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Jurassic Park und der ‚Postkapitalismus‘

[vorläufige Überlegungen]

Jurassic World 2 - Jeff Goldblum kehrt für Sequel als Dr. Ian ...

(Jeff Goldblum als Ian Malcolm, der bekannt wurde durch seinen ikonischen Satz: das Leben findet einen Weg)

ursprünglich wollte ich etwas über unterschiedliche strategieansätze innerhalb der linken schreiben, habe dann aber gemerkt, dass ich einerseits von den strategien selbst nicht überzeugt bin und andererseits keinen sinn darin sehe, solange linke ansätze eben so marginal sind. marginalität lässt sich nicht aus eigener kraft überwinden. es sei denn, es würde ein grundlegender wandel im denken stattfinden (und davon ist nicht auszugehen; noch nie in der geschichte haben gesellschaften aus historischen erfahrungen gelernt. warum sollte es ausgerechnet heutzutage anders sein?)

aus diesem grund habe ich mich für einen anderen weg entschieden, der vlt ein bisschen strange klingt, aber ich hoffe, der zusammenhang wird noch deutlicher werden. schon als ich zum ersten mal jurassic park gesehen hatte (und den roman habe ich ebenfalls gelesen) hatte ich ein starkes gefühl, dass insbesondere die theorien (‚Chaostheorie‘) von Ian Malcolm auch eine gesellschaftspolitische relevanz haben könnten. nun ist ja der zusammenhang mit der ökologie (umweltfrage) überdeutlich, aber der gesellschaftspolitische aspekt liegt nicht so offensichtlich auf der hand.

nun will ich mich nicht lange mit der frage aufhalten, ob es möglich sein könnte, dinosaurier zu klonen. dies scheint mir eher ein marketing-gag zu sein, der ja auch zu einem entsprechenden kommerziellen erfolg der filme und bücher geführt hat. aber ich sehe die dinos eher als symbol für die unbeherrschbare natur. und Malcolm sagt auch mehrfach, dass das verhalten in komplexen systemen nicht vorhersehbar ist. aber eine (menschen)gesellschaft ist auch ein komplexes system. heisst das im umkehrschluss, dass wir nicht wissen können, wie sich die gesellschaft entwickeln wird/kann? an dieser stelle wird jurassic park direkt politisch relevant.

diese frage betrifft natürlich auch die kernsubstanz des ‚historischen materialismus‘: geschichte würde sich gesetzmässig vollziehen. bevor wir darauf weiter eingehen können, müssen wir noch einen kleinen schlenker machen über den unterschied von natur-systemen und menschen-gemachten gesellschaftssystemen. die natur entwickelt sich gemäss physikalisch-chemischer und biologischer bedingungen, die objektiv nachweisbar sind. menschliche gesellschaften haben zwar auch objektive gesetzmässigkeiten (z. b. der entwicklungsstand der produktivkräfte) aber es kommt noch ein weiterer faktor hinzu: das (subjektive) bewusstsein. und kein mensch kann sagen, wie bewusstsein entsteht und/oder von vornherein festlegen, durch was es geformt wird. hier würde sich jetzt tatsächlich ein ansatzpunkt ergeben, zu sagen, dass gesellschaftliche entwicklungen unvorhersehbar sind.

wenn wir der einfachheit halber jetzt nur von der entwicklung von sklavenhaltergesellschaften über den feudalismus bis hin zum kapitalismus ausgehen[1], dann haben wir zwar einen fortschritt im grad der [individuellen] freiheit, aber die existenz von Macht- und Herrschaftsstrukturen bleibt unangetastet.

ich würde diese tatsache (grosszügig) so interpretieren, dass zwar der einzelne für sich den höchst möglichen freiheitsspielraum erstrebt, aber wenn andere nicht in diesen genuss gelangen, dem einzelnen dies nicht viel verdruss bereitet. psychologisch gesprochen würde das bedeuten, dass die stufe des egoismus (bislang zumindest) nicht geschichtlich überwunden wurde[2].

transformationstheoretisch wiederum würde das heissen, dass, bevor nicht nicht wertförmige verkehrsformen bereits innerhalb des kapitalismus[3] eingeübt werden können, eine vergesellschaftung oder verstaatlichung der produktionsmittel entweder zu einer restauration des kapitalismus führen würde oder eine neue form der Herrschaft (durch eine ‚Bürokratie‘) hervorbringen würde.

beides kann anhand der geschichte der sowjetunion (und des ‚Ostblocks‘) nachvollzogen werden. China hat sich offensichtlich für den staatlich verwalteten Kapitalismus entschieden und scheint gut damit zu fahren. nun haben allerdings auch die chinesen eine über 3000 jährige erfahrung mit der ‚orientalischen Despotie‘ (Karl A. Wittfogel).

 

[1] dass es auch parallelstrukturen in der historischen entwicklung gegeben hat, wie die asiatische produktionsweise, kann an dieser stelle vernachlässigt werden.

[2] hier stellt sich natürlich die frage, ob der egoismus nicht eine historisch relativ junge erscheinung ist. in stammesgesellschaften hat es vermutlich eher ein WIR-bewusstsein gegeben. ob es aber im alten Ägypten oder im antiken Griechenland egoismus gab, diese frage kann ich nicht beantworten. ich könnte mir aber vorstellen, dass es die grossen griechischen philosophen nicht ohne eine gehörige Portion egoismus hätte geben können. denn ehrgeiz ist ja auch schliesslich eine egoische eigenschaft. und was ist der Wissensdurst und Erkenntnisdrang anderes als … ehrgeiz?

[3] das Kapital konnte sich bereits innerhalb der Poren der Feudalgesellschaft herausbilden. das Proletariat hat aber keinerlei Möglichkeiten, eine solidarische (nicht hauptsächlich wertförmige) Ökonomie bereits innerhalb des Kapitalismus aufzubauen. wie dieser gordische Knoten des ‚Postkapitalismus‘ (‚Antikapitalismus‘) durchschlagen werden kann, – das wissen wohl nur die Götter …

2 Kommentare zu “Jurassic Park und der ‚Postkapitalismus‘

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