deposed Mohamed Morsi’s elected Muslim Brotherhood government in 2013 the IBT leadership agreed (with the notable exceptions of comrades Mikl and Decker) to a position of defeatism on both sides. Some leading comrades accepted this with reservations, but no motion was passed, nor was the position formally documented.
    Three years later, when a section of the Turkish military attempted to oust Erdogan, this issue resur-faced. In light of the attempted coup in Turkey several comrades who had gone along with a dual defeatist position in 2013 changed their minds. On 5 August 2016, a few weeks after the attempted coup, Decker posed the issue in these terms:
    ‚The more important question is whether or not the pre-coup regime fell into the category of bourgeois democracy (i.e., permitted space for open working-class political activity). If it did, then we had a duty to intervene to defeat the forces that were attempting to replace it with a military dictatorship, and our intervention would have included shooting in the same direction as Erdogan’s forces and not, at that moment, at those forces.’
    Riley responded the same day: ‚The mullahs [in Iran in 1979] posed as the agents of liberation and issued a lot of vague promises of increased freedom and respect for workers rights etc. Much of the left latched on to that while the iSt pointed to the reactionary core of the Islamic Republic project. For a short period there was indeed a lot more freedom under the mullahs than there had been under the Shah – roughly as long as it took for the Islamic state to get properly organized. The intent of Morsi to operate a dictatorship of the pious against the ungodly was unmistakeable. Likewise Erdogan.’”

    (beides auf S. 6 des Dokuments der Ausgetretenen:

    https://de.scribd.com/document/391491284/Statement-on-Resuming-Independent-Existence-as-the-BT)

    • ja, danke für die zitate. das sind so die ‚taktische‘ fragen, mit den sich sich eine gruppe mit ein paar dutzend mitgliedern (international!!) herumschlägt. und diese haben sich jetzt gespalten, damit die ‚taktischen‘ debatten noch surrealer werden 😉

    • aber wenn ich das richtig verstehe, wird ja eigentlich nur auf die schwäche der russischen wirtschaft hingewiesen. aber eine schwäche sagt ja nichts darüber aus, ob russland nun ‚imperialistisch‘ ist oder nicht. deutschland ist auch schwächer als die USA und ist trotzdem imperialistisch 😉

      • Das klarste Argument scheint mir dieses zu sein: Rußland verkaufe Öl und Gas an seine Nachbarstaaten unterhalb des Weltmarktpreises.

        „Indeed in recent years Russia, despite a near-monopoly position as an energy supplier in neighboring former Soviet republics, has provided subsidies rather than pursuing superprofits.“

        Dazu zitieren sie in ihrer Austritts-Erklärung außerdem eine Quelle wie folgt:

        „To put it another way, if Russia charged CIS countries [Commonwealth of Independent States (i.e., Armenia, Azerbaijan, Belarus, Kazakhstan, Kyrgyzstan, Moldova, Tajikistan, Uzbekistan and Ukraine)] the same price as the rest of the world in 2010 for crude, it would have made an additional $3.891 billion in revenue from exports.“

        Ob das „Imperialismus“ (i.S.d. der leninischen oder einer besseren) Imperialismus-Definition ausschließt, wäre die nächste Frage, die zu diskutieren wäre.

      • Außerdem beziehen sie sich anscheinend auf die Bedeutung, die das „Finanzkapital“ für Lenins und Hilferdings Imperialismus-Definition hat und auf die eine Studie einer Consulting-Firma:

        „But the Global Financial Center Index, published in March by Z/Yen, a consulting agency, placed Moscow 65th out of 79 cities studied. London was first, followed by New York and Hong Kong. The ranking placed Moscow between Bahrain and Mumbai.”

        Wird dagegen schon der Begriff „Finanzkapital“ für schlecht gebildet gehalten (s. z.B. die Kritik von Guenther Sandleben“: http://www.guenther-sandleben.de/mediapool/57/574173/data/Sandleben_Hilferding.pdf), mag sich auch die Bedeutung dieses Rankings relativieren.

