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König der Comic-Verfilmungen?

nach dem (eher enttäuschenden) schauen von the suicide squad habe ich mich dazu durchgerungen, etwas zum verhältnis von DC und Marvel zu schreiben; ein thema, welches mir schon etwas länger durch den kopf geht. ich werde natürlich nur meine persönlich meinung wiedergeben und ich werde nicht in ‚richtig‘ oder ‚falsch‘ (oder besser oder schlechter) unterscheiden, sondern ’nur‘ versuchen, die ästhetische wirkung zu beleuchten.

dabei will ich nicht verhehlen, dass ich eher zur Marvel-fraktion gehöre und mir die ‚düstere‘ atmosphäre der DC-filme nicht so gefällt. allerdings bin ich mir völlig bewusst, dass es leute gibt, denen genau das gefällt; und das ist natürlich auch völlig in ordnung. das nur zur klarstellung! (the dark knight ist auch für mich ein meisterwerk!)

da ich die Guardians of the Galaxy ziemlich gut fand, hatte ich gehofft, dass the suicide squad zumindest ansatzweise damit ‚vergleichbar‘ sein würde. diese hoffnung wurde allerdings ziemlich schnell zunichte gemacht. beide projekte haben fast nichts gemeinsam, ausser eben den selben regisseur.

ob es an den unterschiedlichen konzepten von Marvel und DC liegt, wage ich nicht zu sagen. denn auch die Guardians sind dermassen als comic-persiflage umgesetzt, dass es kaum an mangelnder künstlerischer freiheit gelegen haben kann, dass die Guardians immer noch gut in die ‚Marvel-formel‘ reinpassen, während suicide squad völlig chaotisch-anarchisch nur einer regel folgt: alle regeln sind dazu da, um sie zu brechen. und diese nihilistische philosophie ist nicht meine!

dabei ist die technische machart von suicide squad wirklich beeindruckend. einige kampfsequenzen von Harley Quinn könnten mit jedem asiatischen kung fu-film locker mithalten, aber wenn diese mit einer völlig unpassenden musik unterlegt sind und statt blut blumen regnen, dann neutralisiert die inszenierung die wirkung dieser sequenzen selber. mich hat das wirklich sehr geärgert!

Margot Robbie spielt die rolle der Harley Quinn sehr überzeugend (Bildquelle: wiki)

natürlich kann man sagen, dass comic-verfilmungen nun mal keine fantasie-grenzen kennen, aber wenn nun jeglicher realitätsbezug gekappt wird, dann verliert auch der film seine bedeutung und wird beliebig. das passt zwar gut zur postmoderne und zum spätkapitalismus, wird aber dadurch künstlerisch nicht besser.

selbst eine völlig ‚abgedrehte‘ figur wie Rocket Racoon hat immer noch irgendwo das herz auf dem rechten fleck und man kann sich mit ihr identifizieren. während King Shark oder Weasel einfach nur bedauernswerte Monstrositäten sind. wer sowas lustig findet, sollte vlt. doch mal über seinen moralischen kompass nachdenken.

zwar kompensiert der film (bis zu einem gewissen grad) diese moralischen schwächen im schlussteil durch den hinweis, dass die monströsen versuche in Jotenheim von der US-regierung gedeckt waren, aber anstatt die beweise an die Öffentlichkeit zu bringen, verwendet Bloodsport sie, um die freilassung des rest-einsatzteams zu erzwungen. was natürlich eine sehr individualistische ‚lösung‘ ist, aber eben keine ‚politische‘. das einzige, was mir ein innerliches fest war, dass Waller so richtig eins in die Schnauze von einer Mitarbeiterin bekommen hat! 🙂

Yves Arievich meinte im einem youtube-video, dass suicide squad dazu führen könnte, das DC das rennen gegen Marvel doch noch gewinnen könnte. mir ist diese these ein bisschen zu gewagt. zwar stimmt es, dass das Konzept vom MCU dazu führt, dass die einzelnen filme stärker in einen gesamtplan eingebunden werden, während DC-filme stärker für sich stehen (können). aber was auf der einen seite als schwäche erscheinen mag, kann sich auf der anderen seite auch wieder als stärke erweisen. zumindest bislang haben die fans den ’seriencharakter‘ der Marvel-filme nicht übel genommen.

ich vermute zwar auch, dass es für Marvel nicht leicht sein wird, an den erfolg der Avangers-filme (kommerziell) anzuknüpfen, aber das konzept des multiversums bietet so viele kreative möglichkeiten, dass es mir um das MCU nicht wirklich bange ist. und vlt. tut die scharfe konkurrenz von DC der Marvel-produktion sogar gut! 😉

(kommerziell ist the suicide squad allerdings bislang ein flop, was sicherlich mit corona und streaming-plattformen zusammenhängt. ob es auch ein künstlerisches urteil darstellt, dürfte schwer zu beantworten sein)

Wolfgang M. Schmitt sagte sinngemäss in einer Kino+diskussion (von 2018) zum thema blockbuster, dass der kapitalismus bei aller kritik immer auch eine gewisse rest-rationalität behalten muss. darum kann es sich auch immer flexibel anpassen. und man kann nur hoffen, dass sich diese rest-rationalität auch auf die film-produktionen auswirkt. ob sich allerdings der ‚Massen-geschmack‘ auch ändern kann, – diese frage bleibt weiterhin offen; und ist vlt. sogar die kernfrage jeglicher system-transformations-überlegungen.

auf alle fälle, ist es zu früh zu sagen: der könig ist tot, es lebe der könig!

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