Grundzüge einer synthetischen Theorie des Stalinismus (Thesen)

für A. Danke! :-)


„Ein Problem kann nicht auf derselben Bewusstseinsebene gelöst werden, auf der es entstanden ist“ Albert Einstein

Grundzüge einer synthetischen Theorie des Stalinismus (Thesen)

Alles fängt an mit der vorstellung einer einlinigen geschichtsentwicklung.
Diese Vorstellung stammt aber nicht von Marx,
sondern aus dem ideologischen M/L.
Marx hatte keine einlinige Geschichtskonzeption.
Es gibt auch parallele Entwicklungen in der Geschichte.
Eine Parallelentwicklung ist die Asiatische Produktionsweise (APW).
Die APW beruht darauf, daß der Staat gesamtgesellschaftliche Aufgaben übernimmt;
zum Beispiel große Bewässerungsanlagen.
Für einen Einzelnen wären solche Projekte zu gewaltig;
so etwa kann nur ein kollektiver Organismus vollziehen.
Für diese gesamtgesellschaftliche Funktion heimst der Staat einen teil des Mehrprodukts der Arbeiter und Bauern und der Unterklassen ein.
Die herrschende Klasse dieses kollektivistischen Staates ist die Bürokratie und Technokratie (Manager);
Deren Herrschaft beruht einmal auf der geamtgesellschaftlichen Funktion der sozialen Planung und Verwaltung.
Zum anderen auf der Trennung von Hand- und Kopfarbeit.
Der große Fehler der orthodoxen Theorie besteht darin, daß sie einer Mystifikation auf dem Leim gegangen ist.
Sie hat nämlich die Eigentumsform (eine Rechtsform) mit der realen Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel verwechselt.
Durch diese Verwechselung wurde der Mythos des proletarischen Klassencharakters der SU aufrechterhalten.
Obwohl Trotzki selbst die vollständige Entrechtung des Proletariats erkannte.
Er konnte diesen Widerspruch nur mit einem doppelten Trick pseudo-rationalisieren:
einmal die Verwechselung von Eigentumsform und realer Verfügungsgewalt;
zum anderen seine Analogie zum bürgerlichen Bonapartismus,
die Trotzki dazu brachte, eine herrschende Klasse könne auch ent-macht sein…
und trotzdem blieben die entsprechenden Produktionsverhältnisse bestehen.
Für die bürgerliche Gesellschaft stimmt das auch,
weil sich die Wertvergesellschaftung auch hinter dem Rücken der Gesellschaftsglieder (unbewußt) durchsetzt.
Für einen „Arbeiterstaat“ stimmt das aber nicht, weil ein „Arbeiterstaat“ die bewußte Kontrolle über die
gesellschaftlichen Prozesse bedeutet…
und die wirkliche Aneignung des ganzen Lebensprozesses durch und für die Gesellschaftsglieder (freie Assoziation).
ein Arbeiterstaat ist also auch ein Staat, der von Anfang an, auf seine eigene Aufhebung hinwirkt.
Dies ist nur möglich, wenn die Massen selbst die Verwaltung ihrer eigenen Interessen in die eigenen Hände nehmen.

Der große Fehler der orthodoxen Trotzkisten war und ist es, zu glauben
es gäbe zum „deformierrten Arbeiterstaat“ nur die
Alternative der Rückkehr zum Kapitalismus.
Dies ist aber falsch und erwächst aus der einlinigen Geschichtsauffassung.
in Rußland gab es gar keinen organischen Kapitalismus;
er wurde von außen der russischen gesellschaft auf-oktroyiert.
die russische Bourgeoisie war nur ein Anhängsel des Zarismus.
Der Zarismus war aber geprägt vom erbe der orientalischen Despotie in Rußland.
so wurden Leibeigene in staatliche Wirtschaftsprozesse hineingezwungen,
was eine Form der Staatssklaverei bedeutet, wie sie auch in den archaischen formen der APW bekannt waren.
Dieser Staatsdespotismus wurde unter Stalin restauriert.
auf diese Gefahr hatte schon Plechanow auf dem Stockholmer Parteitag hingewiesen.
und Lenin war die Frage nach der Bedeutung des asiatischen Erbes für Rußland bekannt…
Da es kein bürgerlich-demokratisches Erbe in Rußland gab,
konnte es auch kein proletarisch-demokratisches Kulturniveau der Massen geben.
Die bolschewistische Partei substituierte sich für die Arbeiterklasse als Ausführerin des historischen Fortschritts.
Auf die Gefahr des Substitutionalismus haben sowohl Trotzki als auch Rosa Luxemburg 1904 hingewiesen,
gegen das Konzept Lenins in „Was Tun“….
Insofern ist man berechtigt, im leninistischen Parteikonzept eine ideologische Wurzel des Stalinismus wahrzunehmen.
Natürlich wurde der wahre Geist Lenins vom Stalinismus vergewaltigt,
aus einem lebendigen Revolutionär wurde eine tote Ikone,
die man wie einen Pharao mumifizierte und in einem Mausoleum ausstellte;
Aus der lebendigen revolutionären Theorie wurde eine dogmatisch-ideologische Legitimationsfratze…
Die Totenmaske Lenins als „Schutzschild“ vor Kritik von links, die kriminalisiert wurde.
die Linke Opposition wurde im Gulag ent-sorgt…die GPU wurde zur Prätorianer-Garde der bürokratischen Konterrevolution;
der Geheim-dienst mußte das schreckliche Geheimnis ihres Schreckensregime vor sich selbst und den Massen geheimhalten.

