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Persönliche Gedanken zu Corona

als die ganze corona-krise losging, war mein erster impuls, die situation überwiegend als panikmache anzusehen. als dann aber die ersten berichte über schwere krankheitsverläufe und todesfälle erschienen, wuchs mein verständnis für die sicherheitsmassnahmen; wobei ich das tragen von ‚schutzmasken‚ eher als kritisch einstufe.

in berlin wird am kommenden montag (27.04.2020) die maskenpflicht für die öffentlichen verkehrsmittel angeordnet. für die öffis könnte man die maskenpflicht noch damit begründen, dass der sicherheitsabstand schwer (bis unmöglich) einzuhalten ist. aber das ändert nichts daran, dass die hygieneprobleme dieser ‚masken‘ (es sind ja eigentlich keine schutzmasken, sondern bestenfalls permanente taschentächer vor mund und nase) vermutlich grösser sind als dass wirklich leute vor einer ansteckung geschützt werden. hier handelt es sich um einen klassischen fall von ’symbolpolitik‘, der bestenfalls einem gefühltem sicherheitsdenken entspricht, als dass man das wirklich als sinnstiftend bezeichnen kann.

nun könnte man sagen, dass selbst gefühlte ’sicherheit‘ immer noch besser ist als ein permanentes unsicherheitsgefühl, was leute auch auf dauer unter stress setzt und sogar krank machen kann (aber nicht an corana!). aber an dieser stelle müsste man dann aber auch offen und ehrlich eingestehen, dass die schutzmassnahmen in sich selbst widersprüchlich und zumindest teilweise irrational sind. natürlich wird das nicht geschehen. aber man sollte als bürger, dem man ja immerhin unterstellt, er sei mündig, dies zumindest kritisch reflektieren.

ich will mich gewiss nicht in die reihe der verschwörungstheoretiker eingruppieren, die schon die vorbereitung der ‚diktatur‘ wittern; obgleich auch ich davor warne, dass die freiheitsbeschränkungen auch ihre eigene verstetigungstendenz haben können. aber dies ist eine frage der kräfteverhältnisse, und solange die ‚diktatur der sicherheit‘ herrscht, werden gewisse freiheitsbeschränkungen hingenommen werden müssen, sofern sie als sinnvolle schutzmassnahmen wirken (können).

Bild könnte enthalten: Text

zunehmend wird aber klar, dass ein vollständiger shutdown nicht über einen längeren zeitraum durchzuhalten ist. der wirtschaftliche schaden wäre vermutlich grösser als die ’schäden‘ durch corona (sofern man den verlust von menschenleben so bezeichen kann; in kriegen wird aber ohne bedenken von ‚kollateralschäden‘ gesprochen).

an dieser stelle müsste man über eine umstrukturierung der ökonomischen ressourcen sprechen und über einen wandel der ethischen und bewusstseinsmässigen strukturen (wobei ich beides als zusammenhängendes problem sehe und nicht als so stark getrennt wie in manchen ‚materialistischen‘ theoriezusammenhängen [basis/überbau-spaltung]).

aber bevor ich dazu komme, würde ich noch gern einen anderen punkt einschieben. während ich zu beginn der schutzmassnahmen mich mit manchen entwicklungen sehr schwer getan habe (insbesondere was die einkaufs-situation betraf), muss ich inzwischen ehrlich zugeben, dass ich die erlebte ‚entschleunigung‚ und verstärkte ruhe sehr geniesse. auch wenn der anlass dafür natürlich kein ‚positiver‘ war, so zeigt corona doch zumindest, dass dinge möglich sind, die man vorher nicht für möglich gehalten hat. und da menschen immer erst hinterher lernen (das kind muss erst in den brunnen fallen, bevor ein deckel drauf gemacht wird) könnte corona ein grosser lehrmeister dafür werden, wie man das gesellschaftliche zusammenleben gesünder, ökologisch nachhaltiger und der menschlichen natur angemessener gestalten könnte.

die ideologie des ‚permanenten wachstums‘ und des ‚höher, weiter, schneller‘ hat ja schon länger einen knacks wegbekommen. aber die diskussion um den klimawandel hat offensichtlich nicht ausgereicht, dass man sich für (radikale) massnahmen entscheiden konnte, die die erderwärmung hinreichend eindämmen könnten.

erst die unmittelbare lebensbedrohung durch das corona-virus hat zu drastischen und einschneidenden massnahmen geführt. aus diesem fakt ergeben sich meines erachtens zwei wesentliche schlussfolgerungen:

1.) die massnahmen dürfen nicht einseitig zu lasten des unteren zwei drittels der gesellschaft gehen. die reichen müssen zahlen. betriebe müssen vergesellschaftet werden unter kontrolle der beschäftigten und ihrer vertretungsorgane. die produktion muss umgestellt werden auf güter, die der medizinischen und lebensmittel-versorgung der bevölkerung dienen.