      • @ „aber eine schwäche sagt ja nichts darüber aus, ob russland nun ‚imperialistisch‘ ist oder nicht. deutschland ist auch schwächer als die USA und ist trotzdem imperialistisch“

        Mmh – kommt vielleicht auf das Ausmaß des Stärke-Unterschiedes und dessen Verhältnis zur Bevölkerungszahl an. Jedenfalls scheint mir Folgendes nicht ganz unbedeutend zu sein:

        „Yet, with few exceptions, Russian products are not competitive on the world market and the corrupt, parvenu Russian bourgeoisie shows no sign of being able to narrow the gap separating it from its more advanced capitalist rivals.“

        „The Russian economy is integrated into the world market and overwhelmingly dependent on resource extraction. Despite repeated exhortations from the Kremlin to diversify production, Russia’s economy remains centered on the export of fossil fuels.“

        Vor allem Rohstoffe zu exportieren, scheint mir zumindest nicht typisch für Länder zu sein, die von MarxistInnen „imperialistisch“ genannt werden…

    • Deren Position zur Frage eines heutigen ‚russischen Imperialismus‘ ist:

      „Buoyed by rising oil prices in the 2000s, Russia’s capitalist oligarchy under Vladimir Putin’s regime consolidated a strong independent state and managed to stabilize Russian capitalism, which suffered from open plunder, disintegration and massive capital flight in the 1990s.

      Ob allein schon diese ‚Stabilisierung‘ gegenüber den 90ern „Imperialismus“ ausmacht?

      „Comparatively weak in technology outside of military industries, heavily reliant on natural resources and possessed of an underdeveloped banking sector, Russian capitalism nevertheless developed highly oligopolistic giant corporations, fusing industrial and financial activities, with innumerable connections to the state.“

      „highly oligopolistic giant corporations, fusing industrial and financial activities, with innumerable connections to the state“ – reicht das, um (im Sinne von welcher Definition auch immer) von „Imperialismus“ zu sprechen?

      „These corporations, beginning in Russia’s neocolonial ’near abroad,‘ have made enormous overseas investments.“

      Beleg? Zahlen – verglichen mit schwachen, aber dennoch ‚eindeutig‘ / unstrittig „imperialistischen“ Staaten einerseits und relativ starken, aber dennoch ‚eindeutig‘ / unstrittig peripheren bzw. neo-kolonial abhängigen Staaten andererseits?

  4. @TaP – ich habe echt keine ahnung, ob russland ‚imperialistisch‘ ist oder nicht. du hattest ja sogar mal vor ein paar jahren den wert des ‚imperialismus‘-begriffes gänzlich in frage gestellt. ich sehe auch nicht, welche politisch-programmatischen implikationen das hätte, wenn russland nicht ‚imperialistisch‘ wäre (sondern von mir aus ein ’schwellenland‘). würde das irgendetwas an der haltung von ‚revolutionären‘ gegenüber der politik Moskaus ändern? – ich wüsste nicht, inwiefern.

    • du hattest ja sogar mal vor ein paar jahren den wert des ‚imperialismus‘-begriffes gänzlich in frage gestellt.

      Eher Lenins These von einer monopolistischen und einer Konkurrenz-Phase des Kapitalismus; und das nun schon seit 100 Jahren beschworene „höchste“ (= letzte) Stadium des Kapitalismus; die These von einer ‚Fäulnis‘ der Produktivkräfte –

      als die Existenz einer imperialistischen Tendenz in der kapitalistischen Produktionsweise und eines Unterschiedes zwischen imperialistischen Zentren und Peripherie.

      ich sehe auch nicht, welche politisch-programmatischen implikationen das hätte, wenn russland nicht ‚imperialistisch‘ wäre (sondern von mir aus ein ’schwellenland‘).

      Ich hatte 2014 – anders die jetzt in IBT verbliebenen GenossInnen (damals die Minderheit in der IBT) – nicht gefordert (und fordere auch jetzt nicht): „the immediate expulsion of Russian forces from the territory of Ukraine (including its naval base at Sebastopol)“.

      Keine Ahnung, ob es stimmig wäre, Rußland „imperialistisch“ zu nennen, aber diese Forderung (trotzdem) nicht aufzustellen.

      • „Keine Ahnung, ob es stimmig wäre, Rußland „imperialistisch“ zu nennen, aber diese Forderung (trotzdem) nicht aufzustellen.“

        vermutlich NEIN !

        aber ist denn eine besatzung (annexion) durch ein kapitalistisches ’schwellenland‘ ‚besser‘?

