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Materialzusammenstellung zur ‚Geschlechter-Differenz‘

(alle angaben sind dem buch entnommen: Rullmann/Schlegel, Frauen denken anders, Suhrkamp 2000)

0. Statt eines Vowortes. Übersicht über andere Texte, die einen inhaltlichen Bezug haben:

A) aktuelle Genderdebatte im NAO Prozess

http://www.nao-prozess.de/blog/ist-vergewaltigen-maennliches-doing-gender/ (DGS)

http://www.nao-prozess.de/blog/wieso-die-bekaempfung-von-sexismus-fuer-eine-antikapitalistische-organisation-keine-zusatzaufgabe-sondern-eine-notwendigkeit-ist/  (hilton)

http://www.nao-prozess.de/blog/duerfen-kommunistinnen-sm-sex-praktizieren/ (systemcrash)

http://www.nao-prozess.de/blog/sollten-frauen-auf-die-nettigkeit-von-maennern-vertrauen/ (DGS)

B) Dekonstruktivismus-Kritik

http://www.nao-prozess.de/blog/der-dekonstruktivistische-angriff-auf-die-wirklichkeit-und-den-marxismus/ (systemcrash)

http://www.nao-prozess.de/blog/absage-an-den-autonom-feministischen-poststrukturalismus/ (bronsteyn)

C) Charles Fourier

http://bronsteyn.wordpress.com/2012/04/03/%E2%80%9Etravail-attractif-anziehende-arbeit/ (bronsteyn)

http://www.nao-prozess.de/blog/die-anziehungen-sind-proportional-zu-den-bestimmungen-charles-fourier-und-der-kommunismus/ (bronsteyn)

https://systemcrash.wordpress.com/2012/12/05/bedurfnis-und-leidenschaft/ (systemcrash)

D) Wärmestrom Debatte 

https://systemcrash.wordpress.com/2012/04/30/analyse-und-hoffnung/ (systemcrash)

https://systemcrash.wordpress.com/2012/05/04/projekt-warmestrom-zur-kritik-der-waffen-der-kritik/ (systemcrash)

http://www.nao-prozess.de/blog/die-warmestrom-seite-lenins/ (bronsteyn)

https://systemcrash.wordpress.com/2011/12/06/wilhelm-reich-was-ist-klassenbewusstsein/ (systemcrash)

http://www.nao-prozess.de/blog/auf-ein-wort-zum-leninismus/ (bronsteyn)*

[*dieser text des gen. bronsteyn ist zwar nicht direkt im rahmen der wärmestrom debatte entstanden, gehört hier aber trotzdem inhaltlich dazu]

„die menschheit wird herr in der natur, aber der mensch wird sklave des menschen oder sklave seiner eigenen niedertracht. sogar das reine licht der wissenschaft kann, so scheint es, nur vor dem dunklen hintergrund der unwissenheit strahlen. das resultat aller unserer erfindungen und unseres fortschritts scheint zu sein, dass materielle kräfte mit geistigem leben ausgestattet werden und die menschliche existenz zu einer materiellen kraft verdummt.“ — Karl Marx** [herv v mir]

I.

der ursprung aller religion/spiritualität ist die verehrung des "weiblichen" als göttlich: die GROSSE MUTTER

der ursprung aller religion(en)/spiritualität ist die verehrung des weiblichen als ‚göttlich‘: die GROSSE MUTTER [Felszeichnung der Aborigines. gefunden im blog ‚Entdinglichung‘]

Die sexuelle Differenz

die französische philosophin (und Lacan Schülerin) Luce Irigaray schrieb 1991:

“die sexuelle differenz stellt eine der fragen oder die frage dar, die in unserer epoche zu denken ist.”

diese wende im feministischen denken gab es auch in deutschland in den späten 80er jahren. der anstoss bildete ein buch des autorenkollektivs des mailänder frauenbuchladens “wie weibliche freiheit entsteht”.

das autorenkollektiv forderte darin eine völlig neue politische praxis, die die “sexuelle differenz” nicht länger verleugnet, sonder aktiv in theorie und praxis mit einbezieht. ihr hauptargument war dabei, dass eine politik der reinen “gleichstellungsforderungen” den effekt habe, die patriarchale struktur der gesellschaft immerzu aufs neue zu reproduzieren; da “gleichheit” sich nur an der “differenz” definieren lasse. dabei wird aber nicht eine eigenständige weibliche subjektivität zum “massstab” genommen, sondern das “weibliche” immer nur als negativ (das andere) des männlichen (kulturell) bestimmt.

