Kierkegaard und der GEIST

vorbemerkung: dieser post ist eine antwort auf unterschiedliche einschätzungen über die bedeutung des opportunismus im massenbewußtsein auf einen user des „sozialistischen forums“. dort erschien er unter dem titel „kierkegaard und philzer“ [dies ist der nick des users].

systemcrash

wir alle suchen die geistige heimat, die allen in die kindheit scheint —in memoriam Ernst Bloch

Kierkegaard und der GEIST

Versuch über Opportunismus und Bewußtseinsstadien

ich bin durch zufall auf den philosophen kierkegaard gekommen.

vielleicht bin ich ja auf der falschen spur, aber irgendwas sagt mir, der könnte hilfreich sein, die mißverständnisse über die unterschiedlichen einschätzungen von massenopportunismus und bewußtseinsevolution etwas kleiner werden zu lassen.

zufälle haben ja oft einen tieferen sinn—zumindest behauptet dies c. g. Jung in seiner theorie der synchronizät von ereignissen, die–häufig über umwege–aber einen inneren zusammenhang offenbaren.

ich hoffe, auch herr kierkegaard offenbart uns einen inneren zusammenhang mit philzers rationalität.

kiergekaard ist ein gegner von hegel, ein geistiger begründer des existentialismus.
er betonte die bedeutung des individuums.
es gibt keine wahrheit, sondern wahrheiten.
sujektive wahrheiten, die für das eigene leben bedeutung haben.
und weil sie für unser leben bedeutung haben, haben wir kein rationales verhältnis zu ihnen, sondern ein leidenschaftliches.

diese leidenschaft ist kein intellektueller diskurs.
es ist ist eine frage auf leben und tod—vielleicht nicht für die gesellschaft, aber für den einzelnen.

objektive wahrheiten–1+1=2, die winkelsumme eines dreiecks beträgt 180°–umtreiben uns nicht, sie berühren uns nicht, sie haben keine existentielle bedeutung für uns.

wenn wir ins wasser fallen und uns das ertrinken droht, denken wir nicht über die chemische zusammensetzung des wassers nach…wir kämpfen einfach um unser überleben…instinktiv, ohne nachdenken, aus dem bauch raus.

wenn wir von einem pfeil getroffenn werden, denken wir nicht über die beschaffenheit des schaftes oder ob er wohl vergiftet sein mag oder im welchem winkel er ins fleisch eingedrungen ist nach—wir wollen einfach, daß uns jemand hilft, den pfeil rauszuziehen und die wunde versorgt.

wir wissen nicht, ob uns ein mensch verziehen hat, dem wir vielleicht ein unrecht zugefügt haben.
wir wissen nicht, ob uns ein anderer mensch gern hat, in den wir uns vielleicht verliebt haben.
wir denken nicht nach über biochemie, wenn wir das erste mal im leben ein mädchen oder einen jungen küssen.

alle diese fragen sind existentielle fragen, nicht verstandesfragen—darum können wir sie auch nicht (nur) mit dem verstand beantworten.

dies ist leidenschftliche existentielle haltung…

dieses gedankenexperiment hat kierkegaard auch auf bewußtseinsstufen angewandt.

er unterschied drei verschiedene stadien.

das erste stadium ist das ästhetische stadium.

im ästhetischen stadium leben die menschen nur nach ihren sinnlichen bedürfnissen. sie genießen den augenblick und wollen so viel wie möglich konsumieren und erleben.
wie süchtige freizeitfreaks, die nicht genug kicks bekommen können, um ihren adrenalinspiegel permanent über den tag hoch zu halten.

das wesentliche kennzeichen des ästhetischen stadiums ist konformismus, ein gleichförmiges massenbewußtsein und eine meist belanglose geschwätzigkeit.

aber dieses ästhetische stadium hat auch seine schattenseiten.

es weist nämlich auf eine große leere hin, die diese menschen umtreibt.
diese leere wollen sie betäuben: mit konsum und rausch, mit orgien und dauerparty.
aber die innere leere läßt sich langfristig nicht verdrängen oder verleugnen. sie kommt immer wieder an die oberfläche und will ans tageslicht.

die reaktion des individuums darauf ist angst.

angst ist ein äußerst negatives gefühl.

aber angst bringt das individuuum auch in eine existentielle situation. eine situation, die nicht nur mit dem verstand gelöst werden kann, sondern mit seiner ganzen leidenschaft, mit seinem willen, mit seinen inneren kräften.

