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Warum der Schnack von der ‚Abschaffung des Kapitalismus‘ Quatsch ist

häufig hört man in linken kreisen die these — insbesondere im zusammenhang mit umweltproblemen –, dass es erforderlich sei, den ‚kapitalismus abzuschaffen‘, um zu einer [nachhaltigen] lösung zu gelangen.

obwohl ich in ‚letzter analyse‘ dieser these sogar zustimmen würde, so störe ich mich hauptsächlich an dem begriff ‚abschaffung‘. kann man den kapitalismus so einfach abschaffen? sind produktionsweisen, und damit auch der kapitalismus, einfach (äusserliche) dinge, die man wie unterhosen abstreifen kann?

oder sind produktionsweisen nicht viel mehr ‚Beziehungsweisen‘ [1], die bis in die charakterstruktur jeden einzelnen hineinreichen (die ‚Wertform‘ geht quasi in fleisch und blut über, auch ohne dass sie freilich theoretisch verstanden ist)?

wenn letzteres der fall ist — und ich denke das –, dann kann man den kapitalismus nicht ‚einfach abschaffen‘, sondern es bedarf der veränderung (die meines erachtens eher langfristig angelegt sein dürfte) der gesellschaftlichen ‚verkehrsverhältnisse‚ (unter verkehr sei hier die art und weise des umgangs miteinander gemeint).

natürlich bleibt davon die notwendigkeit der veränderung der eigentumsverhältnisse unberührt; diese ist die voraussetzung der wandlung der verkehrsverhältnisse, kann diese aber nicht (vollständig) ersetzen. also auch eine ‚kollektive produktionsweise‘ ist kein garant dafür, dass sich quasi die ‚moral der gesellschaft‘ zum ‚besseren‘ wandelt. die geschichte des ‚stalinismus‘ ist dafür nur der schlagendste beleg!

die gesellschaftliche evolution muss daher (mindestens) auf zwei ebenen gleichzeitig ansetzen: die veränderung der ’strukturbedingungen‘ (und da vor allem die eigentumsformen der produktionsmittel) und die wandlung der charakterstruktur und verhaltensweisen (ethik und moral).

bislang hat die linke bewegung meines erachtens zu stark den fokus auf die strukturbedingungen gelegt, und die individuelle seite vernachlässigt oder sogar denunziert (an dieser stelle müsste man auf das [kritische] verhältnis vom psychoanalyse und marxismus eingehen, was ich aber im rahmen eines bescheidenen blogartikels nicht leisten kann). dadurch ist ein missverhältnis in den linken aktionsformen entstanden, die zwar versuchen, die politischen missstände in der gesellschaft (propagandistisch) aufzuzeigen, aber die individuelle betroffenheit bleibt meistens unterbelichtet. dies könnte vlt. sogar eine erklärung dafür sein, warum die linken strömungen den zustand der marginalität so schwer überwinden können, trotz teilweise guter programmatischer positionen.

frei nach Horkheimer könnte man daher sagen:
wer vom kapitalismus redet, darf über das schicksal des einzelnen[2] nicht schweigen! 

[1] „Die Gesellschaft besteht nicht aus Individuen, sondern drückt die Summe der Beziehungen, Verhältnisse aus, worin diese Individuen zueinander stehn.“ (Marx, Grundrisse)

[2] „An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.“ (Marx/Engels, Manifest)

Bild könnte enthalten: eine oder mehrere Personen, Text „Zum ersten Mal in der Geschichte hängt das physische Überleben der Menschheit von einer radikalen Veränderung des Herzens ab Erich Fromm (1900-1980) www.c-rebell-um.de“

2 Kommentare zu “Warum der Schnack von der ‚Abschaffung des Kapitalismus‘ Quatsch ist

    • nichts gegen die ‚gemeinwohl-ökonomie‘, sie scheint mir aber mit der existenz von ‚klassengesellschaften‘ unvereinbar zu sein.
      es reicht also nicht, ein (ideales) ziel zu beschreiben, mann muss auch sagen, wie man dahin kommen könnte.

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