die gleichheit der frauen — so die mailänderinnen — bestünde nur in ihrer “opferrolle”. wirkliche freiheit wäre erst möglich, wenn die unterschiede zwischen den geschlechtern — aber auch unter den frauen ! — anerkannt werden würden und den beziehungen im persönlichen wie im gesellschaftlichen bereich den vorrang einräumen würden. ein solches beziehungsgeflecht (netzwerk) , dass die frauen durch weschselseitige anerkennung stütze, könnte dann der beginn einer “weiblichen gegenkultur” sein.

eine ähnliche position vertrat die philosophinnen-gruppe “Diotima” der universität von Verona (Italien). ihre hauptthese: die geschlechterdifferenz ist unhintergehbar, da sie auf eine asymmetrie der geschlechter beruht, die nicht (mehr) zurückführbar sei. nur wenn die frauen bereit sind, dies zu akzeptieren, kann es eine befreiung von den patriarchalen werten und normen geben, sowie die entwicklung EIGENER (weiblicher) massstäbe.

Margerete Susmann stellte 1926 fest, dass frauen, die sich selbst zu fassen versuchen, dies zunächst nur in “männlichen” kategorien vermögen, da es keine andere symbolische ordnung gibt als die “männliche”. (z B in der sprache).

noch früher (1888) stellte Mathilde Vaerting die behauptung auf, die wirkliche biologische differenz der geschlechter liesse sich nur dann feststellen, wenn man den aspekt der gesellschaftlichen “Machtungleichheit” ausschliessen könnte.

und die schriftstellerin Virginia Woolf — gefragt nach ihrer haltung zum “krieg” — sagte: “die einzige art, wie wir [also die frauen] euch helfen können, die kultur und die gedankenfreiheit zu verteidigen, besteht darin, UNSERE kultur und UNSERE gedankenfreiheit zu verteidigen.”

Leonore Kühn, eine Komponistin und Philosophin, die fast zur gleichen zeit wie Virginia Woolf lebte, antwortete auf die rhetorische frage, was das ziel der frauenbewegung sei: “nichts weniger als eine ganze welt zu erschaffen, ja mehr als das, eine vorhandene, geprägte welt neu umschaffen” (1925).

zum (vorläufigen) abschluss noch zwei zitate von der eingangs erwähnten Luce Irigaray, die ich für sehr wichtig halte:

“ich werde niemals an der stelle eines mannes sein, niemals wird ein mann an meiner stelle sein. welche identifikationen es auch geben mag, niemals wird der eine genau die stelle des anderen einnehmen. mann und frau sind nicht aufeinander reduzierbar. was der andere ist, der für mich immer unergründbar ist, ist der andere, der sich geschlechtlich von mir unterscheidet. das staunen, das verzaubertsein, die verwunderung angesichts des unerkennbaren müssten an ihren ort zurückkehren, den der sexuellen differenz.” (1991)

“diese differenz – männlich/weiblich — hat immer innerhalb der systeme der repräsentation, der selbstrepräsentation des (männlichen) subjekts [ich würde anfügen: VORWIEGEND männliche subjekte] funktioniert. […] denn ein geschlecht und sein mangel, sein schwund, sein negativ, [das „andere“ im sinne von Beauvoir] das ergibt keine ZWEI geschlechter. […] es geht also weder darum, sich in diesem mangel, in diesem negativ einzurichten, selbst wenn man es anprangert, noch darum, die ökonomie des gleichen [des alles aufs männliche eichmass reduzierten] umzukehren, indem das weibliche zum eichmass der “sexuellen differenz” gemacht wird, es geht um den versuch, diese DIFFERENZ ZU PRAKTIZIEREN. [herv v mir]

nur dann — so möchte ich anfügen — ist auch eine wirkliche ANERKENNUNG des anderen (in seinem/ihrem anderssein) möglich. allerdings darf dies nicht wieder in eine hierarchisierung [herrschafthierachie] noch zu einer unterwerfung des anderen unter das “gleiche” [die nichtanerkennung der differenz] hineinführen.

die patriarchale identitätslogik [die verleugnung einer eigenständigen weiblichen subjektivität] ist aber zur beschreibung “weiblicher erfahrungen” [und ihrer horizonte] nicht geeignet. das geschlecht, was nicht “eins” ist, passt nicht in das raster einer festgefügten identität – [und stellt daher eine (potentielle) bedrohung für die grundlagen der gesamten [westlichen?] “zivilisationsentwicklung” dar, die den ausschluss des “weiblichen” als negative abziehfolie/dualen definitionspol zur bedingung hatte.]

die “vielfalt” (auch die der geschlechter) sollte dem entgegengesetzt doch eigentlich vielmehr ein “selbstzweck”* sein (Evelyn Fox-Keller, 1986), der in letzter instanz doch nichts anderes ist als allumfangende, bedingungslose liebe zu allem, was (fühlend/bewusstseinsbegabt) existiert.

