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Russischer Chauvinismus a la Spartacist

spart_ukraine

„(Gross)russischer Chauvinismus“ der Spartacist League in Aktion !

(unterer Text auf dem Plakat: „Die Krim ist russisch“)

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15 Kommentare zu “Russischer Chauvinismus a la Spartacist

  1. Pingback: „Die Krim ist russisch!“ Kommunisten und nationale Frage « Walgesang

  2. Schon ist man in Teufels Küche, wenn man davon ausgeht, daß nationale Selbstbestimmung doch ein wichtiges „Recht“ sei.
    Es gibt ja viele Linke, für die eine „vernünftige“ Lösung der Konflikte in der Ukraine die „saubere“ Trennung nach sprachlicher/politischer Orientierung ist. Auf Facebook z.B. hieß es da „Krim zurück an Russland, und gut is!“, ein Teilungsplan der der Komsomolskaja Pravda für die Ukraine wurde auch hier und da nachgedruckt, der die Ukraine in Ost- und West-Ukraine aufzuteilen vorgeschlagen hat.
    Dabei wäre jetzt ein grundlegender Antinationalismus angesagt, zu dem sich aber gerade Trotzkisten aller Schattierungen (und Leninisten ja auch schon nicht) nie haben aufraffen mögen.

  3. das recht auf nationale selbstbestimmung ist schon ok, aber bei der SL losung gehts ja darum, dass man ein territorium (Krim) machtpolitisch einem staat zuordnet (Russland), weil diese eine historische beziehung zueinander haben. diese historische beziehung bestreitet ja auch niemand, trotzdem liegt es allein in der entscheidung der „volksmassen“ auf der Krim, wie sie ihre politischen (und territorialen) verhältnisse gestalten wollen. der hinweis auf die historischen bindungen ist dabei eher ein untergeordneter aspekt.

  4. Bei den Sparts, wie bei allen anderen, die jetzt „national“ das Territorium der Ukraine aufteilen wollen, geht es schon um den jeweiligen „Volkswillen“. Der ist zumindest auf der Krim recht überwiegend prorussisch. Der Anschluß an den Nachbarstaat wurde ja gerade mit allem formalen Pipapo formalisiert. Insofern ist die Parole nur Bebilderung des eh vorherrschenden nationalistischen Massenbewußtseins.

    Du konzedierst so locker vom Hocker, „das recht auf nationale selbstbestimmung ist schon ok“, gibst dafür aber keinen „vernünftigen“ kommunistischen Grund an.

    • „Das Proletariat muß die Freiheit der politischen Abtrennung der von „seiner“ Nation unterdrückten Kolonien und Nationen fordern. Andernfalls wird der Internationalismus des Proletariats zu leeren Worten; weder Vertrauen noch Klassensolidarität unter den Arbeitern der unterdrückten und der unterdrückenden Nation sind möglich;“

      „Im Gegensatz zu den kleinbürgerlichen Demokraten sah Marx in allen demokratischen Forderungen ausnahmslos nicht etwas Absolutes, sondern einen historischen Ausdruck des von der Bourgeoisie geleiteten Kampfes der Volksmassen gegen den Feudalismus. Es gibt keine der demokratischen Forderungen, die nicht unter bestimmten Umständen als Werkzeug des Betruges gegen die Arbeiter von seiten der Bourgeoisie dienen konnte oder gedient hätte. Daher wäre es theoretisch grundsätzlich falsch, eine der politischen Forderungen der Demokratie, nämlich das Selbstbestimmungsrecht der Nationen, in dieser Hinsicht auszusondern und den übrigen Forderungen entgegenzustellen. In der Praxis kann das Proletariat nur dann seine Selbständigkeit bewahren, wenn es den Kampf für alle demokratischen Forderungen, die Republik nicht ausgenommen, dem revolutionären Kampf für die Niederwerfung der Bourgeoisie unterordnet.“

      „Das Selbstbestimmungsrecht ist eine der Forderungen der Demokratie, die natürlich dem Kriterium der Gesamtinteressen der Demokratie unterliegt.“

      — Lenin http://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1916/01/nationen.html

  5. Ja, systemcrash, daß Lenin (und die Dritte Internationale) für das „Selbstbestimmungsrecht“ der „Nationen“ eingetreten sind, das weiß ich schon auch. Nur ist das per se keine Begründung, warum das eine vernünftige kommunistische Politik abgibt.

