Uncategorized

Ein Opfer für den Frieden

Klassiker: „Gran Torino“ von Clint Eastwood (2008) – Film plus ...

(Walt Kowalski: unbewaffnet, aber trotzdem gefährlich) 

Filmbesprechung: Gran Torino, USA 2008. Regie: Clint Eastwood

eigentlich hat Wolfgang M. Schmitt in seiner filmanalyse schon alles gesagt. ich möchte trotzdem meine erfahrungen beim schauen in (möglichst eigene) worte fassen. im film ist der rassismus stark präsent (um nicht zu sagen: [über]strapaziert), aber ich würde sagen, es ist nur ein thema, nicht das thema des films.

Walt Kowalski ist ein ex-autoarbeiter der firma Ford und durchzogen von rassistischen vorurteilen. aber das ganze wird zugleich ironisch gebrochen dargestellt. wenn Walt zu seinem italienisch-stammigen frisör geht und ihn mit ’spaghettifresser‘ begrüsst, dann ist das ein ‚rassismus‘ mit zivilisatorischem fortschritt (Wolfgang Schmitt). und natürlich ist Walt für seinen frisör ein ‚Polacke‘. aber dahinter ist immer klar, dass sie freunde sind.

das gleiche schema wird auch angewendet, wenn im nachbarhaus von Walt eine Hmong-Familie einzieht. trotz seiner anfänglichen sprüche über ‚reisfresser‘ und ’schlitzaugen‘ entwickelt sich eine freundschaft zwischen Walt und der familie. die schlüsselfiguren dabei sind die tochter Sue und der junge sohn Thao (anfangs nennt Walt ihn noch ‚Mao‘).

als eine Hmongjungendgang die famile bedroht, verwandelt sich Walt zum rächer, aber anders als man es vermuten würde. er wird nicht zum schiesswütigen vollstrecker der selbst-justiz, sondern er opfert sein leben, um die gang für lange zeit hinter gittern zu bringen. dass Wolfgang Schmitt an dieser stelle nicht anspricht, dass es sich um eine offensichtliche Christus-analogie handelt, verwundert mich ein bisschen. zumal er ein zitat vorliest, in dem die opferung als öffentliches schauspiel bezeichnet wird und der geopferte verteidigt seine prinzipien bis in den tod. wer würde da nicht an die Kreuzigungs-szene denken? (zumal der Pfarrer von Walt ein paarmal ‚Jesus‘ sagt, nachdem Walt bei ihm die Beichte abgelegt hatte. er ahnte, was passieren könnte.)

überhaupt ist ja das thema tod die letzte verteidigungslinie vor der vollständigen säkularisierung, da der verstand ihn nicht fassen kann (das wird  allerdings von Schmitt angesprochen). und nur wenn man im tod einen tieferen sinn sehen kann, kann man das bewusstsein der endlichkeit überhaupt ertragen. und ein übergeordneter [transzendenter] sinn entsteht im märtyrertod als ultimatives opfer.

für diesen weg hat sich zum schluss Walt entschieden, um die Hmong-familie zu schützen. und sie wurde auch ein bisschen zu seiner familie. und sogar seinen geliebten ‚Gran Torino‘ vererbt er an Thao, aber nur mit der auflage, dass er ihn gefälligst nicht mit einem tuntigen (ich weiss nicht mehr den genauen wortlaut) heck-spoiler verschandeln darf. er bleibt auf jeden fall seinen männlichkeits-klischees auch treu.

man muss allerdings noch ein detail erwähnen, um das ganze realistischer einordnen zu können: Walt hustet im film mehrfach Blut. vermutlich hätte er nicht mehr lange zu leben gehabt. aber er hat sich einen super-Abgang verschafft.

ob märtyrertode allerdings die welt ‚besser‘ machen, ist zweifelhaft; aber als moralisches vorbild wirken sie tief ein in die kollektiven bewusstseinsstrukturen.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.