_______

  • * „Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner Basis aufblühen kann.” (Marx, Das Kapital)
  • ** zit nach: Alfred Schmidt, Der Begriff der Natur in der Lehre von Marx

II. Vernunft [und Vernunftkritik]

“die vernunft muss immer die fäden in der hand halten, denn wer vernünftig sagt, meint glücklich. […] Man braucht leidenschaften, um glücklich zu sein. — Emilie du Chatelet

Stein_fraustatue

die abendländische philosophie ist seit ihren anfängen eine philosophie der vernunft, des LOGOS, der rationalisierung oder des rationalismus. unsere kultur ist logozentrisch seit sie dem mythos entwachsen ist. konkret bedeutet das:

– allgemeinheit statt besonderheit (individualität)

– gesetzmässigkeit, regelhaftigkeit, berechenbarkeit statt zufall, willkür oder chaos (der natur)

– misstrauen gegenüber allem bloss natürlichen als dem unkontrollierbaren, und das heisst im menschen: gegenüber den gefühlen, affekten und leidenschaften.

Ken Wilber nennt die “Würde der Aufklärung” die befreiung des menschen aus BLINDEM glauben, aber um den preis, dass alles transrationale (mit geltungsanspruch) gleich mit entsorgt wurde (“Aufklärung als Flachland”, einseitiger rationalismus)

dass nicht alles technisch machbar (und wünschenswert) ist, wissen wir spätestens seit der ökobewegung.

Adorno/Horkheimer verwiesen in der “Dialektik der Aufklärung” auf den engen zusammenhang von naturbeherrschung und herrschaft von menschen über menschen (was sowohl für den kapitalismus richtig ist als auch für das “patriarchat”).

Horkheimer spitzte diese erkenntnisse noch weiter zu, indem er den begriff “instrumentelle vernunft” einführte, was eine rationalität unter ausgrenzung von sinnlichkeit und (unmittelbare und intuitive) erfahrung bedeutet. zusammengefasst:

mit der zunehmenden entfremdung des menschen von der natur, seiner arbeit und dadurch auch von sich selbst sei der zerfall der vernunft und damit letztlich des INDIVIDUUMS [herv v mir] nur noch eine frage der zeit.

in der postmodernen theorie führte das bis zur “dekonstruktion” des (traditionellen) wahrheitsbegriffs. Foucault bringt es auf den punkt, wenn er schreibt:

“der wert einer aussage bestimmt sich nicht durch die wahrheit. das, was sich durchsetzt, wird zu wahrheit.” [das ist übrigens auch die eigentliche bedeutung des begriffs DISKURS]

[man beachte den engen zusammenhang zu Gramscis hegemonie-konzeption]

oder noch etwas weiter pointiert: “objektivität ist die selbsttäuschung des subjekts, beobachtung sei ohne es möglich. die anrufung der objektivität ist gleichbedeutend mit der abschaffung der VERANTWORTLICHKEIT [herv v mir]; darin liegt ihre popularität begründet.” — Heinz von Foerster

ebenso Humberto Maturana: ” die verantwortung des einzelnen menschen wächst, wenn er sich nicht länger länger auf angeblich objektive sachzwänge berufen kann, sondern sichtbar wird, dass er allein auswählt, was er für wichtig hält und was verwirklicht werden soll.”

erst eine verbindung der rationalität mit der intuition (und ihre überschreitung zur transrationalität) wird auch die geistigen mittel hervorbringen, die auch für die “lösung der geschlechterfrage” notwendig sind, da sie die psychische bi- [oder: multi-] sexualität aller geschlechter zur voraussetzung hat.

