marxismus und religion

zunächst mal gilt es festzuhalten, daß marxisten die religion als privatsache ansehen, d. h. jeder kann seine religiösen gedanken und gebräuche frei ausleben sofern er damit nicht in irgendeiner weise die interessen und bedürfnisse anderer menschen tangiert.
und da wird man in einer zivilisierten gesellschaft mit sicherheit lösungen und kompromisse finden.

zur frage reaktionär oder progressiv

es gibt dazu eine berühmte passage von marx:

„Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.

Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über einen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist.“
(karl marx, einleitung zur kritik der hegelschen rechtsphilosophie)

also nach marx drückt also die religion sowohl das elend aus (ist also reaktionär) ist aber auch gleichzeitig protest gegen das elend (das ist die progressive seite). etwas was gleichzeitig sowohl progressiv als auch reaktionär ist nennt man ambivalent. diese ambivalenz hat dazu geführt, daß es in der geschichte sehr wohl religiös motivierte bewegungen gab, die revolutionär waren. thomas müntzer, die wiedertäufer…und auch katholische priester in südamerika, die sich der guerilla angeschlossen hatten. natürlich widerspricht die religiöse form dem materialismus, aber wenn gläubige menschen gegen ungerechtigkeit und elend kämpfen, habe ich kein problem damit, mich solidarisch zu erklären. ob sie an gott glauben oder an den urknall, wenn der kampf in die richtige richtung geht kann das doch nur gut sein. (wenn ich nicht völlig falsch informiert bin haben sich buddhistische mönche an der saighoner kommune 1945 in vietnam beteiligt. ein aufstand der unter führung von anhängern der vierten internationale stattfand)

stirbt die religion ab?

ob die religion in einer kommunistischen gesellschaft abstirbt? ich weiß es nicht, aber ich glaube eigentlich nicht; sie wird nur andere formen entwickeln. die religion gehört m. E. zur bedürfnis-grundausstattung des menschen und wird dementsprechend bleiben. sie wird nur alle relikte des knechtischen und persönlichkeitszerstörenden ablegen und alle merkmale des freien individualität tragen, die in der kommunistischen gesellschaft ihre volle entfaltung finden können. über die freie individualität schreibt marx:

„Setze den Menschen als Menschen und sein Verhältnis zur Welt als ein menschliches voraus, so kannst du Liebe nur gegen Liebe austauschen, Vertrauen nur gegen Vertrauen etc. Wenn du die Kunst genießen willst, mußt du ein künstlerisch gebildeter Mensch sein; wenn du Einfluß auf andre Menschen ausüben willst, mußt du ein wirklich anregend und fördernd auf andere Menschen wirkender Mensch sein. Jedes deiner Verhältnisse zum Menschen – und zu der Natur – muß eine bestimmte, dem Gegenstand deines Willens entsprechende Äußrung deines wirklichen individuellen Lebens sein.“
(karl marx, ökonomisch-philosophische manuskripte, herv. von mir)

es geht also darum, zu sich selbst, zu seinen mitmenschen und zur natur ein wahrhaftiges verhältnis zu entwickeln und das ist m. E. sowohl mit einem religiösen als auch mit einem materialistischen weltbild vereinbar.

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