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Franchise und Fandom

Ökonomische Aspekte der Kulturproduktion

Perry Rhodan (Bildquelle: transgalaxis)

ich habe mich in letzter zeit ein bisschen mit der geschichte und der fankultur um die Perry Rhodan-romane beschäftigt. obwohl ich die Perry Rhodan-geschichten selbst nie gelesen habe, würde ich mich aber schon als Science fiction-fan bezeichnen. mir geht es aber hier nicht um eine bewertung der literarischen qualität der texte, sondern mir geht es um die frage, in welchem verhältnis das fanwesen zur herstellung der künstlerischen produkte steht. dabei ist der unterschied zwischen text, hörbuch oder film meines erachtens zu vernachlässigen, denn, solange es sich nicht um hobbyprojekte handelt, ist die kunstproduktion auch immer an den kommerziellen erfolg geknüpft. dabei sei unbestritten, dass der technische und personelle aufwand für einen film ungleich grösser ist als für einen roman oder ein hörbuch, aber wenn die stoffe nicht ihre konsumenten finden, war der aufwand vergebens – jedenfalls, was den ökonomischen aspekt betrifft (genauso wie eine x-beliebige ware, die keinen käufer findet).

nun kann ich als kleiner blogger natürlich leicht sagen, dass ich meine texte hauptsächlich zu meinem eigenen vergnügen schreibe und mir die klickzahlen relativ wurscht sind. aber ehrlich – so ganz stimmt das nicht! ich freue mich schon, wenn die klickzahlen mal etwas höher sind als die durchschnittswerte. meistens passiert das, wenn ich einen neuen artikel hochlade oder an feiertagen und wochenenden, wenn die leute mehr zeit zum surfen haben. aber trotzdem setze ich mich dadurch nicht unter (erfolgs)druck, sondern schreibe nur dann, wenn ich lust dazu habe. aber sowas kann man nur machen, wenn man das als hobby betreibt. ein verlag oder eine filmfirma muss hingegen knallhart kalkulieren, bevor sie ein projekt von der leine lassen kann. und ich möchte nicht wissen, was man bei einer fimproduktion alles beachten muss und was dabei alles schief gehen kann. und natürlich wollen diese produktionsfirmen das finanzielle risiko so gering wie möglich halten.

„Etwas Bornierteres als den Zeitgeist gibt es nicht. Wer nur die Gegenwart kennt, muß verblöden.“ (Hans-Magnus Enzenzberger, zit n. Wikipedia)

das probate mittel, dieses risiko gering zu halten, wäre es natürlich, möglichst den zeitgeist zu bedienen. das problem ist nur, einen einheitlichen zeitgeist gibt es nicht und nur die wenigsten produkte werden nur für (hardcore)fans produziert. dies geschieht schon allein aus ökonomischen gründen, denn eine käuferschicht nur aus fans würde vermutlich für die refinanzierung nicht reichen. schon aus diesem grunde müssen die firmen und produzenten ein breiteres publikum ansprechen. dies geschieht zum einen, dass eine grosse altersbreite angesprochen wird, die gestaltung möglichst familientauglich gehalten wird und strittige themen möglichst aussen vor gehalten werden. wer jetzt an Marvel– und Disney-filme denkt, mag damit recht haben.

aber es gibt auch eine gegentendenz. wenn film- und roman-konzepte zu sehr nach einheitsbrei wirken, werden sie auch schnell langweilig und geben zu wenig anregung, um sich geistig weiterzuentwickeln. die kulturentwicklung muss also auch immer ein gewisses innovationspotential enthalten. die innovation findet aber wiederum ihre gegentendenz in der suche nach beständigkeit und kontinuität, die wiederum in der identität begründet liegt. denn alles, mit dem wir uns identifizieren (und manchmal sogar lieben) wird zu einem teil von uns selbst.

dies eingedenk lässt sich schlussfolgern, dass die fans schon einen grossen einfluss auf den kulturschaffensprozess haben (man denke z. b. an den Snyder-cut, der eine reaktion auf fanproteste war). aber niemals können die produkte sich auf reinen fan-service beschränken. denn sie brauchen auch immer die chance, sich (inhaltlich) weiterentwickeln zu können … oder auch in grund und boden kritisiert zu werden. oder in den worten von alt-meister Goethe:

„(…) denn alles, was entsteht,
Ist wert, daß es zugrunde geht“

(ob das allerdings auch für Perry Rhodan-romane gilt, weiss ich nicht. aber Science fiction wird wohl immer eine zukunft haben 😉 )

6 Kommentare zu “Franchise und Fandom

  1. Also lass ich einen Klick hier, weil ich den Text wirklich gelungen finde. Bin auch Abonnent dieses Blogs, aber kein Fan, denn Fans sind Claqueure des eigenen Geschmacks: und ein Geschmacksurteil allein ist mir zu wenig. Es muss immer ein wenig Ehrfurcht vor dem entstandenen Werk entstehen, eine Art ästhetische Differenz dann bleibt Fandom aussen vor.

    • danke für dein like. da mein blog recht klein ist, sind feedbacks für mich eine recht seltene erfahrung.
      mit deinem kommentar bin ich inhaltlich weitgehend einverstanden, wobei mir der ausdruck ‚ästhetische differenz‘ nicht ganz klar ist. der begriff ‚ehrfurcht‘ ist ein bisschen altbacken, aber ich denke, ich weiss, was du meinst. nicht einverstanden bin ich damit, das fantum rundherum als ’negative‘ erscheinung abzutun. ich gebe aber zu, dass ich den begriff ‚fan‘ ein bisschen unkritisch verwendet habe im sinne von ‚etwas mögen‘. eine gewisse kritische distanz ist natürlich immer vonnöten. ich glaube, das ist auch die bedeutung von ‚ästhetische differenz‘.

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