III. Tod und Geburt

“[…] nicht indem der mensch sein leben hergibt. sondern indem er es wagt, erhebt sich der mensch über das tier; deshalb geniesst innerhalb der menschheit das höchste ansehen nicht das geschlecht, das gebiert, sondern das tötende geschlecht.” — Simone de Beauvoir

ich will hier nicht auf die “metaphysische” frage eingehen, ob der tod eine biologische banalität darstellt oder eine “grenzüberschreitung” – denn diese frage ist tatsächlich eine reine glaubensfrage (da ist dafür keine geltungskriterien gibt und geben kann. das gilt auch für sog. “nahtoderfahrungen”).

da der tod aber eine ABSOLUTE auflösung des seins bedeutet (zumindest in umserem [westlich-rationalistischen] verständnis, stellt er die “sinnfrage” in einem ganz bestimmten sinne: über die gewissheit des eigenen todes, die laut Hegel unbedingt zur entwicklung von Selbstbewusstsein gehört:

“nicht das leben , das sich vor dem tode scheut und vor der verwüstung rein bewahrt,sondern das ihn erträgt und ihm sich erhält, ist das leben des Geistes.”

den begriff “geist” darf man hier freilich nicht vulgär-idealistisch verstehen, sondern mehr im sinne der erkenntnis der universalen kosmischen gesetze, die auch ein ordnungsprinzip für die menschen sind.

(ich hoffe, man verzeiht mir wenigstens ein metaphysisches zitat , weil es mir so gut gefällt. die pythagoreische philosophin Theano schreibt: “das leben wäre für die gottlosen ein wahrer festschmaus, und wenn sie alle laster begangen hätten und darauf sterben, der tod nur ein gewinn, wenn die seele nicht unsterblich wäre”.)

Satre sah allerdings in der akzeptanz der endlichkeit auch eine chance, durch das ergreifen und verwerfen von lebensmöglichkeiten könne die individuelle existenz einmalig gestaltet werden.

da die patriarchale kultur aber im wesentlichen eine kultur des verdrängten Todes ist, muss diese todesangst auf das weibliche projiziert werden. die verbindung von “frau” und “tod” ist ein weit verbreitetes motiv in der malerei, der literatur oder der musik.

was das leben dem tode zu trotz bedeutet, hat Simone de Beauvoir in diesen wunderschönen worten ausgedrückt:

“[…]der mensch hat Sein zu sein, er sucht in jedem augenblick Sein zu machen – dies ist das Sichentwerfen. das menschliche Sein existiert in der gestalt von entwürfen, die nicht entwürfe auf den tod hin sind, sondern entwürfe auf bestimmte ziele hin. […] der mensch macht, um zu SEIN [herv v mir]. er muss sich TRANSZENDIEREN [herv v mir], da er nicht ist.”

das abstrakt-logozentrische denken versucht unsterblichkeit durch (rein) geistige werte zu erlangen (männliche kopfgeburten), die frau hingegen besitzt bereits durch ihre gebärfähigkeit — zumindest indirekt — die möglichkeit, ein teil von sich weiterzugeben. (der anteil des männlichen an der schwangerschaft war nicht historisch VON ANFANG AN evident).

“der männliche denker schafft sich einen geistigen ersatz für das kreative anknüpfen des lebens an den tod, das die frau kraft ihrer gebärfähigkeit besitzt, indem er den unsterblichkeitsfaden zwischen seiner reinen vernunft und dem Einen Geistprinzip knüpft.”

“[…] das ‘wunder’ besteht darin, dass überhaupt menschen geboren werden, und mit ihnen der neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres geborenseins. nur wo die seite des handelns voll erfahren ist, kann es so etwas geben wie ‘glaube’ und hoffnung […] dass man in der welt vertrauen haben [Urvertrauen] und dass man für die welt hoffen darf […]”

“aber welchen sinn ergibt es, um welchen preis ist es möglich, sich auf den tod zu konzentrieren und das wunder der geburt zu vergessen, auf das ende fixiert zu sein und den anfang zu ignorieren und die einsamkeit des sterbens zu betonen, als ob die menschliche BEZOGENHEIT DER GEBURT [herv v mir] kein gegengewicht darstellte? ein Selbst, das sich im schatten von “alle menschen sind sterblich” definiert, fühlt sich einsam und bedroht.

wir beginnen unser leben aber nicht alleine oder in bedrohung; unser anfang liegt geschützt im mutterleib, in verbindung zu einer anderen [dem weiblichen menschen].

freilich endet die geburt nicht mit dem austritt aus dem mutterleib, sondern die wahre “psychische geburt” des menschen [individuation] ist ein lebenslanger lernprozess.

IV. Göttin – Auf dem Weg zu einer weiblichen Spiritualität (Gleichzeitig ein Beitrag zur Versöhnung der Dualismen als evolutionäre Wendeltreppe des Geistes)

die weisheit (griech: SOPHIA) ist weiblich. und die ersten götter waren ebenfalls weiblich – die GROSSE MUTTER.

