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Stehen ‚Helden‘ im Widerspruch zu ‚linken‘ Gedanken?

nicht zu unrecht werden moderne und postmoderne gesellschaften als ‚postheroisch‘ bezeichnet. daran ist zumindest so viel wahr, dass dass ‚individuelle‘ gegenüber den strukturellen zwängen regelmässig ins hintertreffen gerät. ich bin mir zwar nicht sicher, ob in vorindustriellen zeiten das ‚individuelle‘ einen grösseren stellenwert hatte als heutzutage, aber es kann ja nicht nur ein zufall sein, dass die grossen mythen und geschichten über ‚helden‘ eher in nicht-industrialisierten gesellschaften stattfinden.

während in den mythen und legenden der ‚alten welt‘ der heldenbegriff durchaus positiv konnotiert war, hat er im nachkriegsdeutschland und insbesondere im zuge der 68er-bewegung(en) eher einen ‚kritischen‘ beigeschmack gefunden. dieser kritische beigeschmack ist angesichts der erfahrungen des (welt)krieges und anderer begangener geschichtlicher Greueltaten durchaus verständlich, hat aber als ’negative‘ konsequenz den verlust und/oder die schwächung des bewusstseins dafür, dass die figur des helden durchaus auch ‚positive‘ funktionen ausüben kann. wer war als kind und heranwachsender nicht begeistert von Robin Hood, den Rittern der Tafelrunde, Tom Sawyer, Huck Finn und Robinson Crusoe (und um die geschlechterparität zu bewahren sei auch Pippi Langstrumpf genannt)?

Bildergebnis für greta thunberg als pippi langstrumpf
der Vergleich von Greta Thunberg mit Pippi Langstrumpf zeigt gut die identifikatorische Kraft des Heldenbegriffs

dies sind nicht nur literarische figuren, die eine spannende geschichte erzählen, sondern sie dienen auch als folie der pesönlichkeitsidentifikation. wir brauchen diese geschichten, um menschen den sinn für mut, beharrlichkeit und durchhaltewillen zu entwickeln. charaktereingenschaften, die auch (und gerade!) anhänger ‚linker‘ politikmodelle benötigen, wenn sie Ziele umsetzen wollen. von daher ist die einseitige verteufelung des heldenbegriffs als ‚autoritär‘ oder ‚konservativ‘ kontraproduktiv und sollte ersetzt werden durch eine differenzierte bertrachtung, wo das handeln eines einzelnen eine initiale wirkung entfaltet und wo politische ziele nur als kollektive sozialbewegung erreicht werden können; auch ein Robin Hood hatte ja schliesslich eine Guerillatruppe aus Bogenschützen ;).

kontraproduktiv wird der heldenbegriff dann, wenn man im helden dinge hineinprojiziert, um sie selbst nicht zu machen. wenn man zum beispiel Rosa Luxemburg einmal im Jahr betrauert, aber kein einziges wort von ihr gelesen hat, dann ist das eine form der heldenverehrung, die eben nicht im sinne des emanzipatorischen anliegens ist. nichtsdestotrotz zeigt aber gerade ihr leben, dass linkssein eben auch was heroisches bekommen kann, auch wenn es mehr von ausssen aufgezwungen wird (der [strukturelle] zwang der umstände), als das es aktiv angestrebt wird. aber man muss sich eben der tatsache bewusst sein, dass Revolutionär sein nicht der bequemste weg ist, um sein leben zu fristen. von daher ist die entscheidung zum ‚links sein‘ schon an sich was heroisches.

um ein fazit zu ziehen: der heldenbegriff steht nicht im widerspruch zu ‚linken‘ gedanken, aber er ist nur ein element in der geschichtlichen transformation. genauso wie organisation und bewegung kein widersprich sind, so sind auch individualität und kollektives handeln kein widerspruch, sondern bedingen sich gegenseitig, um den grossen wurf (den tigersprung in der[n] geschichte[n]) wirklichkeit werden zu lassen

Ein Kommentar zu “Stehen ‚Helden‘ im Widerspruch zu ‚linken‘ Gedanken?

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