2.) die sparmassnahmen der letzten jahre im gesundheitssektor haben gezeigt, dass das profitprinzip kein guter antrieb fürs wirtschaften ist. die grundlage der verausgabung menschlicher arbeit sind bedürfnisse, die man befriedigen muss. geldscheine sind nicht mal geignet, als klopapier verwendet zu werden, weil sie zu hart dafür sind. daher muss das wirtschaftssysten auf die befriedigung der bedürfnisse ausgelegt werden, ohne eine entscheidung darüber zu treffen, ob der aufwand in einem sinnvollen verhältnis zum ergebnis steht (‚wertgesetz‚-denken). im kapitalismus wird soviel aufwand für volkommenen schwachsinn wie werbung und rüstung betrieben, – wenn man sich vorstellt, dass diese ressourcen frei werden für eine direkte bedürfnisbefriedigung , dann ist der ’sozialismus‘ vlt gar nicht mal so ‚utopisch‘, wie man heute noch meinen könnte. voraussetzung dafür ist allerdings, dass die menschen und ihre geschaffenen strukturen sich (radikal) wandeln. dass das möglich ist, zeigt das corona-virus.

„In einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit, damit auch der Gegensatz geistiger und körperlicher Arbeit verschwunden ist; nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis geworden; nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch ihre Produktivkräfte gewachsen und alle Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums voller fließen – erst dann kann der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz überschritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahne schreiben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“ (Karl Marx, Kritik des Gothaer Programms)

Bild könnte enthalten: Text könnte möglicherweise lauten: „WE SHOULD NOT GO BACK TO NORMAL, BECAUSE .NORMAL WAS THE PROBLEM.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4 Kommentare zu “Persönliche Gedanken zu Corona

  1. die GAM hat ein kurzes anti-krisen-programm entwickelt, was ich ganz nützlich finde.

    „Gesundheit vor Profite!
    Kostenlose Gesundheitsversorgung für alle – von Tests bis zur Unterbringung in Krankenhäusern und Intensivmedizin. 500 Euro/Monat mehr für alle Beschäftigten in den Pflegeberufen!

    #stayathome: Wir zahlen nicht für die Krise!
    Keine Wiederöffnung der Unternehmen ohne Schutz- und Hygieneplan unter Kontrolle der Beschäftigten!
    Gegen alle Entlassungen! 100 % Lohnfortzahlung für alle, die in Kurzarbeit sind! Keine Aushebelung von Arbeitszeitbeschränkungen und Arbeitsrecht!
    Keine Milliarden-Geschenke für die Konzerne – massive Besteuerung von Vermögen und Gewinnen! Entschädigungslose Enteignung der Banken und des Großkapitals unter Kontrolle der Beschäftigten!

    Keine Rendite mit der Miete!
    Für das Aussetzen aller Miet- und Kreditzahlungen für die arbeitende Bevölkerung! Enteignung der großen Immobilienkonzerne wie Deutsche Wohnen, Vonovia und Co. Nutzung von Leerstand, um die Räume Bedürftigen wie Geflüchteten und Obdachlosen zur Verfügung zu stellen!

    http://arbeiterinnenmacht.de/2020/04/22/erster-mai-wir-zahlen-nicht-fuer-virus-und-krise/

  2. „Wie diese Krise enden wird, weiß niemand. Doch in dieser Krise steckt auch eine Chance: Millionen Menschen erkennen, dass die bestehende Wirtschaftsweise fehlgesteuert ist. Dass ein großer Teil des Wirtschaftens (Rüstung, Auto, Flugzeugbau, Luftfahrt, Werbung) unnötig, wenn nicht zerstörerisch ist. Dass ein Umbau („Konversion“) von großen Teilen der Wirtschaft notwendig ist. Dass damit gewaltige Kapazitäten an gesellschaftlicher Arbeit frei würden – für Arbeitszeitverkürzung, höhere Einkommen der durchschnittlichen Bevölkerung, für sinnvolle Investitionen in Energiewende, Verkehrswende, Kultur und Bildung. Dass Solidarität neu entwickelt und eine neue solidarische Gesellschaft, in der Mensch, dessen Gesundheit, der Schutz von Umwelt und Klima im Zentrum stehen, anzustreben sind. Um ein solches Denken zu beflügeln, sollten wir gehörig Gehirnschmalz investieren.“

    https://winfriedwolf.de/?p=906

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