Uncategorized

Die eierlegende Wollmilchsau des ‚Trotzkismus‘

Kommentar zur Krise im CWI

in letzter zeit mehren sich die hinweise (eigentlich sind es wohl mehr ‚gerüchte‘), dass das CWI sich in einer schweren krise befindet, die möglicherweise zur spaltung führen kann[1]. ich selbst habe zum CWI, genauer gesagt zur SAV, ein eher leidenschaftsloses verhältnis, da die tradition, in der ich gelernt habe (Spartacist, IBT), die Militant-strömung eher als vereinigung zur ausbildung von ‚linken nachwuchsbürokratInnen‘ angesehen hat. ob diese einschätzung berechtigt ist oder nicht, zumindest kann ich soviel sagen, dass ich zumindest keine ‚umgruppierungsabsichten‘ gegenüber der SAV habe 😉 ; dies im gegensatz zur SoZ und RCIT, denen man schon politische absichten unterstellen kann. bei der RCIT ziemlich offenkundig, bei der SoZ ist das etwas subtiler, was aber auch daran liegen kann, dass die ISO ohnehin über kein irgendwie geartetes ‚organisationskozept‘ verfügt. zumindest im NaO-prozess haben sich die damals noch bestehende isl und der RSB in dieser hinsicht nicht gerade mit ruhm bekleckert. aber wir wollen nicht den schnee von gestern beweinen.

also bleiben wir bei der SAV. wie gesagt, meine einschätzungen mögen stark durch meine vergangenheit vorgeprägt sein, aber für mich wirkte die SAV immer wie ein ewiger spaghat zwischen divergierenden ansprüchen. nicht zu sektiererisch, aber auch nicht zu oppprtunistisch; nicht zu avantgardistisch, aber auch nicht zu weit weg von den ‚Massen‘. also eine politik, die es allen recht machen will. so etwas mag eine zeitlang gutgehen, aber irgendwann zahlt man dafür einen preis. auch wenn der vergleich schon etwas übertrieben satirisch wirkt, so könnte man die SAV als die SPD des ‚Trotzkismus‘ bezeichnen. auch wenn das CWI vlt noch keinen 4. August hatte (und wenn, dann nur in programmatischer hinsicht), dann ist zumindest Godesberg eine ständige programmatische anleihe an die politische praxis der SAV (theoretisch sind sie natürlich um ‚orthodoxie‘ bemüht). dieses auseinander driften von theorie und praxis ist ohnehin ein kennzeichen bürokratisierter organisationen, die eher auf eine starre hierachie von basis und führung basieren, als dass ein demokratischer zentralismus praktiziert wird, der auch noch vom letzten mitglied mitgetragen werden kann.

natürlich ist dies eine idealvorstellung, die in der politischen wirklichkeit eher selten umsetzbar ist. aber gerade im bemühen darum, eine organisationspolitik auf einen breiten innerorganisatorischen konsens zu stellen, unterscheidet sich eine bürokratische von einer demokratischen führung. wenn ich allein schon höre, dass ein typ 40 jahre (!!) lang eine organisation geführt hat, dann klingeln bei mir doch schon die ohren. so etwas kann nie und nimmer mit den hervorragenden eigenschaften bestimmter leute erklärt werden, sondern ist einfach ausdruck davon, dass solche organisationen als pfründe für bestimmte oberhäuptlinge funktionieren. dies gilt übrigens unabhängig von der grösse einer organisation: die spartacist tendenz war gewiss viel kleiner als das heutige CWI, aber auch dort konnte sich ein bürokratischer kult genauso herausbilden, wie er scheinbar auch im CWI existiert.

letzlich scheinen mir die einzelnen programmatischen punkte, die die RCIT ausfführt, durchaus diskussionswürdig zu sein. aber zu glauben, man könnte in allen punkten zu einer einvernehmlichen übereinkunft kommen und dann die ‚wahre, echte, revolutionäre Internationale‘ (egal ob 4., 5. oder 160.) aufbauen, ist mindestens genauso strange wie der versuch der SAV, innerhalb der LINKEn einen ‚antikapitalistischen‘ flügel aufzubauen (sprechen sie überhaupt von einem ‚revolutionären‘ flügel?)

da war doch das essential-konzept des NaO-prozesses wesentlich überzeugender!

solange radikal-linke gruppen dem glauben anhängen, nur auf dem vollen programm liesse sich ‚richtige’politik machen, so lange wird das klein- und kleinstgruppen(un)wesen nicht zu überwinden sein.

den ‚roten stein der weisen‘ hat noch nie jemand gefunden, und er bleibt auch verborgen, – selbst für die genialsten oberhäuptlinge des ‚Trotzkismus‘. der göttin sei dank. 😉

Keine Fotobeschreibung verfügbar.

