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In eigener Sache: Kino-filme, politische Krise und Hygiene-Demos

in letzter zeit hatte ich öfter mal film-besprechungen geschrieben und mache das eigentlich auch recht gern. ich sehe mich zwar nicht gerade als ‚cineast‘, aber ich schaue schon gern filme und man kann aus populärkulturellen tendenzen auch viel gesellschaftspolitisch relevantes herauslesen.

durch ein urteil des europäischen gerichtshof von 2017, dass das nutzen von streaming-diensten rechtswidrig ist, ist es aber sehr schwer geworden, aktuelle kinofilme über das internet zu sehen. ich bin aber auch schon vor diesem urteil schon lange nicht mehr im kino gewesen, und zwar aus dem einfachen grund, weil ich es mir als prekär beschäftigter nicht leisten kann. ich will die rechtmässigkeit des urteils aber gar nicht in frage stellen. mir ist völlig klar, dass die filmwirtschaft durch (kostenlose) streamingdienste einen wirtschaftlichen schaden erleidet. und die kinos sind durch die corona-krise ohnehin schon schwer getroffen, – und wenn es dann auch noch kostenlose streamingdienste gibt, gehen natürlich noch weniger leute ins kino.

trotzdem kann es nicht sein, dass das kino der einzige ort sein soll, wo es aktuelle filme zu sehen gibt. das wäre angesichts der digitalen vernetzung nun wirklich nicht mehr zeitgemäss. neben der parallelen ausgabe von DVDs müsste es auch preisgünstige streamingdienste für aktuelle filme geben, die sich auch ein Hartz 4ler leisten können muss. das gebot der kulturellen teilhabe sollte dazu führen, dass notfalls so etwas durch einen staatlichen fond (zu)finanziert werden müsste. es kann jedenfalls nicht sein, dass filmfreunde auf diese kulturelle teilhabe verzichten müss(t)en, weil ihr geldbeutel zu schmal ist.

so lange das aber nicht realisiert ist, heisst das für mich als blogger (der auch einen — wenn auch bescheidenen — beitrag zur öffentlichen meinungsbildung leistet), dass ich entweder nur ältere filme besprechen kann oder neuere filme nur mit erheblicher verzögerung. zum beispiel würde ich mir gern eine eigene meinung über „Tenet“ bilden, aber auf dieses vergnügen werde ich wohl vorerst verzichten müssen.

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eine zweite sache möchte ich noch kurz ansprechen. dass die linke in einer politischen dauerkrise sich befindet, ist ja wahrlich nichts neues (und ist auch ein thematischer schwerpunkt dieses blogs). aber durch die (anti)hygiene-demos bekommt diese krise so langsam eine dramatische dimension. so schreibt die Linken-Politikerin Özlem Demirel heute bei Facebook:

 

ich stimme der einschätzung, was die gefährlichkeit betrifft, zu. was die faschistische mobilisierungsfähigkeit betrifft, da bin ich mir noch nicht ganz so sicher. wovon ich aber unbedingt überzeugt bin, ist, dass die mangelnde glaubwürdigkeit ‚linker‘ antworten den einfluss rechter und faschistischer gruppierungen innerhalb der ‚Corona-rebellen‘ befördert (auch wenn das nicht die einzige ursache ist). wenn an diesem problem nicht ernsthaft gearbeitet wird, dann wird die deutsche linke weiter dahindümpeln und sich durch ihre differenzierungen in ‚reformer‘ und ‚querfrontler‘ (rechts-offene) selbst blockieren. und die ‚radikale linke‘ ist viel zu marginal, um an dieser falschen altenativstellung irgendetwas ändern zu können.

es bleibt schwierig – aber irgendwie bleiben wir heiter und gelassen!

3 Kommentare zu “In eigener Sache: Kino-filme, politische Krise und Hygiene-Demos

  1. „Zur jetzigen Lage konnte es nicht zuletzt deshalb kommen, weil die gesellschaftliche Linke nicht in der Lage ist, sich auf eine positive Beschreibung der Alternative zum Kapitalismus zu einigen und für sie zu kämpfen. Man übt sich lieber im identitätspolitischen Differenzieren voneinander, erklärt praktisch jede irgendwie identifizierbare Gruppe zum gesellschaftlichen Sonderfall und schafft so die sichere Grundlage dafür, künftig gemeinsam eine saftige Niederlage einzufahren. Die Linke ist derzeit unfähig zu erkennen, dass alle realen identitätspolitischen Probleme, die es natürlich durchaus gibt, nicht im endlosen Hickhack gegeneinander, sondern am Besten und wirksamsten im gemeinsamen Kampf aus der Welt geschafft werden. Man ruft zwar völlig richtig auf Demonstrationen: „Freiheit entsteht in kämpfender Bewegung – für mehr Staatszerlegung!“, aber man zerlegt sich lieber gegenseitig, anstatt genau das zu tun, was man ruft.“

    https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/politik/deutschland/corona-demo-in-berlin-b2908-5988.html

  2. „Ob Tenet der Film sein wird, der den Kinos trotz der Hygieneauflagen eine zufriedenstellende Auslastung beschert, wird sich zeigen. Immerhin bringt der Film alles mit, um das Kino als Ort des Events und Möglichkeitsraum regelrecht zu feiern: Erneut drehte Analogfetischist Nolan auf 70-mm-Film und im IMAX-Format. Grundsätzlich fordert Tenet, wie seit jeher bei Nolan, unseren Wahrnehmungsapparat heraus. Wobei dieser neue Brocken vielleicht sogar sein verkopftestes Werk ist.“

    https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/tschuess-bis-gestern

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