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Eine unmögliche Liebe?

Filmbesprechung: „So wie wir waren“ (USA 1973)

Bildergebnis für so wie wir waren

der film wird den etwas jüngeren lesern vermutlich nichts oder nicht viel sagen. ich habe ihn zufällig im TV gesehen, kann aber nicht sagen, wie alt ich da war. würde mal sagen zwischen 15 und 20. aber er ist mir immer im gedächtnis geblieben.

der inhalt ist schnell erzählt: es geht um die liebesgeschichte einer jüdischen studentin (Katie), die präsidentin der kommunistischen jugend-liga ist (gespielt von Barbra Streisand) und dem sunnyboy (Hubbel) der Uni (gespielt von Robert Redford).

ob diese schauspieler auch im wahren leben diese charaktere darstell(t)en, weiss ich natürlich nicht; aber der film scheint mir den beiden auf den leib geschnitten zu sein.

das wesentliche an dem film ist nun nicht, dass die beziehung letztlich scheitert. das war eigentlich von anfang an absehbar. auch geht der hauptteil der emotionalen arbeit von Katie aus. allerdings muss man auch dazu sagen, dass das bild der ‚emanzipierten frau‘ in den 70er-jahren auch noch nicht ganz so weit entwickelt war, wie es heute wohl eher als ’normal‘ empfunden wird. insofern steckt in dem film auch ein stück antiquiertheit.

aber das ist für das thema, was mich interessiert, eher unerheblich. mir geht es vor allem und die politischen dispute, die die beiden führen. denn diese sprechen grundsätzliche fragen an nach dem sinn oder unsinn politischer aktivität(en).

und der zweite aspekt in diesem zusammenhang scheint mir die frage zu sein, ob unterschiedliche erfahrungen und voraussetzungen von menschen auch dazu führen können, dass man getrennte wege gehen muss, selbst wenn wirklich eine verbindung aus liebe bestehen sollte.

Hubbel ist der typische ’star‘: gutaussehend, sportlich, immer ein lächeln auf den lippen; natürlich auch bei den frauen erfolgreich. in einer kurzgeschichte, die er für die uni abfassen muss, schreibt er: ‚in gewisser weise war er wie das land, aus dem er entstammte. ihm war immer alles zu leicht gefallen.‘ – ja, das ist seine zweite seite, er ist ein guter autor. und das ist es wohl auch, wovon sich Katie angezogen fühlt; neben seiner äusserlichen attraktivität.

dieses zu leicht (ge)fallen prägt einen menschen genauso wie einen, der immer um alles kämpfen musste. können zwei menschen mit solch gegensätzlichen erfahrungen zusammenkommen?

in einem streit zwischen Hubbel und Katie (vor dem hintergrund der McCarthy-ära) sagt er: die menschen seien wichtiger als hexenjagden und politische prinzipien. darauf erwidert Katie: die menschen sind ihre prinzipien.

dies scheint mir die schlüsselstelle des ganzen films zu sein. und irgendwie denke ich, dass beide recht und gleichzeitig unrecht haben. natürlich sind die menschen das wichtigste. aber tatsächlich sind sie nichts, ohne das, wofür sie kämpfen und woran sie glauben. aber sie sind nie auf ihre überzeugungen reduzierbar. sie tragen immer das potential für transzendenz in sich.

(die diskussionen um unterschiedliche vorstellungen von ‚attraktivität‘ sind zwar auch wichtig, werden aber durch die handlung des films eigentlich von selbst beantwortet. schliesslich sind sie ja zusammen.)

aber trotzdem: eine beziehung muss auch im alltagsleben funktionieren, ganz pragmatisch. wenn die ansichten zu verschieden sind, dann klappt es nicht. da kann die liebe noch so gross sein. sie kann im herzen bewahrt sein, aber im realen leben führen die wege nicht zusammen. aber es bleibt immer ein rest zurück, der mehr ist als nur erinnerung. sie wird zu einem teil von einem selbst.

[https://www.youtube.com/watch?v=uBPQT2Ia8fU]

 

 

