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Thesen zum Blockbuster-Film

was macht einen ‚erfolgreichen‘ film aus?

die frage erscheint auf dem ersten blick einfacher, als sie in wirklichkeit zu beantworten ist. und an dieser stelle würde ich zugleich mit einer ersten ‚these‘ beginnen wollen: es gibt kein ‚rezept‘, sehr wohl aber ‚zutaten‘. was sind das für zutaten?

ein film wirkt in erster linie als ‚gesamtkunstwerk‘. das heisst story, special effects, charaktere und schauspieler (als persönlichkeiten) wirken zusammen. es hätte wenig sinn zu sagen, ein film sei mist, aber der oder die schauspieler(in) seien prima darin gewesen. als beispiel dafür fällt mir da das „fünfte element‘ ein; Bruce Willis ist sicherlich ein guter schauspieler, aber der film ist durch seine ‚überdrehte komik‘ alles andere als unterhaltend, sondern eher nervig. auf der anderen seite wäre es auch ziemlich müßig, sich einen superplot auszudenken, aber die hauptrolle mit einem schauspielstudenten im ersten semester zu besetzen. wären die ‚indiana jones‚-filme so bekannt, wenn der charakter nicht von Harrison Ford gespielt worden wäre? wohl kaum, oder?

damit komme ich zu einer zweiten these: ein spanender (unterhaltungs)film erzählt eine geschichte hinter der geschichte. was meine ich damit? als ich zum ersten mal den ‚Herrn der Ringe‘ las, spürte ich intuitiv das hinter der (vordergründigen) geschichte des ringkriegs noch eine viel tiefere mythologie steckt. und auch wenn ich keine weiteren texte von Tolkien gelesen habe (jedenfalls nicht das silmarillion), so bekommt der Herr der Ringe dadurch eine besondere atmosphäre, die dem buch seinen eigenen wert verleiht (jedenfalls in der ‚alten‘ übersetzung von Margaret Carroux). übrigens habe ich später versucht, die erfahrung beim ersten lesen in relativ jungen jahren zu ‚wiederholen‘, was mir natürlich nicht gelang. ein mensch entwickelt sich eben unaufhörlich weiter und obgleich ich mich tiefer mit den mythologischen quellen bei Tolkien beschäftigte, blieb das erste archetypische leseempfinden eine wertvolle erinnerung.

womit gleich eine überleitung zur dritten these stattgefunden hat. ein spannender film weckt archetypische erinnerungen.

„Als Archetypus oder geläufiger Archetyp, Plural Archetypen, bezeichnet die Analytische Psychologie die dem kollektiven Unbewussten zugehörig vermuteten Grundstrukturen menschlicher Vorstellungs- und Handlungsmuster. Das Wort stammt aus griechisch archē, „Ursprung“, mit zugehörigem Präfix archi-, „Ur-, Ober-, Haupt“, und typos, „Schlag, Abdruck“ (nach typein = „schlagen“) und bedeutet also wörtlich etwa „Ur- oder Grundprägung“. Oft wird Archetyp sprachlich ungenau mit Urbild übersetzt, da er sich auch in symbolischen Bildern zeige. Begrifflich eher zutreffend ist das Wort „Urform“.“ (wikipedia)

dieses konzept der zitierung archetypischer urformen findet sich sowohl in star wars (was die form des Märchens reaktiviert) als auch in der indiana-jones-reihe, die quasi das genre des ‚abenteuerfilms‘ wiederbelebt hat. ob dieses konzept auch in der Herr der Ringe-verfilmung funktioniert, da bin ich mir gar nicht mal so sicher. jedenfalls nicht (oder kaum), wenn man nicht die bücher gelesen hat. zwar wird die klassische heldenreise thematisiert und möglicherweise werden auch reminiszenzen an den klassischen ritter- oder mantel und degen-film wachgerufen, aber die mythologischen aspekte bei Tolkien werden in den Filmen nicht angesprochen (und möglicherweise wäre so etwas auch nur schwer umsetzbar gewesen).

