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Politische Korrektheit, Sprachkritik und (Kunst)Zensur

Über den untauglichen Versuch, Geschichte zu ‚korrigieren‘

durch die ereignisse in den USA nach der tötung von George Floyd durch polizei-brutalität ist jetzt eine veritabable diskussion über ‚rassismus‘ losgetreten worden. das wäre an sich eine lobenswerte sache. dass aber ausgerechnet die hauptthemen dieser debatte zu sein scheinen, ob man ‚vom winde verweht‘ noch gucken kann, und warum schokoküsse nicht mehr ’negerküsse‘ heissen sollen, geht doch irgendwie haarscharf am thema vorbei.

rassismus ist ein soziales verhältnis, das sich sicher auch in der sprache (und eben auch in geschichte und kunst) ausdrückt. aber wenn man aus ’negerküssen‘ schokoküsse macht, wird der ‚rassismus‘ nicht ‚weniger‘. das Kapital ist sogar flexibel genug, aus schokoküssen sogar bioküsse zu machen, wenn es denn nur dem profit dienlich ist.

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und natürlich ist ‚vom winde verweht‘ nur so von ‚rassismus‘ durchzogen, aber wir können nicht wissen, wie der film 1939 ff. rezipiert wurde. und niemand wäre vermutlich verrückt genug, den abriss der pyramiden zu fordern, weil sie von sklaven erbaut wurden. (ich bin kein archäologe, aber es erscheint mir sehr fraglich zu sein, ob ein bauwerk mit dieser unglaublichen technischen präzision überhaupt von sklaven errichtet worden sein kann).

was ich damit eigentlich sagen will: wir können die geschichte nicht nachträglich ‚korrigieren‘. wir müssen sie so studieren, wie sie war und ist und daraus lehren für das heute und morgen ziehen. politisch-korrekte sprache scheint mir für dieses vorhaben eher nachteilig als förderlich zu sein. nichtsdestotrotz scheint mir die ächtung des wortes ’negerkuss‘ richtig zu sein, – auch wenn ich sie als kind immer gern gegessen habe. 😉 nur beim Papa von Pippi Langstrumpf bestehe ich auf den ‚Negerkönig‘, denn dieser hat gewiss nichts mit ‚rassismus‘ zu tun.

Die facebook-Alogrihmen als Ausdruck [postmoderner] Zensur

ein besonderes ärgernis bei facebook sind die sog. ‚gemeinschaftsstandards‘. wie oft wurden user schon gesperrt, weil sie ein kunstwerk gepostet hatten, wo auch (weibliche) nacktheit — horribile dictu — erkennbar war? ich hatte vor kurzem folgendes meme gepostet, das der algorihmus mir sehr übel genommen hatte:

Burgbesichtigung nur mit Führer. | infest.me

nun kann man von einem algorihmus natürlich nicht verlangen, dass er den witz versteht, und schon gar nicht kann man erwarten, dass er kunstverständig ist. und ich verstehe auch, dass es nicht leicht ist, eine plattform mit millionen usern angemessen zu ‚moderieren‘ (2,5 Mrd. monatlich aktive Nutzer). aber hier beginnt ja schon auch das problem. es findet ja gar keine transparente moderation statt. eine maschine sagt offensichtlich du, du böser und man kann nur zustimmen oder ablehnen. möglicherweise sind es tatsächlich menschen, die das dann prüfen, wenn man ablehnt, aber diese haben offensichtlich ihre ganz eigenen kriterien. vor einiger zeit (2019) hatte die Neue Zürcher Zeitung einen artikel von Slavoj Zizek gebracht, der mit einer nackten frau verziert war. auf der fb-seite der NZZ durfte der post über diesen artikel stehen bleiben, während viele user dafür gesperrt wurden (unter anderem auch ich).

man kann vermuten, dass diese entscheidung auch etwas mit unterschiedlicher zahlungkraft der user zu tun hat. frei nach Orwell: alle user sind gleich, aber manche sind gleicher.

aber unabhängig von der frage der zensur sind diese ‚moderationsmassnahmen‘ von fb auch ein politikum, das unbedingt thematisiert gehört. man kann die presse- und meinungsfreiheit nicht privaten konzerninteressen überlassen, insbesondere dann, wenn eine plattform wie fb so etwas wie eine monopol-stellung besitzt. hier muss eine transparente demokratische kontrolle der betreiber installiert werden. ansonsten darf man sich nicht wundern, wenn leute immer politikverdrossener werden.

facebook muss unter gesellschaftlicher kontrolle gestellt werden! 

enteignet den sugar-mountain und besteigt ungeahnte höhen der politisch-kulturellen freiheit! 

5 Kommentare zu “Politische Korrektheit, Sprachkritik und (Kunst)Zensur

  1. zum satz:

    rassismus ist ein soziales verhältnis, das sich sicher auch in der sprache (und eben auch in geschichte und kunst) ausdrückt. aber wenn man aus ’negerküssen‘ schokoküsse macht, wird der ‚rassismus‘ nicht ‚weniger‘.

    sicherlich hat sprache auch eine ‚performative‘ wirkung, aber es reicht eben nicht, rassismus allein auf einer sprachlichen ebene zu kritisieren. erforderlich ist eine gesamt-gesellschaftliche transformation. genau dies wird aber von den linksliberalen und postmodernen nicht oder weniger thematisiert.

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