9 Kommentare zu “Eine unmögliche Liebe?

  1. Hallo Joachim,
    Liebe und Freundschaft- fällt mir zu deinem Text ein. „Das Flüchtigste was man sich vorstellen kann, ist die Liebe. Und darauf baut man das Längste, was man sich vorstellen kann: eine lebenslange Ehe“ (Luhmann). Liebe ist unkommunikabel, d.h. man kann es Kommunikativ dem Partner nie recht machen. Symbiotische Mechanismen, wie den Beischlaf, halten die Beziehung zusammen. Schon im frühen 18. Jahrhundert gab es eine Briefkultur zwischen Bekannten und auch Unbekannten, in denen sich ein Stil entwickelte, der an Nähe und Intimität nicht mehr zu übertreffen war. Das Intimste, das Geheimste und Privateste wurde thematisiert. Die einzige Entlastungsmöglichkeit im Zusammenleben, die man hat, insofern man in einer Beziehung ist, das emotionale Geschehen auf unterschiedliche Orte zu verteilen bzw. auf unterschiedliche Personen zu verteilen. Der Vorteil der Freundschaft ist, dass man sie beenden kann, sie darf neben anderen Formen der Freundschaften laufen und es gibt bestimmte Grenzen, die man nicht überschreiten sollte. Freundschaft hat gegenüber der Liebe den Vorteil, dass sie kommunikabel ist, sie braucht weniger symbiotische Mechanismen und sie ist zeitlich begrenzbar. Moderne Partnerschaften gehen heute den Weg zwischen Liebe und Freundschaft. Beide Beziehungen werden miteinander gekoppelt. Ob das funktioniert, wird sich in den nächsten Jahrzehnten zeigen. Diese Überlegungen habe ich von einem Professor namens Siegfried J. Schmidt. In seinem Hörbuch „Beobachtungsmanagment- Über die Endgültigkeit der Vorläufigkeit“ geht es u.a. auch um dieses o.g. Thema. Ich finde, dass dies stimmig klingt und heute auch auf die modernen Medien übertragbar ist. Freundschaft kann ein deutlich wertvollerer Zustand sein, freier und wilder als die Liebe. Die Liebe ist eingenebelt, hormongesteuert und durch Attraktivität und Lust bedingt. Die Freundschaft hat einen anderen Ursprung, kann aber deutlich tiefer gehen und langfristigere persönliche Folgen haben, denke ich. Liebe ist flüchtiger, in einem bestimmten Sinne auch oberflächlicher.
    Sei herzlich gegrüßt!
    Manuela

  2. das verhältnis von liebe und freundschaft beschäftigt mich auch schon länger. ich gestehe, dass ich zwischen beiden formen nicht eine so grosse harmonie erkennen kann. in gewisser weise sehe ich sogar in beidem einen gegensatz.
    natürlich spreche ich bei liebe von der ‚erotischen liebe‘ und bei freundschaft von ‚platonischen‘ beziehungen. wobei es natürlich auch ‚platonische lieben‘ gibt.
    und genau hier stellt sich (für mich) die grosse frage, ob erotische liebe die ‚erfüllung‘ unbedingt erforderlich macht.
    ich denke mittlerweile, dass dies nicht erforderlich ist, aber nun habe ich ja auch schon deutlich die 50er überschritten. 😉 – da ist das dann vlt nicht mehr ganz so wichtig 🙂 .

    Paula Modersohn-Becker schrieb einmal:

    „Es ist meine Erfahrung, dass die Ehe nicht glücklicher macht. Sie nimmt die Illusion, die vorher das ganze Wesen trug, dass es eine Schwesterseele gäbe.“

    die erfahrung der existenz der ’schwesterseele‘ scheint mir aber das wesentliche zu sein, – und selbst, wenn es eine illusion sein sollte. 🙂 ^^

  3. Früher hätte ich dir geantwortet, dass eine Illusion oder eine Einbildung ein Problem sein könnte oder besser gesagt, dass dies nicht erstrebenswert ist. Heute denke ich, dass gerade diese Illusionen es sind, die das eigene Leben bunter färben- manchmal sogar lebenserhaltend wirken. Sie sind Antrieb für schöpferisches Tun, zum Beispiel. Ebenso wie wir es uns mit unseren Gedanken und negativen kognitiven Bewertungen zu bestimmten Dinge schwerer machen können, können wir es uns auch deutlich leichter machen. Und wer sagt uns denn, dass es keine „Schwesterseele“ geben könne. Die Liebe, die den Alltag durchstehen muss/kann , nutzt sich auf gewisse Weise immer ab, denke ich. Vielleicht setzte sich an ihre Stelle etwas anderes, auch erhaltenswertes. Die „platonische Liebe“, die du oben erwähnst, scheint mir die langlebigste zu sein. Wird sie doch auch mit der eigenen Phantasie über den Gegenüber aufgefüllt- zu mindestens wenn keine Alltagsprüfung durchlaufen werden kann oder sogar nur selten oder gar keine persönlichen – Face to Face- Kommunikationen/Begegnungen erfolgen.
    P.S. ‚Vollkommen unbedeutend‘ könnte sich ja auch darauf beziehen, dass es egal ist, was da steht oder besser gesagt, dass es nicht relevant für meine Texte ist, ob ich dort ein paar Worte zu mir schreibe. ;o)

    Liebe Grüße

    • P.S. ‚Vollkommen unbedeutend‘ könnte sich ja auch darauf beziehen, dass es egal ist, was da steht oder besser gesagt, dass es nicht relevant für meine Texte ist, ob ich dort ein paar Worte zu mir schreibe. ;o)

      stimmt. nur gerade für einen blog, der ja doch eher ‚persönlich‘ geprägt ist, fände ich ein paar informationen über den autor, egal für wie aussagefähig man sie hält, nicht nachteilig. 😉

      ansonsten stimme ich deinen einschätzungen im obigen kommentar zu.

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