“nur die eine hälfte der menschheit bring offensichtlich leben hervor, und deshalb steht am beginn der menschlichen kultur die verehrung des weiblichen als des Numinosen [göttlichen], welche das geheimnis des lebens birgt.”

allerdings darf man das “matriarchat” NICHT als spiegelverkehrtes patriarchat denken. das matriarchat war vielmehr eine gesellschaft mit höherer egalität. (allerdings gab es auch wohl rituelle menschenopfer).

eine gesellschaft, in der frauen sämtliche werte und symbolischen strukturen definierten und die Macht hatten, dass sexualverhalten der männer zu kontrollieren, hat es historisch nie gegeben und gehört daher ins reich der mythen und legenden (die aber gewiss auch einen aussagewert haben).

in einem prozes von 2500 oder 5000 jahren ist das patriarchat von männern und frauen geschaffen worden. die betonung liegt auf PROZESS und UND.

der übergang vom matrilinearen zum patrilinearen denken kommt symbolisch im theaterstück des Aischylos (“Orestie”) zum ausdruck. er lässt in dem stück Apollon sagen:

“nicht ist die mutter ihres kindes Zeugerin

Sie hegt und trägt den eingesäten samen nur;

es zeugt der Vater, aber sie bewahrt das pfand,

[…]

denn Vater kann man ohne mutter sein – Beweis

ist dort die eigne tochter des olympiers Zeus,

die nimmer eines mutterschoßes Dunkel barg.”

durch diesen kulturellen “paradigmenwechsel” wird die “göttin” immer und immer wieder ermordet und systematisch aus dem kulturellen gedächtnis der menschheit verdrängt. (Mary Daly)

die (wieder)entdeckung der weiblichen spiritualität ist aber keineswegs nur ein produkt der neuen frauenbewegung. bereits im 13. jahrdt entwickelte sich eine christliche mystik im gegensatz zur rationalistischen theologie und philosophie, die stark von frauen geprägt war.

auch die bereits erwähnte Luce Irigaray kritisiert das “patriarchale christentum”, kodifiziert in der trinitäts-vorstellung “vater-sohn-heiliger geist”:

damit wird die frau auf die mutterschaft, nämlich die hervorbringung des gottessohnes, festgelegt. Es sei jedoch wichtig, dass frauen die möglichkeit haben, sich auf ein unendliches — die GÖTTIN — hin zu transzendieren. “wir brauchen die ahnung einer vollkommenheit, um zu werden.” eine GÖTTIN sei erforderlich, um die ICH-werdung (oder subjektwerdung) der frau zu vollenden.

freilich fand diese “spirituelle wendung” in der frauenbewegung auch ihre kritikerinnen:

es zeige sich darin ein paradigmenwechsel innerhalb der frauenbewegung, der weg vom konkreten politischen Alltagshandeln zu einer grösseren betonung des “körper-ICHs” führt, verbunden mit einer zunehmenden idealisierung weiblicher werte, die nicht selten sogar die traditionelle differenz reproduziere. [zusätzlich sehe ich noch eine gefahr in einer überbetonten innerlichkeit als fluchtmittel]

trotz dieser sicher berechtigten kritik erscheint es mir nicht zwangsläufig notwendig, einen gegensatz von “polik” und “spiritualität” anzunehmen, vielmehr könn(t)en sie sich sogar ergänzen mit der entsprechenden denkweise. (wenn man denn den mut zum heterodoxen denken hätte)

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Ein Kommentar zu “Materialzusammenstellung zur ‚Geschlechter-Differenz‘

  1. eine australische facebook freundin hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die zeichnung vom blog „entdinglichung“ von mir etwas sehr einseitig interpretiert wurde. wenn man die zeichnungen im grösseren kontext sieht, könnte man auch zu ganz anderen ergebnissen kommen. aber unabhängig davon, bleibt der von mir behauptete satz richtig und die zeichnung gefällt mir – ich lasse es also so stehen und verspreche niemals prähistorische ethnologie zu praktizieren 😉 ^^

    http://rde.nsw.edu.au/rm/specialPlaces/special_places_st3/Nourlangie/nourlangie.htm

    wie ich gerade feststellen musste, hat ‚entdinglichung‘ lediglich das foto eines IKS artikels übernommen. hier also die wahre ursache der missinterpretation 😉

    http://en.internationalism.org/internationalreview/201212/5422/womans-role-emergence-human-culture

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