  5. @ „ist denn eine besatzung (annexion) durch ein kapitalistisches ’schwellenland‘ ‚besser‘?“

    So reibungslos – d.h.: mit Zustimmung oder wenigstens Indifferenz sehr großer Teile der dortigen Bevölkerung und nur wenig Ablehnung – würde ich die (Wieder)angliederung der Krim an Rußland nicht „Besatzung“ nennen.

    • also, wie immer: ‚Recht‘ ist eine Frage der Macht und der Kräfteverhältnisse. sehr leninistisch – und die ‚moral‘ und ‚ethik‘ bleibt wie immer auf der strecke. aber so ist das eben, wenn man realist sein will; aber vlt ist ja schon an der ‚realität‘ irgendwas grundlegend ‚falsch‘ 😉

  6. bei wikipedia liesst sich die ‚krimkrise‘ nicht ganz so ‚reibungslos‘:

    „Am 25. Februar kam es zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen proukrainisch eingestellten Krimtataren und prorussischen Demonstranten vor dem Parlamentsgebäude in Simferopol, in dem, nach Medienberichten, das Parlament bereits über den Verbleib der Autonomen Republik Krim in der Ukraine entscheiden wollte.[10][11]

    Am 27. Februar wurde erstmals direkt über den Einsatz der auf der Krim stationierten russischen Truppen berichtet;[12][13] das Militär besetzte strategisch wichtige Gebäude und Einrichtungen.[14][15][16]

    In den folgenden Tagen kam es unter Ausschluss der Öffentlichkeit und unter Abschirmung durch diese Truppen zu einem Machtwechsel in der Regierung der Autonomen Republik Krim. Zusammen mit Russland bestritt die neue, selbst nicht demokratisch legitimierte Regierung der Krim[17] die Legitimität der Übergangsregierung der Ukraine.[18][19]

    Am 6. März sprach sich das Parlament für einen Anschluss an Russland aus.

    Am 16. März wurde eilig ein nach ukrainischem Recht illegales Referendum über den Status der Krim abgehalten.[1][20] Nach den veröffentlichten Resultaten sprachen sich 96,77 Prozent der Teilnehmer für einen Beitritt der Krim zur Russischen Föderation aus, die Wahlbeteiligung habe bei 83,1 Prozent gelegen.[21] Der russische Menschenrechtsrat bestätigte nach Gesprächen mit Journalisten, Menschenrechtsaktivisten, Anwälten und anderen Bewohnern der Krim im April 2014, dass diese offiziellen Ergebnisse nicht stimmen und die tatsächliche Wahlbeteiligung in der Stadt Sewastopol nur 30–50 % mit einer Zustimmungsquote von 50–60 % betrug.[22]

    Am 17. März stellte die Republik Krim einen Beitrittsantrag an die Russische Föderation.

    Am 18. März wurde, im Anschluss an eine Ansprache Putins, im Kreml der Vertrag über den Beitritt der Krim sowie der Stadt Sewastopol als 84. bzw. 85. Föderationssubjekt in den russischen Staatsverband unterzeichnet.[23]

    Am 21. März 2014 wurde dieser Vertrag durch den russischen Föderationsrat ratifiziert. Seither sieht die Russische Föderation die Republik Krim und Sewastopol als Teil Russlands an.[24] Die Ukraine erkennt dies nicht an, sondern betrachtet die gesamte Krim weiterhin als ukrainisches Staatsgebiet.

    Russland, das in UNO und Sicherheitsrat weitgehend isoliert war, hatte mit seinem Veto zwar einen UNO-Sicherheitsrats-Beschluss verhindert, der die internationale Gemeinschaft verpflichtet hätte, das Resultat des durchgeführten Referendums nicht anzuerkennen. Der Grundsatz gilt indes auch ohne Beschluss: Der Anschluss, die Annexion der Krim kann nach völkerrechtlich geltenden Regeln nicht anerkannt werden.[1] Die UN-Vollversammlung erklärte das Referendum und die Sezession der Krim mit der Resolution 68/262 für ungültig. Die Entscheidung wurde mit einer Mehrheit von 100 Stimmen gegen 11 Gegenstimmen bei 58 Enthaltungen getroffen.[25][26]

    Nach UN-Angaben wurden von Beginn der Krimkrise bis Mai 2014 10.000 Menschen vertrieben. Die Vertriebenen sind hauptsächlich Krimtataren, Ukrainer und Russen.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Krimkrise

