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Ein Held (fast) ohne Klischees

Jack mit seiner (vermeintlichen) Tochter

Filmbesprechung: Jack Reacher: Kein Weg zurück (USA, 2016)

normalerweise bin ich kein grosser Fan von Filmen mit Tom Cruise. aber dieser Cruise ist anders. kein smarter sonnyboy, der selbst die unmöglichsten sachen mit einem grinsenden lächeln erledigt. es ist eher ein düsterer, nach innen gekehrter charakter, der zwar immer noch alle attribute des heldenhaften an sich hat, aber in einem gewissen sinne eine grössere Reife ausstrahlt. natürlich spielt auch die körperliche gewalt eine nicht geringe rolle, aber doch immerhin gepaart mit einer kräftigen portion analytischem verstand.

aber eigentlich ist nicht die story das interessante an diesem film. es ist der übliche und erwartbare action-abenteuer-spionage-gutgegenböse plot. der zwar nicht schlecht gemacht ist, aber viel wichtiger scheinen mir die leisen zwischenräume zu sein, die dem film ein höheres niveau verleihen.

da ist einmal die zusammenarbeit mit Major Susan Turner (übrigens gespielt von Cobie Smulders, die auch die Maria Hill in der Marvel-Reihe der Avengers gespielt hat), die nicht das hält, was man sich vermutlich davon verspricht (die der Zuschauer hinein projiziert). 😉 – zwar spielen beide mit einem deutlichen flirt-verhalten herum und man merkt auch, dass es knistert und es eigentlich passen könnte (dass Cruise 3 cm kleiner ist, lässt sich ja filmtechnisch leicht retuschieren 😉 ), aber es gibt nicht einmal eine Kuss-szene in dem film (auch nicht in der Abschiedsszene). unfassbar! am deutlichsten wird diese erotische spannung aufgebaut in einer szene, wo Jack in einem hotelzimmer im bett zu abend isst und Susan (im Bademantel!!) sich zu ihm ’setzt‘ (na ja, eigentlich mehr räkelt 😉 ). sie ist im grunde recht ‚offensiv‘ gegenüber Jack (im sympathischen sinne), und jeder erwartet natürlich, dass es demnächst passieren wird – und auf einmal streiten sie sich darüber, völlig unerwartet, wie der einsatz am besten weitergeführt werden kann. (Es gab auch vorher schon eine szene, wo Susan nur mit einem Oberteil und Hose bekleidet mit ihm zusammen in einem zimmer ist, aber da hatten sich beide vollkommen distanziert verhalten).

in der späteren fortsetzung dieser streitszene tut sich noch ein weiterer zwischenraum auf. es werden nämlich die geschlechterklischees problematisiert. Susan macht klar, dass sie zwar den einsatz von Jack schätzt, aber sie habe das viel grössere interesse daran, diesen fall zu lösen. sie überlässt ihm an dem besagten abend zwar noch das feld, aber nach der ‚Aussprache‘ wirkt die kooperation der beiden so, als ob sie mehr auf gleicher augenhöhe erfolge. und auch wenn die endgültige lösung des falls dann durch Jack erfolgt, so scheint die grössere gleichberechtigung doch irgendwie der ‚beziehung‘ (und der letztendlichen Fall-lösung) gutzutun.

der zweite zwischenraum des films ist die beziehung zu seiner (vermeintlichen) tochter. hier möchte ich aber nicht zu viel spoilern, denn die wirkung dieser szenen muss jeder zuschauer für sich selbst erleben und bewerten.

ich empfand sie auf alle fälle in sehr zärtlichen tönen gezeichnet (auch wenn sie anfangs durchaus holprig war) und die männliche zurückhaltung in sachen gefühle ausdrücken [können] bekommt gerade vor dem hintergrund der (vermeintlichen) vater-tochter-beziehung geradezu etwas unglaublich menschlich-liebenswertes (sogar, dass er sich manchmal einsam fühlt, gibt er ihr gegenüber zu. in dieser szene wird dann aber doch [auch] das klischee des einsamen männer-wolfes strapaziert, dem nun mal seine ‚unabhängigkeit‘ das wichtigste ist).

alles in allem finde ich: mal wieder (der letzte ‚gute‘ ist schon etwas her bei mir) ein richtig spannender film mit guten schaupielern (und ein bisschen humor kommt auch drin vor). und da wir jetzt in der Corana-zeit über etwas mehr zeit verfügen (und auch nicht so viele neue filme produziert werden [können]), vlt ein guter tipp für einen gemütlichen und unterhaltsamen video-abend. 🙂

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