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Philosophie im Zeichentrick

Filmbesprechung: Soul, USA 2020

„ein junger Fisch suchte nach dem Ozean und ein älterer sagte ihm, dass er sich bereits darin befände. und der junge antwortete, dies sei nur Wasser, er aber wolle zum Ozean.“

Therapiekatzen: So helfen Katzen kranken Menschen | zooplus

(auch Joe muss eine Erfahrung als ‚Therapiekatze‘ durchmachen)

normalerweise gehören Animationsfilme nicht zu meinem üblichen Filmkonsum. aber durch die recht wohlwollende Besprechung von Wolfgang Schmitt habe ich mir den Film jetzt auch angeschaut.

ich muss gestehen, dass mir die lebendingen Schauspieler fehlen, aber die story und die technische gestaltung des Films sind doch so gut gemacht, dass er sich lohnt.

Joe Gardner ist ein leidenschaftlicher Jazz-Musiker, der als Musiklehrer arbeitet. aber sein grosser traum ist eine karriere als berufsmusiker. als er eines tages die chance auf ein vorspielen bekommt, ist es so aus dem häuschen, dass er durch einen Unfall stirbt. er landet aber nicht gleich im Jenseits, sondern im ‚Davorseits‘, wo die seelen auf das leben auf der Erde vorbereitet werden. Joe soll als Mentor arbeiten und bekommt die schwierige Seele 22 zur Betreuung, die auf das irdische dasein nicht die geringste Lust verspürt. durch viele verstrickungen hindurch landen Joe und Seele 22 wieder auf der Erde, allerdings Joe als (Therapie)Katze und Seele 22 im Körper von Joe. das verursacht natürlich eine menge Turbulenzen, aber in letzter instanz führt es dazu, dass Seele 22 ihren ‚Lebensfunken‚ findet und damit auf die Erde darf. sie gibt ihren Erdenpass aber Joe und der schafft es auch, seine Musikerkarriere zu beginnen, aber er spürt, dass ihn dieser Erfolg nicht so erfüllt, wie er gehofft hatte.

er kehrt daher ins ‚Davorseits‘ zurück, um Seele 22 ihren Erdenpass zurückzugeben. da Joe durch seine ‚Leistung‘, Seele 22 zu ‚heilen‘, die Mentoren inspiriert hat, erhält er ebenfalls die Chance, auf die Erde zurückzukehren.

Die Moral von der Geschichte

wenn man nach der ‚Moral von der G’schicht‘ fragt, ist es eigentlich die frage nach dem ‚Sinn des Lebens‘ und der Existenz überhaupt. ob es sowas gibt, wie eine ‚Berufung‘, die das Leben mit Sinn erfüllt, darüber kann man lange streiten[1]. sicherlich sollten gerade Leute im künstlerischen Bereich so eine ‚Berufung‘ spüren und in seltenen Momenten spüren sie vielleicht auch den flow, von dem Joe zu Anfang vor seiner Musikklasse spricht. aber im Grunde genommen gibt es für das Leben keinen Masterplan (wenn es auch einige ‚Gewissheiten‘ geben mag), sondern wir müssen in jedem Augenblick uns auf neues einstellen und daher improvisieren. und so wie Joe in der Jazzmusik improvisiert, so lernt er auch, sich mit der Unvorhersehbarkeit im Leben zu arrangieren und trotzdem jeden Augenblick zu geniessen.

und so wie das Wasser bereits der Ozean ist, so ist der höchste Wert und Sinn im Leben das Leben selbst. wenn es gelingt, den Blick von unserer Egozentrik abzulösen und auf weitere Horizonte zu richten, werden wir das auch erkennen. – oder wie Schmitt in seinen Filmanalysen immer Tarkowski zitiert: wir schauen nicht nur, wir werden auch sehen.

[1] in dem Film ‚sister act‘ gibt Whoopi Goldberg einer Schülerin die ‚Briefe an einen jungen Dichter‘ von Rilke als Beipiel für ‚Berufung‘. ich vermute, der Hinweis auf Rilke bezieht sich auf folgende Stelle:

„Niemand kann Ihnen raten und helfen, niemand. Es gibt nur ein einziges Mittel. Gehen Sie in sich. Erforschen Sie den Grund, der Sie schreiben heißt; prüfen Sie, ob er in der tiefsten Stelle Ihres Herzens seine Wurzeln ausstreckt, gestehen Sie sich ein, ob Sie sterben müßten, wenn es Ihnen versagt würde zu schreiben.
Dieses vor allem: fragen Sie sich in der stillsten Stunde Ihrer Nacht: 
muß ich schreiben? Graben Sie in sich nach einer tiefen Antwort. Und wenn diese zustimmend lauten sollte, wenn Sie mit einem starken und einfachen ich muß dieser ernsten Frage begegnen dürfen, dann bauen Sie Ihr Leben nach dieser Notwendigkeit; Ihr Leben bis hinein in seine gleichgültigste und geringste Stunde muß ein Zeichen und Zeugnis werden diesem Drange. Dann nähern Sie sich der Natur. Dann versuchen Sie, wie ein erster Mensch, zu sagen, was Sie sehen und erleben und lieben und verlieren.“ (Briefe an einen jungen Dichter)

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