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Jahr 2020 – die überleben wollen

Filmbesprechung: … Jahr 2022 … die überleben wollen (Originaltitel: Soylent Green), USA 1973

heute las ich ich in der SZ, dass die stadt New York um 85 kühlanhänger gebeten hat, damit darin die toten ‚gelagert‘ werden können (ich wollte eigentlich aufgebahrt schreiben, aber für pietät scheint man keine zeit mehr zu haben und in der SZ steht ‚Lagerung‘). und sofort musste ich (wieder) an den film soylent green denken. ich muss in letzter zeit öfter an diesen film denken. als vor kurzem der texanische vizegouverneur sagte, man müsse darüber diskutieren, die ältere generation für die wirtschaft zu opfern, da kam mir unwillkürlich Sols sterbeszene in erinnerung.

Bild könnte enthalten: 1 Person, Text „„Es könne nicht sein dass die Wirtschaft der Coronakrise geopfert werde. Man müsse wenigstens diskutieren, ob nicht die älteren Bürger geopfert werden sollten. Ich denke, es gibt da draußen viele Großeltern wie mich, ich habe sechs Enkel. Ich will nicht, dass das ganze Land geopfert wird" Patrick Dan Vizegouverneur Texas“

eigentlich ist dieser film ein früher öko-thriller. aber die zustände, die in dem film beschrieben passen so genau zur jetzigen situation, dass es keine übertreibung ist, zu sagen, dass die wirklichkeit dabei ist, die science-fiction-literatur zu überholen.

dass menschenmassen mit speziellen schaufelbaggern unter kontrolle gehalten werden, um aufstände zu verhindern – ist das wirklich so unmöglich?

Bild könnte enthalten: eine oder mehrere Personen und im Freien

(filmszene) 

dass lebensmittel und klopapier rationiert werden könnten? völlig unwahrscheinlich?!

eigentlich wollte Trump General Motors dazu verdonnern, beatmungsgeräte zu produzieren, aber eine Milliarde Dollar waren ihm zu teuer. (SZ)

man darf das gar nicht gegen die milliarden aufrechnen, die für die wirtschaft und das militär verschleudert werden.

aber zumindest ist damit die diskussion eröffnet, ob es unter bestimmten umständen sinnvoll sein kann, ‚planwirtschaftliche‘ instrumente zu benutzen.

aber den allerletzten schritt, den dieser film thematisiert, dass soylent green aus menschenfleisch gemacht wird … der bleibt noch dystopische science fiction.

wie lange noch? – diese frage kann ich mir nicht verkneifen ….

und wäre organhandel ethisch vertretbarer als menschenfleich-verwertung, wenn es gesellschaftlich und individuell spitz auf knopf steht?

es gibt in der geschichte unzählige beispiele, wo es in notsituationen zu kannibalismus gekommen ist.

wer nach einem literarischen zeugnis sucht, wird bei Herman Melvilles Moby Dick fündig werden. [*]

Soylent Green ⋆ Geek Germany

(Detective Thorn [Charlton Heston] entdeckt das geheimnis von soylent green) 

[*] „Am 20. November 1820 sank im Pazifik der von einem wütenden Pottwal gerammte Walfänger Essex. Die überlebenden Matrosen konnten sich mit den kleinen Walfangbooten retten und trieben wochenlang im Pazifik. Den Strapazen nicht mehr gewachsen, begannen die Männer der Essex zu sterben. Die zwei ersten Toten bestattete man noch nach Seemannsart. Dann begannen die halb verhungerten Seeleute, ihre toten Kameraden zu verspeisen. Als auch das nicht mehr satt machte, zogen sie das Los. Ein anderer Walfänger fand schließlich die letzten zwei Überlebenden, „die Haut mit Geschwüren übersät, nagten die Schiffbrüchigen mit hohlwangigen Gesichtern an den Knochen ihrer toten Kameraden. Selbst als schon die Retter herbeieilten, wollten sie nicht von ihrem grausigen Mahl lassen.“ (wikipedia)

„Das Walfangschiff Essex aus Nantucket wurde am 20. November 1820 durch Rammstöße eines Pottwals versenkt. Nach der Versenkung der Essex flüchtete die 20-köpfige Besatzung in drei Walfangbooten. Nur fünf Männer in zwei Booten wurden nach drei Monaten Irrfahrt durch den Südpazifischen Ozean gerettet. Die Männer überlebten nur, weil sie sich von ihren unterwegs verhungerten und einem erschossenen Kameraden ernährten. Drei weitere Männer überlebten auf der zum Pitcairn-Archipel gehörenden, unbewohnten Insel Henderson.[13] Melville begegnete 1841 dem Sohn des seinerzeitigen Steuermanns Owen Chase und erhielt von diesem das Buch seines Vaters über die Ereignisse auf der Essex.[14] Ein Jahr nach dem Erscheinen von Moby-Dick lernte Melville in Nantucket auch den damaligen Kapitän George Pollard kennen.“ (wikipedia)

diese begegnung von Melville mit einem Essex-angehörigen wird in dem film „Im Herzen der See“ thematisiert. (Im film ist es aber der ehemalige Schiffsjunge als älterer Mann, wenn ich mich recht entsinne). aus dieser begegnung resultiert der weltberühmte roman Moby Dick.

3 Kommentare zu “Jahr 2020 – die überleben wollen

  1. „Nichts ist gut, und doch sollten wir erkennen, in welchem Moment wir uns befinden: Die kapitalistische Globalisierung ist für einen Moment ausgesetzt. Es ist, als hätte jemand abrupt die Bremse gezogen, und unweigerlich fällt einem der düstere Satz Walter Benjamins ein: «Marx sagt, die Revolutionen sind die Lokomotiven der Weltgeschichte. Aber vielleicht ist dem gänzlich anders, vielleicht sind die Revolutionen der Griff des in diesem Zuge reisenden Menschengeschlechts nach der Notbremse.» Dass dieser Moment des Stillstands schön oder heiter sein würde, hat niemand behauptet. Aber immerhin zwingt er uns, darüber nachzudenken, was wir eigentlich machen, und zumindest drei Dinge könnten wir erkennen: Erstens, dass das Hamsterrad, in dem wir eingesperrt sind, sehr wohl angehalten werden kann. Was jetzt gefährdet ist, ist nicht die Grundversorgung mit dem Lebensnotwendigen – Wohnung, Strom, Medikamenten, Nahrungsmitteln und so weiter –, die offenbar auch dann noch relativ stabil weiterläuft, wenn grosse Teile der Wirtschaft zum Erliegen gekommen sind. Wer am Rand des Abgrunds taumelt und uns mit hinabzureissen droht, sind die Konzerne, Fonds und Banken, die unablässig ihren Wert vermehren müssen. Das, was gemeinhin als «die Wirtschaft» bezeichnet wird, hat also offenbar gar nicht so viel mit Bedarfen und Bedürfnissen zu tun. Wir leisten uns eine Ökonomie, die sich nicht an den Grundlagen des Lebens, sondern an der Wertschöpfung orientiert.“

    https://www.woz.ch/-a77f

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