er steht vor einer wahl und einer entscheidung: will ich mein leben vertändeln oder will ich mein leben einem höheren ziel widmen?

wobei diese frage schon eine erhebliche intellektuelle distanz zu seinem eigenen SELBST voraussetzt.

wenn er/sie sich für das höhere ziel entscheidet beginnt das zweite stadium: das ethische stadium

im ethischen stadium widmen wir uns zielen, die für uns eine ethische begründung haben.

alten oder kranken helfen.
kindern rechnen und schreiben beibringen.
warme suppe für obdachlose kochen.
………………

oder sich für politische ziele einsetzen
für die weltrevolution
oder die heilslehre des neoliberalismus

all dies sind beispiele für das ethische stadium

aber irgendwann spürt man, daß auch dieses ethische stadium nicht alle drängenden fragen des individuums lösen kann.

und es beginnt das dritte stadium: das religiöse stadium.

im religiösen stadium geht es nicht mehr um richtig oder falsch oder ob man die jacke oder die hose anzieht.
über diese fragen ist man längst hinausgewachsen.

es geht um existentielle fragen.

und existentielle fragen sind nicht (nur) mit dem verstand zu lösen.

es geht darum, sich zu seiner eigenen existenz und zum sein zu verhalten.

die frage zu beantworten, ob unser leben einen sinn hat, ob es für die existenz einen grund gibt und ob alles irgendwo hinführt.

auf diese fragen gibt es keine rationalen antworten.

sie erfordern vertrauen und glaube.

vertraue und glaube ist nicht die ausschaltung des verstandes. aber der verstand kann die fragen der existenz, der ewigkeit, der unendlichkeit, der göttlichkeit der natur nicht umfassen.

dies kann nur der glaube—ein grundsätzliches vertrauen und die erfahrung des eingebundenseins in eine kosmische ordnungsstruktur, in prinzipien, die unser leben bestimmen, die unser eigenen existenz einen sinn verleihen.

diesen sprung in den glauben kann nur jeder für sich selbst vollziehen.

niemand kann einem die antworten der eigenen existenz abnehmen.

wir selbst sind für unser SELBST verantwortlich—wenn es eine „moralische instanz“ gibt, dann ist es das göttliche, nach dessen prinzipien wir unser eigenes leben ausrichten.

schutz der natur und nachhaltiger umgang mit ihren ressourcen

schutz und verteidigung der schwachen, unterdrückten, kranken, kinder und jugendlichen

unerschütterlicher einsatz für frieden, gerechtigkeit, gleichschätzung aller menschen und die entfaltung der wahren persönlichkeit aller menschen

dem eigenen leben einen sinn und halt geben durch den leidenschaftlichen einsatz für seinen glauben und seine verwirklichung in der menschlichen gesellschaft

ist dieses religiöse stadium so weit weg von der inbrunst und der leidenschaft, mit der kommunisten seit einigen jahrhunderten für eine bessere und humanere gesellschaft kämpfen?

ich glaube nicht!

in diesem sinne hoffe ich, daß alle menschen-ob christen, buddhisten, esoteriker, ökologen, feministen oder marxisten–, alle, die ein interesse an einer besseren welt haben, die gemeinsamkeiten in ihrem weltbild erkennen und so auch besser gemeinsam dafür kämpfen können.

so sei es.

#religion #philosophie

Ein Kommentar zu “Kierkegaard und der GEIST

  1. Mit innerer Freude habe ich hier gelesen : Der Glaube ans Eingebundensein läßt sich auf vielen Wegen finden, es obliegt jedem selbst zu suchen oder sich finden zu lassen…..
    Der Schritt ins „Ja“ gleicht mir dem Sprung, mit weit offenen Sinnen, in einen Abgrund, Vertrauen in was, in wen ? In ein Nichts, dass trägt ?

    @ Nietzsche
    Ich bin eine Frau
    eine Bauersfrau bin ich
    halte Decartes für eine
    exquisite Speisenfolge
    denke in meiner Tonne

    auf dem Marktplatz
    an deinen Namen
    buchstabieren
    kann ich ihn nicht

    in mir ist genügend
    Chaos um einen
    tanzenden Stern wie
    dich zu gebären und

    ich bleibe auch heiter über die
    Gewissheit meines Todes
    bis dahin brate ich
    Eier
    unsichtbar natürlich

    eine Frau bin ich

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