    • Also war doch die einzige (krim-interne) ‚Reibung‘ die Demo von Krimtararen am 25. Feb.; der IBT-Text von 2015 zitierte den Guardian mit den Worten:

      „According to [Ihor] Tenyukh [a Svoboda member who was then minister of defense], about 6,500 Ukrainian soldiers and their family members are leaving Crimea – about a third of the 18,000-strong Ukrainian military force based there. The other two-thirds plus dependents had opted to stay on the peninsula, which the Russian Federation annexed last week.“

      Wenn selbst 2/3 der ukrainischen Armeeangehörigen vorzogen, auf der Krim auch unter russischer Herrschaft zu bleiben, kann es doch nicht allzu viel Reibungen gegeben haben.

      Lt. Wikipedia sind 60 % der EinwohnerInnen der Krim russisch; noch höher ist der Anteil russischen MuttersprachlerInnen:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Krim#Bev%C3%B6lkerung

  7. vlt kann ja die (imp) IBT jetzt mit marx 21 fusionieren 😉

    „Bei den Kriegsvorbereitungen gegen Russland übernimmt Marx 21 die Rolle des ideologischen Einpeitschers. Wie die Bundesregierung und die Nato beschuldigt sie Russland, die entscheidende Verantwortung für die Krise zu tragen. Sie bezeichnet das Putin-Regime als „imperialistisch“. Volkhard Mosler, einer der führenden Vertreter der Tendenz und Wisslers theoretischer Ziehvater, schrieb jüngst, die „Besetzung der Ukraine durch russische Truppen“ sei ein „dreister und zynischer Akt des russischen Imperialismus“.

    Die rechte Politik von Marx 21 ergibt sich direkt aus der Geschichte der Tendenz. Marx 21 steht in der Tradition der von Tony Cliff gegründeten International Socialist Tendency (IST), die vor mehr als sechzig Jahren ihre Feindschaft gegen die Vierte Internationale und den Trotzkismus erklärte. Damals bezeichnete sie die Sowjetunion als „staatskapitalistisch“ und weigerte sich, sie im Falle eines Angriffs der imperialistischen Mächte zu verteidigen.

    Seitdem sind die Staatskapitalisten und die wohlhabenden Mittelschichten, für die sie sprechen, immer weiter nach rechts gegangen. Heute spielen sie eine Schlüsselrolle bei den Angriffen auf die Arbeiterklasse und der Vorbereitung eines imperialistischen Kriegs gegen Russland.

    Wisslers Wahl mit großer Mehrheit zur stellvertretenden Parteivorsitzenden muss für Arbeiter eine Warnung sein. Die Linkspartei unterstreicht damit, dass sie geschlossen hinter dem eingeschlagenen Kriegskurs steht und bereit ist, ihn gegen den Widerstand der Bevölkerung durchzusetzen.“

    https://www.wsws.org/de/articles/2014/05/20/wiss-m20.html

  8. @ „ab wieviel prozent ablehnung oder zustimmung darf man denn eine annexion eine annexion nennen?“ (ich denke da auch z. b. an die katalonien-frage 😉 )

    Mir scheint:

    ++ Die Zustimmung auf der Krim für den Anschluß an Rußland war vielleicht nicht viel höher als die Zustimmung zu einer Lostrennung Kataloniens.

    ++ Aber die entschlossene Ablehnung deutlich geringer und die Indifferenz deutlich höher.

    Hinzukommt:

    ++ Die russischsprachige Bevölkerung in der Ukraine fühlte sich sicherlich mehr zurecht vom rechten Flügel des ukrainischen Nationalismus nach dem Umsturz 2014 bedroht als katalanische Bevölkerung vom spanischen Zentralstaat seit 1976.

    • aber wenn deine argumentation richtig ist, dann würde es doch genügen, auf den ‚demokratischen willen‘ der Krim-bevölkerung zu verweisen, und die frage nach dem sozialen charakter russlands wäre zumindest für diese frage (Krim-Annexion) nicht erforderlich.

      • Ja, das ist etwas dran – da müßten wir dann wohl die jetzige IBT fragen, wie sie den Anschluß der Krim an Rußland sehen und ob das ihres Erachtens am Imperialismus-Begriff hängt.

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