Die Stationen der Heldenreise | neue wege wagen

Stationen der Heldenreise (Bildquelle: https://www.neuewegewagen.de/die-stationen-der-heldenreise/)

als vierte these (mit denen ich meine überlegungen abschliessen möchte) würde ich sagen, ein film wird interessant, wenn eine charakterentwicklung dargestellt wird und wie diese charaktere miteinander interagieren. da fällt mir als beispiel natürlich sofort die Harry Potter-reihe ein. obwohl ich altersbedingt nicht vom Harry Potter-hype angesteckt war (obgleich ich durchaus ein fantasy-fan war) und auch die bücher nie gelesen habe, ist das thema charakterentwicklung das thema bei Harry Potter! (Ich kann die Harry Potter-besprechungen von Yves Arievich bei you tube empfehlen).

und was die interaktion der charaktere betrifft, da ist für mich das krasseste beispiel Leon-der Profi. wie ein junges Mädchen (na ja, vlt etwas frühreif 😉 ) und ein hartgesottener Auftragskiller (mit weichem Kern 😉 ) in einem film zusammen funktionieren können, ist für mich ein kleines wunder. (allerdings ist Jean Reno auch eine Klasse für sich!)

sicherlich könnte man diesem film den vorwurf machen, die gewalt zu ästhetisieren, aber wenn man ehrlich ist, müsste man doch eigentlich zugeben, dass auch gewalt eine archetypische erfahrung ist. oder?!

Schlussthese zur Zukunft des Blockbusters-Films

ich denke, dass mit Marvels Endgame das Blockbuster-Kino seinen höhepunkt gefunden hat. schon die Justice League und die Bearbeitung des Films durch Zack Schneider zeigen, dass damit kein ‚Massenpublikum‘ mehr angesprochen wird (oder werden kann), sondern nur noch interessengeprägte Zielgruppen (also beim Schneider-cut muss man schon ein hard core DC-comicfan sein; was aber keine aussage über den kommerziellen erfolg beinhalten soll). diese these korrespondiert auch mit der zunehmenden fragmentierung der gesellschaft durch das wegfallen verbindlicher wertvorstellungen [bitte nicht mit der unsäglichen ‚Leitkultur‘ verwechseln!], die die medienlandschaft in eine nischenwelt zerfilterbläst. erschwerend kommt noch hinzu, dass durch die corona-krise die filmwirtschaft sich vom kino weg hin zu den streaming-diensten umorientieren muss, was noch mal zusätzlich der kommerzialisierung vorschub leistet.

von daher vermute ich, dass die filme in zukunft mehr wert legen auf charakterstudien und menschliche Konflikte und (beziehungs)situationen [Dramen] und von vorherein bestimmte zielgruppen ansprechen sollen und kein anonymes Massenpublikum mehr, welches nichts (mehr) miteinander verbindet – ausser eben diese archetypischen erinnerungen.

der action-film als klassische popcorn-unterhaltung wird aber sicher seinen festen platz in der (populär)kultur behalten. aber neben demolierten autos darf aber gern eine prise geist und witz durchaus dabei sein. 😉

3 Kommentare zu “Thesen zum Blockbuster-Film

  1. Die Frage ist, was Du mit erfolgreich meinst. Ich dachte dabei an kommerziellen Erfolg. Oder meinst Du einen Film, der subjektiv betrachtet, gelungen ist. Gäbe es ein Rezept dafür, gäbe es nur erfolgreiche Filme. Zutaten gibt es in der Tat, doch ob dabei auch ein erfolgreicher Film entsteht, ist fraglich. Ich liebe „Das Fünfte Element“, aber das ist halt Geschmackssache. „Indiana Jones“ sollte ursprünglich von Tom Selleck gespielt werden & wäre sicher nicht so erfolgreich geworden wie mit Harrison Ford. Eine Mythologie hilft sicher, damit sich die Welt des Films für den Zuschauer ausfüllt. Figuren sollten im Lauf der Handlung eine Entwicklung durch machen. „Avengers: Endgame“ war mit dem Erfolg an der Kinokasse sicher der letzte große Blockbuster, bedingt durch Kino Schließung & Streaming. Der „Snyder Cut“ war immer für ein Nischen Publikum gedacht. Ich hoffe, daß Independent Filme überleben werden. Action Filme gibt’s bereit auf Streaming Diensten, aber „Fast & Furious 9“ ist natürlich ein Kino Erlebnis, sobald sie wieder öffnen dürfen.

    • tatsächlich dachte ich nicht an kommerziellen erfolg, sondern an künstlerisch gelungen; wobei ich zugebe, dass da eine grosse subjektive interpretationsbreite vorliegt oder vorliegen kann

      Tom Selleck als indy wäre für mich kaum vorstellbar 😉

      ansonsten danke für deinen kommentar, lieber James 🙂

  2. Einleitung, Hauptteil & Schluss sollten mit Spannungsbogen & Wendungen versehen werden. Humor selbst bei ernsten Themen zählt, Skript sollte aktuelle Themen reflektieren, schöne Stimmung erzeugen, um beim Zuschauer Anklang zu finden. Der Handlung folgen zu können & sich in den Figuren wieder zu finden ist wichtig. Timing ist essentiell, um Langatmigkeit zu vermeiden.

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