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Umweltkrise und Wirtschaftssystem

Der ewige Tanz um das goldene Kalb

Wall Street – Wikipedia

(der Tanz um das goldene Kalb und der Wall Street Bulle)

das thema ‚umwelt‘ ist in aller munde. aber ausser moralischen appellen, die naturressourcen schonender zu behandeln und beabsichtigten emisions-einschränkungen ist bislang nicht viel dabei herausgekommen. dabei wäre gerade die umweltfrage ein hervorragendes thema, um eine ‚linke agenda‘ politisch zu verbreitern.

zwar wird von linker seite immer wieder darauf hingewiesen, dass der ‚kapitalismus‘ ursächlich für die umweltkrise sei, aber in dieser abstraktion wird das kaum verfangen. und selbst der hinweis, dass unbegrenztes wachstum in einer endlichen welt nicht funktionieren kann, ist immer noch zu weit von der realen erfahrungswelt der meisten entfernt. es ist daher notwendig, den zusammenhang von naturverhältnissen und wirtschaftsformen etwas genauer aufzudröseln. (es sei darauf hingewiesen, dass ich hier nur thesen zur diskussion vorlegen kann. eine erschöpfende behandlung des themas kann das nicht sein.)

es ist zwar zutreffend, dass der kapitalismus eine ‚akkumulation um der akkumulation willen‘ betreibt, aber in gewisser weise geht diese ‚argumentation‘ ins leere. da ja die menschlichen bedürfnisse niemals enden, muss immer akkumuliert werden, egal unter welchen wirtschaftlichen bedingungen. selbst bei sog. ‚primitiven natur-völkern‘ gibt es formen der vorratshaltung, wenn mal das jagdglück nachlässt oder die gegend zuwenig anderes essbares abwirft. das ist zwar in keinster weise mit der ‚kapitalistischen akkumulation‘ vergleichbar, aber hier geht es ja nur um den zwang des wirtschaftens als solchem.

„Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion. Wie der Wilde mit der Natur ringen muss, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, um sein Leben zu erhalten und zu reproduzieren, so muss es der Zivilisierte, und er muss es in allen Gesellschaftsformen und unter allen möglichen Produktionsweisen. Mit seiner Entwicklung erweitert sich dies Reich der Naturnotwendigkeit, weil die Bedürfnisse sich erweitern; aber zugleich erweitern sich die Produktivkräfte, die diese befriedigen. Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehen, dass der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehen. Aber es bleibt dies immer ein Reich der Notwendigkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner Basis aufblühen kann.
Die Verkürzung des Arbeitstages ist die Grundbedingung.“ (Karl Marx, herv. v. mir)

wir halten fest: der zwang zum wirtschaften existiert unter allen gesellschaftlichen verhältnissen. das einzige, was wir daran ‚verbessern‘ können, ist die art der organisierung der wirtschaftsweise (produktionsweise). und selbst das geschieht nicht willkürlich, sondern ist abhängig vom (historischen) entwicklungsstand der produktivkräfte.

bis hierhin dürfte der gedankengang halbwegs klar sein. aber ab jetzt wird es leider ein bisschen komplizierter. wir müssen nämlich erklären, warum der kapitalismus als wirtschaftssystem so (relativ) stark akzeptiert wird. hier kommen eine menge erklärungen in frage, ich versuche nur die offensichtlichsten aufzuführen:

der kapitalismus produziert einen enormen gesellschaftlichen reichtum (dabei ist natürlich die verteilungsfrage noch nicht berücksichtigt. und auch die periodischen wirtschaftskrisen tun diesem einduck keinen abbruch)

der kapitalismus ermöglicht eine hohe individuelle freiheit (vorausgesetzt, geld ist ausreichend beim einzelnen vorhanden)

durch den zusammenbruch des realsozialismus gibt es keine glaubwürdige (politische) alternative zum kapitalismus (mehr)

alle drei punkte können bis zu einem gewissen grad die stabilität (trotz aller sonstigen probleme) des kapitalismus erklären. aber diese erklärung gräbt noch nicht tief genug. denn der kapitalismus (und überhaupt alle produktionsweisen) sind nicht nur materiell-ökonomische systeme, sondern auch denkformen; und im falle des kapitalismus sogar glaubensformen. (dies dürfte weitgehend mit Marx‘ Ausführungen zum ‚Warenfetisch‘ korrespondieren.)

der alltagsverstand glaubt, dass alle dinge einen wert haben, aber wenn man dann fragt, worin denn der wert des goldes oder der von diamanten besteht, dann könnte man höchsten anführen, dass man daraus hübschen schmuck machen kann; aber das kann niemals den abstrakten (geld)wert erklären, der in der regel recht hoch ist.

beim bedruckten papiergeld ist die sache noch extremer. während gold und diamanten noch zumindest einen gebrauchswert haben können, hat bedrucktes papergeld gar keinen gebrauchswert mehr (als klopapier wäre es zu hart). es dient nur noch als symbol (zeichen) eines geldwertes. und beim bargellosen zahlungsverkehr ist selbst dieses symbol nicht mehr vorhanden; man glaubt nur noch daran, dass der wert (kredit) gedeckt ist. das heisst im prinzip nichts anderes, dass man im vertrauen darauf, dass auch in zukunft (kapitalistisch) produziert wird (wegen der immer wieder zu befriedigenden bedürfnisse) der kapitalismus ständig einen wechsel auf die zukunft ausstellt. dass er gleichzeitig dabei ist, den ast, auf dem er sitzt, abzusägen, wird dabei nicht als widerspruch wahrgenommen.

„Sie sägten die Äste ab, auf denen sie saßen // Und schrien sich zu ihre Erfahrungen // Wie man schneller sägen konnte, und fuhren // Mit Krachen in die Tiefe, und die ihnen zusahen // Schüttelten die Köpfe beim Sägen und // Sägten weiter.“ (Bertolt Brecht)

diese gesellschaftliche bewusstlosigkeit über die funktionsmechanismen des kapitalismus macht es es so schwierig, sich eine andere form des wirtschaftens vorstellen zu können als eben die kapitalistische. oder wie es mal Slavoj Zizek treffend sagte: es ist leichter, sich das ende der welt vorzustellen als das ende des kapitalismus.

wie man die ökonomie der [wertförmigen] (arbeits)zeit in eine ökonomie der bedürfnisse (und der solidarischen kooperation) transformieren kann, – diese frage ist bislang weitgehend unbeantwortbar; und solange das so ist, ist die ‚krise der linken‘ eine spiegelung (im kleinen) der kapitalistischen globalkrisen (wirtschaft, gesundheit, natur und klima).

 

2 Kommentare zu “Umweltkrise und Wirtschaftssystem

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