Die ökonomische Funktion des Staatskollektivismus ist die nachholende Industrialisierung unterentwickelter Länder.
Insofern kann man die Oktoberrevolution als antiimperialistische oder antikoloniale Revolution bezeichnen.
die Bürokratie stellt eine herrschende Klasse dar, auf der Grundlage einer neuen, eigenständigen Produktionsform,
die strukturelle Ähnlichkeit mit den Grundzügen der APW hat…

Der Stalinismus hat eine höhere Form der Verstaatlichung der Produktionsmittel realisiert.
Um den Preis der vollständigen Entmündigung der Arbeiterklasse.
Stalin war nur das Werkzeug einer historischen Tendenz.
Sein Charakter war dazu fähig, statt moralischer Prinzipien–der Verpflichtung, für die vollständige Befreiung aller Unterdrückten zu stehen–,
eine prinzipienlose Machterhaltungspolitik durchzuführen…
die welthistorischen Auswirkungen, die sein Handeln auf die zukünftige(n) Emanzipationsbewegung(en) der Linken
haben könnte, waren ihm egal…so weit konnte er nicht denken…, sein geistiger Horizont war der eines bauernschlauen Empiristen…,
der mal gerade dem geistigen Niveau der Leibeigenschaft entstiegen war.

7 Kommentare zu “Grundzüge einer synthetischen Theorie des Stalinismus (Thesen)

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  4. „Die nominalsozialistischen Staaten waren weder staatskapitalistisch, noch staatssozialistisch, noch Übergangsgesellschaften, sondern strukturell:
    etatistische Mischgesellschaften
    und historisch:

    Abzweiggesellschaften ohne Entwicklungstendenzen hin zum oder weg vom Sozialismus.
    In einen Land isoliert kann es auch gar kein Sozialismus geben und Kapitalismus kann es ohne eine kohärente herrschende Klasse nicht geben. Die Machtelite und ihre Apparate in den nominalsozialistischen Staaten waren Quasi-Klasse, Klassensurrogat, Klassensekretion und funktionale Klasse in einem, wie es Hillel Ticktin; Hansgeorg Cohnert und Theodor Eggert treffend charakterisierten. Aber eben keine kohärente Klasse, woran sie auch in der faktischen Konkurrenz mit den konkurrenzimmanenten Weltkapitalismus zugrunde gingen.

    Allerdings gab es aufgrund der nicht zu Ende geführten sozialistischen Revolution von 1917 sowohl embryonale Elemente von Sozialismus und aufgrund der gleichzeitigen Existenz des Weltkapitalismus: restaurativ-kapitalistische Elemente.

    Mitte/Ende der fünfziger Jahre verstärkte die sowjetische Führungsspitze diese restaurativen Elemente voluntaristisch durch die vorauseilende Unterordnung unter den Weltkapitalismus mit der Illusion friedlicher Koexistenz (Revisionismus).

    Auch Ernesto Che Guevara erkannte diese „Komplizenschaft mit den Imperialismus“ durch die Sowjetunion (seine letzte öffentliche Rede: Trikontinentale in Algier) und die auch von ihn erkannte Unmöglichkeit des Sozialismus in eine Land. Auch wenn seine verfehlte Konsequenz daraus untauglich und zum Scheitern verurteilt war, dies ohne soziale Basis vom Reißbrett aus in den Bergen Boliviens umsetzen zu wollen, methodisch falsch war, so besteht die Notwendigkeit Revolutionen nach ihren Erfolg auch auf andere Länder auszuweiten nach wie vor.

    SOZIALISMUS ODER BARBAREI“

    http://www.trend.infopartisan.net/trd0411/t330411.html

  5. Pingback: Ein paar Überlegungen zur revolutionären Strategie « Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich! - Debatte zur Neugruppierung der radikalen Linken

  6. durch die rezension eines romans von Ismail Kadare „die Pyramide“ (http://www.fischerverlage.de/buch/die_pyramide/9783100384102) von einer FB freundin habe ich erfahren, dass die tochter von Enver Hoxha tatsächlich eine pyramide als mausoleum für ihren vater erbauen liess. heute dient diese pyramide als museum http://de.wikipedia.org/wiki/Enver-Hoxha-Museum
    allerdings liegen auch pläne vor, das ding abzureissen (stand: juli 2013) – ein wertvolles historisches denkmal für menschlichen grössenwahn würde dadurch vernichtet werden

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