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Die Grenzen der ‚politischen Korrektheit‘

Bildergebnis für pippi langstrumpf negerkönig

dass man die witzeleien von AKK über transgender-toiletten kritikabel findet, halte ich für berechtigt. und es ist auch noch mal ein unterschied, ob so was von otto normalverbraucher und lieschen müller gesagt wird, oder von einer führenden politikerin.

wo mir aber der sinn für verhältnismässigkeit aus den fugen zu geraten scheint, ist, wenn eine KITA darum bittet, auf indianer- und scheichskostüme zu verzichten.

politisch-historisch mag das völlig plausibel begründbar sein, aber trotzdem wird meines erachtens damit der bogen überspannt. woher haben denn kinder ‚informationen‘ über indianer und cowboys? natürlich aus western-filmen. aber kann man ihnen das verübeln?

ich habe als kind leidenschaftlich indiander gespielt, auch wenn ich wusste, dass sie von den ‚weissen‘ besiegt wurden. aber ich mochte ihre ‚edle art‘. heute weiss ich natürlich, dass das eine ‚rassistische‘ darstellung ist, aber trotzdem schaue ich mir manchmal immer noch gerne ‚edelwestern‘ aus den 50er- und 60er- jahren an. und selbst einen schauspieler wie John Wayne, der nun wirklich eine rechte socke war, ist ist seinen filmen ein überzeugender schauspieler. soll man solche differenzierten betrachtungen KITA-kindern zumuten? ich denke, nicht!

der kabarettist Dieter Nuhr sagte in einer talkshow, der witz von AKK sei eine ‚Geschmacksfrage‘. dazu schrieb ich in einem ‚intergralen‘ forum auf facebook:

diskriminierende witze als ‚geschmacksfrage‘ zu bezeichnen, finde ich aber schon grenzwertig. ok, auch ich habe schon über blondinenwitze gelacht. transgender-witze kenne ich keine, aber sind ‚judenwitze‘ auch eine geschmacksfrage (und damit meine ich nicht den ‚jüdischen witz‘, das ist was völlig anderes)? spätestens da wird es recht unappetitlich, auch wenn ich kein pc [political correctness]-polizist bin.
ich weiss auch, dass behinderte ‚behinderten-witze‘ erzählen und schwarze in den USA sich mit ’nigger‘ anreden und migranten den begriff ‚kanak‘ positiv besetzten (so wie die frauenbewegung die ’schlampe‘ [slut] positiv besetzt). aber das ist etwas völlig anderes (nämlich eine gegenwehr) als wenn ‚alte, weisse männer‘ sich über ‚blondinen‘, behinderte und ausländer in diskriminierender weise ‚amüsieren‘. da sollte dann das lachen irgendwie im halse steckenbleiben, damit man vlt eine denkpause bekommt.

bei Freud („der witz und seine beziehung zum unbewussten„) können wir erfahren, das man über tabu-themen besonders gern lacht, weil die witze dann ein ventil für triebabfuhr darstellen (das dürfte wohl auch der entstehungsgrund für den karneval sein, ohne tiefer auf dieses thema eingehen zu wollen; auch wenn es sicher interessant wäre). insofern erklärt es sich auch leicht, dass witze über minderheiten gut funktionieren, da die ‚veröffentlichte moral‘ ihre diskrimierung missbilligt. dadurch ist aber die gefühlsstruktur nicht verschwunden, die diese witze goutiert. die ‚veröffentlichte moral‘ ist also etwas oberflächlich aufgesetztes, was gar nicht die psychische tiefenstruktur erreicht. das ergebnis ist eine ständige spannung zwischen ‚akzeptiertem denken‘ und gefühlsmässigem erleben. diese spannung muss irgendwie abgeführt werden. so lange dies über witze geschieht, ist das immer noch ‚besser‘ als z. b. über gewalthandlungen. was aber an ihrer politischen problematik nichts ändert.

ein bekannter aus dem NaO-prozess hat mir mal folgenden witz erzählt, als wir uns über political correchtness in der gender-debatte unterhalten hatten:

James Bond landet in Afrika und trifft einen Schwarzen.
„Mein Name ist Bond, James Bond“. Darauf der Schwarze: „Mein Name ist Bo, Bim Bo.“

ich gestehe, ich konnte mir ein lachen nicht verkneifen. allerdings würde ich ihn auch nicht überall herumerzählen. (beispiele für sexistische witze brauche ich nicht anzuführen, die kennt jeder zur genüge selbst.)

ich meine, die entscheidung über politische korrektheit kann nur im kontext und situativ entschieden werden. wenn AKK sich über transgender-leute ‚lustig macht‘ (und sei es in einer faschingsrede), dann ist das nicht hinnehmbar. wenn aber Pippi Langstrumpf ihren Papa als ‚Negerkönig‘ bezeichnet, dann hat das gewiss nichts mit ‚rassismus‘ zu tun. es ist bewundernd und voller liebe. und die erfinder des ‚Negerkusses‘ hatten bestimmt ebenfalls keinen ‚Rassismus‘ im hinterkopf, – und wenn, dann um hunderttausend (unbewusste) ecken (so wie ‚bürgerliche‘ gesellschaften eben auch auf rassismus beruhen, was schon allein durch die kolonialgeschichte bedingt ist).

ich persönlich würde es sehr bedauern, wenn es ‚Südseekönig‘ heissen würde statt ‚Negerkönig‘.

wer kann die frage beantworten, wo die grenzen des verantwortbaren liegen (insbesondere in der kindererziehung). ich maße mir das nicht an.

und wo liegt die grenze zwischem sprachlichen ‚zurecht’biegen und einer veritablen lüge oder besser gesagt: geschichtsfälschung?

die schatten der menschlichen seele lassen sich nicht mit sprachkosmetik beheben, nur mit der Konfrontation mit seinen eigenen ‚dunklen seiten‘. aber dieser weg ist der schwerste.

Bildergebnis für pippi langstrumpf negerkönig

 

 

Ein Kommentar zu “Die Grenzen der ‚politischen Korrektheit‘

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