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Die Frau, die den ‚Frankenstein‘ erschuf

Filbesprechung: Mary Shelley (USA 2017)

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„Liebe und Kunst umarmen nicht, was schön ist, sondern was eben dadurch schön wird.“ –Karl Kraus

der film versucht den biografischen hintergrund der entstehung des ‚Frankenstein‘ zu erzählen. ohne dass ich selber mit diesem thema vertraut bin, finde ich zumindest die darstellung schlüssig. die mutter ist kurz nach der geburt von Mary gestorben und sie hat deswegen wohl auch schuldgefühle. in einer szene sagt sie, die mutter sei ihretwegen gestorben (oder sogar, Mary habe sie umgebracht; das weiss ich aber nicht mehr so genau). hieraus wird auch das interesse für ‚okkulte‘ themen wie geisterbeschwörungen und erweckung der toten psychologisch plausibel.

die beziehung von Mary zu Percy Shelly lasse ich hier aus, da sie für das thema ‚Frankenstein‘ meines erachtens nur zweitrangig wichtig ist und viele nebenkriegsschauplätze eröffnet werden, die zwar interessant sein mögen, aber die in unserem kontext nichts wesentliches hinzufügen, was man nicht eh schon wüsste. als sich Mary, ihre Schwester und Percy bei Lord Byron einfinden, entwickelt dieser die idee, einen wettbewerb zu veranstalten, wer die beste ‚geistergeschichte‘ schreiben kann. daraufhin schreibt Mary den ‚Frankenstein‘.

das wesentliche an dem roman scheint wohl zu sein, dass der schöpfer gegenüber seinen geschöpf so kaltherzig ist, dass er dadurch eine kette von verhängnisvollen ereignissen hervorruft. die analogie zu Marys eigenem leben, die von beginn an mit einsamkeit und verlassenwerden konfrontiert ist, ist nur allzu offensichtlich. und auch ihr ‚gefährte‘, Percy Shelley, behandelt sie mit einer gewissen ‚grausamkeit‘ (gefühlskälte). in einer szene nach einem heftigen streit mit Percy sagt sie: ‚ich wurde in die welt gesetzt, um einsam zu sein‘.

aber diese einsamkeit hat sie auch zu dem dem gemacht, was sie ist. und ihre entscheidungen, im guten wie im schlechten, haben sie geformt. sie bereue daher nichts. und sie kommt zu der erkenntnis, dass jeder für seine handlungen die verantwortung übernehmen muss.

und dem leiden einen tieferen sinn geben, – ist das nicht die wahre schaffenskraft (kreativität) des künstlers und der kunst?

wenn man diese zusammenhänge kennt, dann ist der ‚Frankenstein‘ eigentlich keine (nicht nur) eine ‚gruselgeschichte‘; er ist vielmehr ein plädoyer für mehr mitmenschlichkeit (humanität) und liebe in der welt.

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