 

[1] http://www.sozonline.de/2019/07/kleinbuergerliche-abweichungen/?fbclid=IwAR232F_-b7ALqdY3321Ga9mxS8p3_BZY_ZMMgfhXsIGo2lU7Xxg0dtl1OkA

http://www.trend.infopartisan.net/trd0719/t180719.html

6 Kommentare zu “Die eierlegende Wollmilchsau des ‚Trotzkismus‘

  1. ich muss zum artikel sagen, dass ich ihn mit heisser nadel geschrieben habe und ohne grosse quellenrecherche. er drückt eher meine subjektives fühlen aus, als eine wirkliche politische analyse. insbesondere die texte der IMT (die mich noch weniger interessiert als das CWI) habe ich nicht berücksichtigt. einiges, was die IMT schreibt, mag sicher richtig sein, aber insgesamt ist die IMT noch rechter als das CWI; von daher ist so eine form von ‚kritik‘ von vornherein für mich diskreditiert.

    https://www.marxist.com/offener-brief-an-ehemalige-mitglieder-des-cwi.htm
    https://www.derfunke.de/rubriken/linke/2473-fraktionskampf-im-cwi-spanische-sektion-spaltet-sich-ab

  2. Post eines SAVlers bei facebook:

    „Das CWI, die Internationale der SAV, wurde heute von einer kleinen Minderheit aufgelöst und „neugegründet“ – ohne die Opposition, bestehend aus der Mehrheit der Sektionen und der Mitglieder. Das ist nichts anderes als ein Putsch und der kalte Rauswurf einer Mitgliedschaft, die sich der Führung in den Weg gestellt hat, als diese fundamentale Prinzipien der Arbeiter*innenbewegung und des Trotzkismus nach und nach über Bord geworfen haben. „Scheiß auf parteiinterne Demokratie, Rechenschaftspflicht, jederzeitige Wähl- und Abwählbarkeit, Kongresse und Komitees, das CWI bin ich!“ – erklärt jetzt ein Teil der Mitgliedschaft um das Internationale Sekretariat, und lädt zu einem Weltkongress alle ein, die dem zustimmen. Die übliche Charakterisierung der Opposition als „kleinbürgerlich“ und „opportunistisch“ darf dabei natürlich nicht fehlen. Eine solche „Internationale“ ist auf dem besten Weg, genau so zu enden wie unzählige unbedeutende Grüppchen, die die Wahrheit für sich gepachtet haben, aber niemals auch nur einen Funken von Einfluss in der Arbeiter*innenklasse haben werden.

    Den Napoleons dieser Bewegung trauere ich nicht hinterher. Wohl aber vielen guten Genoss*innen, die die als politisch verkleideten Lügen dieser Napoleons glauben, und bei etwas mitlaufen, was man nur noch als politische Sekte charakterisieren kann.

    Das ständige Wiederholen der Grundlagen des Marxismus ist noch längst kein Marxismus. Wir sind keine Konserven des Marxismus. Marxismus bedeutet, die Welt in ihrer Veränderung zu verstehen, um sie zu verändern. Wenden wir das gesammelte historische Wissen der Arbeiter*innenbewegung an, lernen wir aus den Siegen und Niederlagen, aus den Debatten und den Fehlern unserer Vorgänger*innen. Stürzen wir uns mit diesem Wissen in die Bewegungen, die den Kapitalismus herausfordern: Die Bewegungen der Frauen und LGBTQI+, die es satt haben, unter kapitalistischer und patriarchaler Unterdrückung und Diskriminerung zu leiden, die Bewegungen der Jugendlichen, die zunehmend erkennen, das es der Kapitalismus ist, der den Planeten verbrennt, die Bewegungen der Arbeiter*innen, die den Ereignissen bald genug ihren Stempel aufdrücken werden und die ihre Macht zeigen werden.

    Die Usurpation des CWI wird nur eine Fußnote in der Geschichte sein. Ich bin trotzdem stolz, Mitglied in einer Internationale gewesen zu sein, die so viele kritische Köpfe versammelt hat. Ich freue mich darauf, mit ihnen gemeinsam etwas neues aufzubauen. Solidarität!“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.