    • „der sektierer ignoriert einfach, dass der nationale kampf, als eine[r] der verworrensten und unübersichtlichsten, aber zugleich äusserst wichtigen formen des klassenkampfes, nicht durch blossen verweis auf die künftige weltrevolution entschieden werden kann. wenn die kleinbürgerlichen und selbst die proletarischen Massen der west-Ukraine sich von der UDSSR abwenden, gleichzeitig aber vom internationalen proletariat weder unterstützung noch führung erfahren, fallen sie der reaktionären demagogie zum opfer. […] die rechtzeitig von der proletarischen avantgarde propagierte losung einer unabhängigen Ukraine wird unvermeidlich das kleinbürgertum spalten und ihren unteren schichten ein bündnis mit dem proletariat erleichtern. nur auf diesem weg kann die proletarische revolution vorbereitet werden.“

      — Leo Trotzki, Die Unabhängigkeit der Ukraine und die sektiererischen Wirrköpfe [1939]

  6. doch, ich finde schon. weil es ohne neutralisierung „nationaler“ widersprüche keine freilegung des KLASSENkampfes geben kann; und damit die internationale verbrüderung/verschwisterung der arbeiterklasse. dies kann nur glaubhaft sein, wenn marxisten das selbstbestimmungsrecht der (unterdrückten) nationen verteidigen. alles andere wäre nationalismus (wie jetzt die sparts auf der krim)

  7. Walter Daum, den du ja schätzt, hat auf FB kommentiert:

    „Well, Crimea is factually “Russian” because of Tsarist conquest and Tsarist and Stalinist ethnic cleansing. “Crimea is Russian” is not exactly a history for Marxists to endorse. Today as well, since Russia is an imperialist country and Ukraine an oppressed country, siding with Russia in this conflict is a pro-imperialist position. (Which does not mean you have to side with the imperialist EU/US.)

    Not the first time the Spartacists have taken such a position. And they do it in their trademarked “angular” fashion, to the extent that the slogan’s wording is reminiscent of “Algérie Française.” It would be fine to raise a slogan like “Defend the rights of Russian-speakers in Ukraine,” but the Spartacists have gone way beyond that.

    Also, the rights of the Crimean Tatars as an oppressed people must be taken into account – which this slogan arrogantly does not do.“

  8. Wenn du schon Walter Daum zitierst, sollte hier auch meine Entgegnung stehen:

    „Every piece of earth on this planet is XXXan because of some more or less distant conquering in the past. The US as a whole is „newer“ as the russian Crimea, I would think.

    But you are correct that every attempt at reaching a „clean“ national“ solution is bound to end in ethnic cleansing to get there. This was especially true on the Balkans and in India and is obiously a big problem everywhere in the Ukraine and especially in Crimea.

    If it would be only a question of newborders drawn between socially and politically equal states I would not object if the people decide themselves to which state they want to belong (Besides critizising them for such a stupid wish). This has happened a few times in history, In Germany the Saarland decided only in the 50ies to belong to Germany and not to France.

    But right now the battle cry of all european and US imperialist politicians and media that the Ukraine belongs to us and that with all its parts is a sordid and dangerous policy as well.

    A summary of the current malaise (but in German):
    http://alanier.at/Ukraine2014.html

    Another article in this anti european imperialist thrust was just published by GegenStandpunkt:
    „EU-Osterweiterung zum Dritten:
    die „östliche Partnerschaft“ mit der Ukraine
    Europa geht bis an die Grenzen
    seiner Methode friedlicher Eroberung
    und darüber hinaus“
    [Europe goes to the limits of pieceful conquering and even further]
    http://www.gegenstandpunkt.com/gs/2014/1/gs20141047h1.html

  9. neoprene hat den entsprechenden Workers Vanguard artikel auf seinem blog gespiegelt:

    http://neoprene.blogsport.de/2014/03/13/icl-fi-ukraine-coup-spearheaded-by-fascists-backed-by-u-s-eu-imperialists/

    „It is principled for Marxists to support the Russian intervention into Crimea so long as Russia were to implement special rights for the Crimean Tatar minority, who are plenty oppressed under Ukrainian rule. That Crimea was ever transfered to Ukraine was a stupid administrative error of the Khrushchev regime, contrary to the history as well as the national and linguistic make-up of Crimea.“

    — Workers Vanguard, 03. März 2014

    es gibt auch eine deutsche übersetzung (danke an Bernhard T.)

    http://spartacist.org/deutsch/extra/ukraine.pdf

  10. ein besonderes fundstück hat jetzt Eichental bei neoprene gepostet. ein zitat von Wal Buchenberg zur Maidan bewegung. das will ich den hiesigen blog lesern nicht vorenthalten:

    „Ich halte es für falsch, Volksbewegungen nach ihren Motiven („Nationalismus“ etc.) beurteilen zu wollen. Erstens sind diese Motive immer vielschichtig und zweitens sind die Motive von abertausenden Menschen gar nicht ausforschbar.
    Außerdem entstehen in der Geschichte wie im privaten Leben, gute Wirkungen aus schlechten Absichten und schlechte Wirkungen aus guten Absichten. Hegel ging sogar so weit zu behaupten, dass „alles Schädliche in der Geschichte aus guter Absicht entstanden“ sei.
    In der Geschichte wie im Privatleben zählen letztlich nur die Auswirkungen unseres Handelns, nicht unsere Absichten.“

    http://marx-forum.de/Forum/index.php/Thread/291-Maidan-und-die-Linke/?pageNo=4&s=01b92536e46c239417871c0645d20823ca678f9e

    (danke an Eichental http://neoprene.blogsport.de/2014/02/28/ukraine-aufbruch-in-den-abgrund/#comment-100652 )

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